Politik

Tapinoma-Befall in Schwerzenbach und Volketswil

Ein Jahr nach Alarm: Die Ameisen krabbeln noch immer ungestört

Ein grosser Befall mit invasiven Tapinoma-Ameisen in Volketswil und Schwerzenbach wurde noch immer nicht übergreifend bekämpft. Eine Expertin erklärt, welche Konsequenzen möglich sind, wenn man damit zu lange wartet.

Ein Jahr nach Alarm: Die Ameisen krabbeln noch immer ungestört

Ein grosser Befall mit invasiven Tapinoma-Ameisen in Volketswil und Schwerzenbach wurde noch immer nicht übergreifend bekämpft. Eine Expertin erklärt, welche Konsequenzen möglich sind, wenn man damit zu lange wartet.

Anfang Juni vor einem Jahr gaben die Volketswiler Behörden bekannt, dass Gebiete auf Gemeindegrund und im angrenzenden Schwerzenbach mit der Tapinoma-Ameise befallen sind. Das SRF berichtete von einer Fläche so gross wie 35 Fussballfelder.

Im Gegensatz zu heimischen Ameisen kann die invasive Ameise Superkolonien bilden und auf diese Weise grosse Gebiete besiedeln. Und genau dieser grossflächige Befall kann zu erheblichen Problemen führen. Diese sind auf der Website der Gemeinde Schwerzenbach aufgelistet: Die Ameisen verdrängen einheimische Insekten, dringen in Häuser ein, beschädigen Dämmmaterial und Kabel oder bewirken gar Ernteausfälle in der Landwirtschaft.

Eine beissende Plage

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete von einem Befall im deutschen Kehl, wo ein Spielplatz gesperrt werden musste, weil ihn Ameisen komplett unterhöhlt hatten; der unebene Pflasterbelag war zum Sicherheitsrisiko geworden. In Karlsruhe sorgten die Insekten für Strom- und Internetausfälle. In der Schweiz mussten die SBB vor Baubeginn ihres Grossprojekts «Mehrspur» in Effretikon die Ameisen bekämpfen, weil sie die Baufläche besiedelt hatten.

Man sieht einen Mann mit einer Gelpistole.
Ein Schädlingsbekämpfer im Einsatz gegen die Tapinoma-Ameisen. In der Gelpistole befindet sich ein giftiges Zuckergel, das die Ameisen ins Nest tragen sollen. (Archiv)

In Volketswil und Schwerzenbach hingegen krabbeln die Insekten immer noch ungestört herum. Verpassen die Behörden damit eine Chance, die invasiven Ameisen rechtzeitig zu eliminieren?

Sybille Stettler kennt sich mit dem Problem aus. Sie führt eine Schädlingsbekämpfungsfirma in Hemishofen im Kanton Schaffhausen. Ihr Unternehmen ist eines der wenigen, die Tapinoma-Ameisen bekämpfen. Sie beschreibt einen grösseren Befall in thurgauischen Kreuzlingen, den ihre Firma aktuell bekämpft: «Privatgrundstückseigentümer haben uns erzählt, dass sie sich nicht mehr auf ihren Gartensitzplätzen aufhalten konnten. Durch den starken Befall krabbelten ihnen die Tiere auf den Körper und bissen.»

Irgendwann ist es zu spät

Bei der Bekämpfung der Tapinoma-Ameise sei es wichtig, flächendeckend zu handeln. «Wenn nur einzelne Privateigentümer handeln, kann das Problem nicht gelöst werden», sagt Stettler. Bleibe eine flächendeckende Bekämpfung aus, werde sich das Problem nicht bessern, so Stettler.

«Vielmehr wird der Befall grösser. Und je grösser dieser ist, desto länger dauert die Bekämpfung.» So ein Projekt könne sich über mehrere Jahre hinziehen. «Den Befall dann vollständig zu eliminieren, ist wahrscheinlich nicht mehr möglich. Es kann höchstens eine Reduktion bewirkt werden.»

Stabiler Bestand

Die Behörden wissen seit dem Sommer 2024 von dem Befall. Isabelle Rüegg, Projektleiterin Kommunikation bei der kantonalen Baudirektion, sagt: «Ein genaueres Bild über die Befallssituation hatten wir dann zirka Ende 2024.» Für die Bekämpfung seien allerdings die Gemeinden zuständig. «Der Kanton gibt Empfehlungen ab und unterstützt bei der Bekämpfung.»

Bis das geschah, verging rund ein Jahr. Rüegg sagt: «Da es sich um einen komplexen Befall handelt, haben die Gemeinden um Unterstützung gebeten. Um ein zielführendes Vorgehen zu erarbeiten, waren verschiedene Abklärungen nötig. Dies hat bis Ende 2025 angedauert.» Im März habe der Kanton dann den beiden Gemeinden Handlungsempfehlungen vorgestellt. Der Bestand habe sich in der Zwischenzeit aber nicht stark verändert, sondern sei stabil geblieben, so Rüegg.

Abklärungen, die dauern

Die Gemeinde Volketswil erhielt die letzte Empfehlung Ende Mai. Der Gemeinderat besprach das Anliegen an der Sitzung vom 9. Juni, wie Marcel Egloff (parteilos), Gemeinderat und Hochbauvorstand, verlauten lässt. Martin Noser, Gemeindeschreiber von Schwerzenbach, datiert die Empfehlungen des Kantons auf Ende April. Man habe das Geschäft Mitte Mai beraten.

Beide Gemeinden prüfen nun die nächsten Schritte. Egloff sagt: «Wir haben beschlossen, die Bekämpfung aktiv anzugehen. Die nächsten Schritte – darunter die verstärkte Koordination und Zusammenarbeit mit Schwerzenbach und dem Kanton sowie der Einbezug von externen Fachexperten – werden nun angegangen.» Noser sagt ergänzend: «Dazu gehören etwa die detaillierte Erfassung der Ausgangslage, die Beurteilung der Handlungsoptionen, die Definition der Strategie und die Festlegung der Bekämpfungsmassnahmen.»

Die Zuständigkeit für die Bekämpfungsmassnahmen liegt laut Noser und Egloff allerdings bei den privaten Grundeigentümern. Schwerzenbach will für ein abgestimmtes Vorgehen eine Ameisenkoordinationsstelle einrichten, Volketswil die betroffenen Eigentümer gezielt informieren, beraten und einbeziehen – nachdem die Grundlagen erarbeitet sind.

Kleines Insekt, grosser Schaden

Tapinoma-Ameisen breiten sich in Europa zunehmend aus. Anders als viele einheimische Ameisenarten besitzen ihre Nester mehrere Königinnen, und da sich die einzelnen Teilkolonien nicht gegenseitig bekämpfen, können sie sich zu Verbänden mit sehr hohen Populationszahlen zusammenschliessen.

Die Ausbreitung erfolgt häufig unbeabsichtigt durch den Menschen. Die Ameisen werden vor allem über Topf- und Gartenpflanzen sowie mit Erdmaterial verschleppt und gelangen so in neue Gebiete. Eine besondere Herausforderung ist, dass sich Tapinoma-Ameisen äusserlich kaum von einheimischen Arten unterscheiden. Dadurch bleiben neue Vorkommen oft lange unbemerkt und erschweren eine frühzeitige Bekämpfung. (kof)

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