Die geplanten Kiesgruben in Tagelswangen sind vorerst auf Eis gelegt
Bundesgerichtsurteil
Bei Tagelswangen auf dem Gemeindegebiet von Lindau gibt es viel Kies, der hätte abgebaut werden sollen. Doch die Pläne müssen vorübergehend zur Seite gelegt werden.
In der Gemeinde Lindau hätten in Tagelswangen auf einer Fläche von über 47 Fussballfeldern neue Kiesgruben entstehen sollen. Die Kies AG hätte am liebsten in diesem Jahr noch mit dem Abbau gestartet. Doch der Konjunktiv verrät es schon: Das Vorhaben wurde Anfang Juni vom Bundesgericht verhindert, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.
Gemäss Bundesgericht wurden alternative Standorte für den Kiesabbau zu wenig geprüft. So sei die Evaluation zu wenig transparent gewesen und nach nicht vordefinierten Kriterien vollzogen worden. Der Entscheid fällt somit zugunsten der IG Kiesgrube – Nein aus, die sich seit Jahren gegen die Kiesgruben wehrt. Sie befürchtete mehr Lärm, Staub und viele Lastwagenfahrten.
Der Gestaltungsplan, der für die Kiesgruben notwendig ist, wurde also von der letzten Instanz für ungültig erklärt. Im Jahr 2022 noch wurde dieser festgesetzt und zunächst vom Baurekursgericht sowie vom Verwaltungsgericht gestützt.
Und was bedeutet der gerichtliche Entscheid für die geplanten Kiesgruben in Tagelswangen? Während der Gemeinderat von Lindau die Auswirkungen auf die Gemeinde erst noch analysiert, ist schon so viel klar: Gänzlich verhindert sind die Kiesgruben nicht, das Vorhaben wird sich aber mindestens um Jahre verzögern.
Die Baudirektion des Kantons erarbeitet zurzeit die «Gesamtschau Kies», wobei auch der Standort Tagelswangen eine Rolle spielt. Auf Basis der Ergebnisse wird dann der Richtplan angepasst. Ziel ist es, langfristig genügend Kies zu sichern.
Kein Lindauer Kies für den Brüttener Tunnel
Dass die Kiesgrubenpläne auf Lindauer Gemeindegebiet vorerst blockiert sind, hat auch Auswirkungen auf den Bau des Brüttener Tunnels. Ursprünglich hoffte der Kanton darauf, mit dem Standort Tagelswangen Synergien nutzen zu können.
Konkret hätte der Kies aus Tagelswangen per Förderband zur Baustelle beim Brüttener Tunnel transportiert werden sollen. Umgekehrt wäre ein Grossteil des Aushubs zur Kiesgrube nach Lindau befördert worden. Dadurch hätte man auf eine beachtliche Anzahl an Lastwagenfahrten verzichten können.
Wegen des juristischen Streits mussten die SBB aber nach Alternativen suchen: Wie Mediensprecher Reto Schärli gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt, sei nun geplant, dass der Transport von Kies zur Baustelle und auch der Abtransport des Aushubs zu einer Kiesgrube hauptsächlich über die Bahn erfolgen sollten. Auf welche Kiesgruben anstelle jener in Tagelswangen zurückgegriffen wird, ist aber noch unklar.
Offene Folgen für Bäretswiler Kieswerk
Eruiert man die Auswirkungen des Bundesgerichtsentscheids, sticht unweigerlich das Kieswerk in Bäretswil ins Auge. Die Kies AG, die auch die Kiesgruben in Tagelswangen betreiben will, plant, ihre Anlage in Bäretswil zu erneuern und zu erweitern.

Hintergrund hierfür ist einerseits, dass die Anlage aufgrund ihres Alters saniert werden muss. Andererseits strebt die Kies AG einen Ausbau an, um dereinst Lindauer Kies per Zug nach Bäretswil zu transportieren und dort zu verarbeiten. Da die Zukunft der Kiesgruben in Lindau nun aber ungewiss ist, sagt Geschäftsführer Markus Ruff: «Wir prüfen, welche Auswirkungen dies auf unsere gesamte Kiesversorgung hat.»
Und hat der Gerichtsentscheid nun auch Folgen auf das Bauvorhaben in Bäretswil? «Das Bauprojekt in Bäretswil hängt nicht zwingend von den Kiesgruben in Tagelswangen ab», erklärt Ruff. Allerdings werde die Situation nochmals beurteilt.
Bevor der Neu- und Ausbau in Bäretswil überhaupt Realität werden könnte, gilt es ohnehin, noch einige Hürden zu nehmen. Denn für das Bauprojekt ist ein Gestaltungsplan vonnöten. Dieser wird derzeit ausgearbeitet. Voraussichtlich im Sommer 2027 wird dieser der Gemeindeversammlung in Bäretswil vorgelegt, wie es vonseiten der Gemeinde heisst.
