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Baustofffirma will das Kieswerk in Bäretswil ausbauen

Auflagen von Kanton und den Gemeinden stellen den Baustoffproduzenten FBB aber vor Herausforderunge.

Die Firma FBB will das Kieswerk Bäretswil erneuern und reichte dafür einen Gestaltungsplan ein.

Foto: PD

Baustofffirma will das Kieswerk in Bäretswil ausbauen

LKW-Fahrten nehmen zu

Der Baustoffproduzent FBB plant mehr Kies zu produzieren. Dazu will die Firma das Kieswerk in Bäretswil erneuern. Auflagen vom Kanton und den Gemeinden machen es ihr aber nicht leicht.

Die Firma FBB steckt in einer Zwickmühle: Die Firma soll zwar im Zusammenhang mit dem Bau des Brüttner-Tunnels im Lindauer Dorf Tagelswangen mehr Kies abbauen dürfen, darf diesen aber nicht vor Ort verarbeiten.

Der Kanton will stattdessen, dass die FBB den Kies mit dem Zug nach Bäretswil fährt und ihn da verarbeitet. Dazu müsste das Werk in Bäretswil aber ausgebaut werden, argumentiert die Firma.

Ob und wie die Baustofffirma ihr Kieswerk in Bäretswil aber ausbauen kann, ist noch unsicher. Im letzten November reichte sie den Gestaltungsplan bereits zum zweiten Mal beim Kanton ein.

Durch den Neubau will der Baustoffproduzent die Produktion dem erhöhten Kiesabbau in Tagelswangen anpassen. Dies würde allerdings auch zu einem Anstieg der LKW-Fahrten, vor allem auf der Strecke von Bäretswil nach Hinwil, führen.

Benötigter Bahnanschluss

Grundsätzlich habe die FBB geplant, Kies ausschliesslich in Tagelswangen, in der Gemeinde Lindau, abzubauen, erklärt Projektleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, Markus Ruff. Dies wurde auch im kantonalen Richtplan vom November 2009 vom Kanton festgesetzt.

Doch die Gemeinde Lindau habe dann im Jahr 2010 Rekurs eingelegt und den Fall vor das Bundesgericht weitergezogen – und das mit Erfolg. Laut dem höchstrichterlichen Urteil hat der Kantonsrat bei seinem Entscheid die Mitwirkungsrechte der Gemeinde missachtet.

Nach dem Entscheid des Bundesgerichts musste die FBB im Jahr 2014 neue Bedingungen für den Kiesabbau in Tagelswangen aushandeln. Dazu gehören laut Ruff unter anderem eine festgelegte Abbauzeit von 26 Jahren, in der die Firma 7,8 Millionen Kubikmeter Kies abbauen darf. Ausserdem ist ein Abtransport zu 80 Prozent mit dem Zug vorgeschrieben.

Eine Karte des Kieswerkes Bäretswil.
Nur das Kieswerk Bäretswil eignet sich für einen Hintransport mit der Bahn. Sonst fehlt es an Platz.

Auflagen, die das Projekt der FBB schwieriger Gestalten. «Wegen der Vorgabe von Tagelswangen die Bahn zu nutzen, haben wir keine andere Wahl, als den Kies im Werk Bäretswil zu waschen», erklärt Ruff. Ein Transport mit der Bahn sei aus platztechnischen Gründen sonst nirgends möglich.

Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet

Auch der Bau eines neuen Kieswerks in Tagelswangen gleich bei der Abbaustelle sei nicht möglich. Die FBB bedauere das. «Am liebsten würden wir alles gleich an einem Ort verarbeiten», sagt Ruff. Doch das Vorhaben scheiterte am Kanton.

Der Mediensprecher des Kanton Zürichs, Markus Pfanner, erläutert warum: «Das Kieswerk liegt ausserhalb der Bauzone.» Anders als eine Kiesabbauanlage, die von der Nähe zum Kies abhängig sei, sei dies bei einem Kieswerk nicht unbedingt notwendig. «Das Kieswerk in Bäretswil liegt in einer Industriezone und ist mit dem Bahnanschluss sehr geeignet.» Deshalb werde ein neues Kieswerk in Tagelswangen nicht bewilligt.

Das LKW-Problem

Mit diesen Bedingungen ist die FBB neben einer Erneuerung auch auf eine Vergrösserung des Kieswerks in Bäretswil angewiesen.

Die neue Anlage soll mit 35 Metern rund 7 Meter höher als die Alte sein und weicht somit von der sogenannten Regelbauweise ab. Die Firma musste deshalb dem Kanton einen privaten Gestaltungsplan vorlegen. 

Laut unserer Planung sind die Mehrfahrten im gering wahrnehmbaren Bereich.

Markus Ruff, Mitglied der Geschäftsleitung FBB

In diesem beschreibt sie das Ziel der neuen Anlage: Die Produktion soll um rund zwei Drittel auf bis zu 2'450 Kubikmeter pro Tag erhöht werden.

Dies wiederum würde auch zu mehr LKW-Fahrten führen. Zirka 68 Fahrten von Bäretswil über Wetzikon nach Hinwil, wo es zum Baustoff verarbeitet wird, müssten täglich mehr gefahren werden, sagt Ruff. Total wären das 340 Fahrten pro Tag.

Die FBB ist sich dem erhöhten Verkehr bewusst und informierte die Bäretswiler Bevölkerung an einer Infoveranstaltung im November. «Laut unserer Planung sind die Mehrfahrten aber im gering wahrnehmbaren Bereich», sagt Ruff.

Ausserdem könnten sich diese Zahlen laut Ruff noch verändern. «Wir wollen auf der sicheren Seite sein und planen mit genügend Spielraum.»

In der Vergangenheit sind mehr LKW-Fahrten durch Bauorganisationen immer wieder auf grösseren Widerstand gestossen. Beispielsweise für den Kiesabbau im Raum Rüti, wo 73 Lastwagenfahrten pro Betriebstag durch die Gemeinde vorgesehen waren. Die Gemeinde Rüti hat damals eine Einsprache eingereicht.

So sieht im Fall Bäretswil der Kanton Zürich die vermehrten LKW-Fahrten als ein Problem. Die FBB musste den Plan deshalb überarbeiten. «Der Kanton will, dass wir den Kies auch wieder mit der Bahn abtransportieren», sagt Ruff.

Wo das genaue Problem der zusätzlichen Fahrten liegt, sagt der Kanton auf Anfrage nicht. Er handle aber grundsätzlich im Sinne der Nachhaltigkeit, wie der Mediensprecher erklärt. Deshalb werde der Transport mit der Bahn allgemein gefördert.

Naturschutzgebiet ist im Weg

Der Abtransport von gewaschenem Kies aus Bäretswil sei aber weitaus komplizierter als der Hintransport des abgebauten Kieses aus Tagelswangen, erklärt Projektleiter Ruff. «Dafür müsste das Anschlussgleis um 130 Meter verlängert und mit einer Siloverladeanlage ergänzt werden.» Dafür reiche allerdings der Platz nicht. Denn nach dem ursprünglichen Bau des Kieswerks, sei das angrenzende Grundstück ein Natur- und Waldschutzgebiet geworden. «Wir haben den Naturschutz bereits angefragt. Bauen können wir dort aber nicht.»

Beseitigen lassen sich laut FBB die zusätzlichen LKW-Fahrten also nicht.

Mit dieser Begründung habe die FBB den Gestaltungsplan, mit den 68 zusätzlichen Lastwagenfahrten, erneut dem Kanton in die zweite Vorprüfung geschickt. «Wir sind auf die Erhöhung angewiesen. Der Abtransport mit der Bahn ist schlicht und einfach nicht möglich.»

Jetzt, im Januar, hat die FBB die Unterlagen für den Gestaltungsplan aus der zweiten Vorprüfung vom Kanton zurückbekommen. Laut Ruff sind aber lediglich kleine Präzisierungen nötig. So müsse die Firma dem Kanton zum Beispiel noch genauer erläutern, warum der Abtransport mit der Bahn nicht möglich ist. Dieser Prozess ist noch im Gang.

Geht es nach der FBB, sei jedoch geplant, dass die Bäretswilerinnen und Bäretswiler an der Gemeindeversammlung im Juni über den Gestaltungsplan abstimmen können.

Elektro-LKWs gegen Lärm

Um den Lärm- und Umweltemissionen der zusätzlichen Fahrten entgegenzuwirken, habe die FBB die Umstände des Kieswerk Bäretswil als Start für ein neues Experiment genutzt. «Wir wollen in Zukunft das Material mit elektrischen LKWs transportieren.» Die Geschäftsleitung sehe darin die Zukunft. Ausserdem würde sich Bäretswil hervorragend dafür eignen. «Auf der Strecke den Berg hinunter nach Hinwil können die LKW’s ihre Energie wieder aufladen. Das ist sehr praktisch und ökologisch.»

Zunächst wolle die FBB zwei Fahrzeuge anschaffen. Für die Baustofffirma ist das Neuland. Man will sich herantasten. Schliesslich kostet so ein Fahrzeug zirka 700'000 Franken. Wann die E-LKW’s in Betrieb genommen werden, sei allerdings noch nicht klar. Das könne man erst nach abgeschlossener Bauplanung für das Werk in Bäretswil beschliessen.

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