Diese Jugendlichen regieren Dübendorf
Vor einem Jahr haben Dübendorfer Jugendliche ein eigenes Parlament gegründet. Ein Besuch bei einer ihrer Ratssitzungen offenbart, was sie gerade auf die Beine stellen.
So, wie sich die Parlamentarier der Stadt Dübendorf im grossen Saal der Oberen Mühle versammeln, trifft sich auch das Jugendparlament für regelmässige Sitzungen einmal im Monat im Stadthaus. Im Gegensatz zu den Gemeinderäten sind die Teilnehmer aber um einiges jünger.
Die Jugendparlamentarier verabschieden keine Gesetze, und sie kontrollieren auch nicht die Regierung der Stadt. Ihr Ziel ist es vielmehr, sich für die Anliegen der Jugendlichen in Dübendorf einzusetzen, deren Teilnahme und Bildung in der Politik zu fördern und eigenständige Projekte umzusetzen. So steht es im Reglement geschrieben, das die Gruppe nun rund ein Jahr nach der Gründung während der Sitzung verabschiedet.
Verein in Kinderschuhen
Im Mai letzten Jahrs bestand die Gruppe aus vier Personen. Von den drei Gründungsmitgliedern sind aktuell noch drei dabei: Angelica De Monaco, Nils Zell und Rudaina Aldahouk. In der Zwischenzeit sind fünf weitere Jugendliche dazugekommen: Marko Stojkovic, Melek Tasraci, Norbert Svoboda, Sinan Shumolli und Soraia Ritter. Einige von ihnen sind noch nicht volljährig, die jüngste Teilnehmerin etwa ist 13 Jahre alt.
13- bis 25-Jährige sind willkommen, auch wenn die Parlamentarier zu Ausnahmen bereit sind, wie sie sich während der Sitzung einigen. Eine Präsidentin oder einen Präsidenten haben sie noch nicht. Bis der Verein Jugendparlament endgültig auf den Beinen steht, führt Cristina Rampin, die Leiterin der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt, die Sitzungen.
Auch die Rolle des Kassiers und diejenige des Aktuars sind noch nicht besetzt, dafür hat die Gruppe bereits Kommissionen gebildet. In den einzelnen Gruppen sind die Teilnehmer bereits fleissig daran, Projekte auf die Beine zu stellen. Stojkovic und Zell sind Teil der Projektgruppe und bereiten einen Fussballweltmeisterschaft-Public-Viewing-Event im Garten des Jugendzentrums vor. Nachdem sie das Projekt vorgestellt haben, wird diskutiert.
Projekte in den Startlöchern
Ritter weist auf die Wichtigkeit der richtigen Leinwand hin, und De Monaco fragt nach der Aufteilung der Verantwortlichkeiten. Tasraci, die in der Social-Media-Gruppe ist, schlägt interaktive Instagram-Storys zur Vermarktung vor. «Damit müssen wir genug früh anfangen», erklärt sie.
Ob kleine Kinder am Event willkommen sein sollen, darüber sind sich Zell und Stojkovic nicht einig. Zell sagt: «Ich fände Armbänder mit Farbcode gut, um zu wissen, wem wir Alkohol ausschenken dürfen.» Rampin wirft ein: «Es könnte aber trotzdem sein, dass Alkohol durch Weitergabe an unter 16-Jährige gelangt», worauf Svoboda entgegnet, dass sie dagegen aber nichts tun könnten. Schliesslich wird dann gemeinsam entschieden, dass Stojkovic Geld für Fussballdekoration ausgeben darf.
Auch die Politikgruppe hat Pläne. Das Jugendparlament will bei allen Jungen in Dübendorf eine Umfrage durchführen. «Wir möchten herausfinden, welche Angebote sie sich in der Stadt wünschen und welche Bedürfnisse sie haben», erklärt Zell. Die Umfrage soll per Brief verschickt werden. Stojkovic stört es nicht, dass der Versand kostenpflichtig ist. «Wir haben noch genug Budget!» Sie hätten noch kaum etwas von den 10'000 Franken gebraucht, die ihnen von der Stadt jährlich zugesprochen worden seien.
Weiter wird das Sommerfest der Kinder- und Jugendarbeit besprochen. Tasraci von der Social-Media-Gruppe will wissen, wie sie als Jugendparlament am Event vertreten sein sollen. Ritter schlägt vor, einen Stand aufzustellen und Verpflegung anzubieten. «Oder jeder von uns stellt sich an die anderen Stände, um mit den Besuchern zu sprechen», sagt Tasraci. Svoboda ergänzt lachend: «Das finde ich gut, so gibt es keinen Weg an uns vorbei.»
Weiter auf der Traktandenliste stehen eine Spraywand, für die De Monaco bei der Stadt eine Anfrage stellen will, die Anschaffung neuer Fussballtore beim Stägenbuck-Schulhaus, um die sich Svoboda kümmern wird, sowie die Abnahme des neuen Vereinsreglements.
Sobald dieses in Kraft tritt, ist das Jugendparlament endgültig ein fixer Teil der politischen Landschaft der Stadt Dübendorf. Bevor es so weit ist, muss der Stadtrat das Reglement abnehmen. Direkte politische Rechte hat das Jugendparlament dann aber nicht, wie Rampin erklärt. «Sie können Ihre Vorlagen, Handlungsempfehlungen und Projektvorhaben aber der Jugendkommission übergeben, die Ihre Anliegen dann vor dem Stadtrat vertritt.»

