Beim Bahnhof Kempten soll Platz für zwölf Züge geschaffen werden
SBB planen Abstellgleise
Die SBB wollen beim Bahnhof Kempten Abstellgleise bauen. Bei der Stadt Wetzikon löst dieses Vorhaben grosse Skepsis aus.
Für den geplanten Ausbau der Zürcher S-Bahn benötigen die SBB zusätzliche Abstellgleise im Oberland. Mit dem Ausbauschritt 2035 kommen S-Bahn-Züge mit einer Gesamtlänge von rund neun Kilometern dazu, die abgestellt werden müssen. «Damit Leerfahrten im bereits stark belasteten SBB-Netz vermieden werden können», heisst es dazu in einer Medienmitteilung. Die Fahrzeuge werden dabei ausserhalb der Spitzenzeiten am Morgen und am Abend abgestellt. In dieser Zeit verkehren die S-Bahn-Züge verkürzt.
Als Abstellplatz haben die SBB nun das Areal Binzacher beim Bahnhof Kempten ins Auge gefasst. Für dieses Areal laufen seit mehreren Jahren Planungen für eine künftige Entwicklung, auch seitens der Stadt Wetzikon.
Seit Ende 2024 liegt die Zuständigkeit für die Erarbeitung der erforderlichen Planungsschritte im Gestaltungsplan-Pflichtgebiet Binzacher nicht mehr bei den privaten Grundeigentümerschaften, sondern bei der Stadt. Den Grundeigentümern wurde im Herbst 2025 in Aussicht gestellt, dass sie im Frühjahr 2026 ausführlich über den kommenden Planungsprozess und ihren Einbezug informiert würden.
Der Stadtrat nehme die nun angekündigte Prüfung der SBB zur Kenntnis, heisst es im aktuellen Stadtratsbeschluss. Er begegne diesem jedoch mit grosser Skepsis. «Eine solche Anlage widerspricht den städtischen Entwicklungsabsichten, und die Auswirkungen auf das strategisch bedeutende Entwicklungsgebiet sind nicht absehbar.»
Im Mai hatten Vertreter der SBB den Stadtrat über neue Entwicklungsabsichten auf den SBB-eigenen Grundstücken im Gestaltungsplan-Gebiet informiert. «Gemäss einer vertieften Analyse der SBB stellt das Grundstück beim Bahnhof Kempten den einzigen geeigneten Standort im Zürcher Oberland für eine erforderliche Abstellanlage für S-Bahn-Zugkompositionen dar.»
Konkret ist eine Abstellanlage mit einer Kapazität für bis zu zwölf Fahrzeuge à 150 Meter Länge geplant. Dies entspricht insgesamt einer Breite von sechs zusätzlichen Gleisen auf einer Länge von 340 Metern, total wird eine Fläche von 15’000 Quadratmetern beansprucht.
Auch Wohnungen und Gewerberäume möglich
Nach heutigem Stand ziehen die SBB das Areal für eine kombinierte Nutzung in Betracht. Das bedeutet, dass über den Gleisen auf mehreren Ebenen die neue Fläche auch als Wohnraum, für das Gewerbe oder eine öffentliche Nutzung verwendet werden könnte. Ähnliche Mehrfachnutzungen wurden etwa bei den Tramdepots Kalkbreite und Hard in Zürich bereits umgesetzt.
Gemäss dem Entwicklungskonzept Binzacher sollen auf dem Areal zwar öffentliche und halb öffentliche Platzsituationen und Freiräume für die künftigen Quartierbewohnerinnen und -bewohner entstehen. Aber: «Eine Abstellanlage mit Mehrfachnutzung in der vorgesehenen Form würde neue Massstäbe im Quartier Kempten setzen», so der Stadtrat. «Eine erneute Auseinandersetzung der Stadt mit dem Gebiet bezüglich der künftigen Funktionen und Qualitäten wäre erforderlich.»

Dies bedeute eine deutliche Verzögerung des Planungsverfahrens Binzacher. «Mehrere Festlegungen des Entwicklungskonzepts werden durch das Vorhaben infrage gestellt, ein Start des Verfahrens ist unter den gegebenen Umständen nicht zielführend.» Die bereits gestarteten Planungsarbeiten für eine Personenunterführung beim Bahnhof Kempten würden aufgrund des SBB-Vorhabens sistiert.
Der Stadtrat erwartet nun von den SBB, dass sie das Standortauswahlverfahren, welches zum Entscheid für Kempten geführt hat, transparent erläutern. «Zentral sind eine nachvollziehbare Standortlogik und die ergebnisoffene Prüfung weiterer Optionen.»
Die betroffenen Grundeigentümerschaften wurden indes über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen informiert und bleiben im Prozess involviert. Die Stadt und die SBB wollen die weiteren Abklärungen so koordinieren, dass sowohl die Anforderungen des öffentlichen Verkehrs als auch die Entwicklungsperspektiven des Gebiets Binzacher berücksichtigt werden. Für die Prozessbegleitung seitens der Stadt hat der Stadtrat einen Kredit von 61’000 Franken bewilligt.

