GZO-Rettungsschirm: Alles, was Sie zu den Abstimmungen wissen müssen
Nach Bubikons «Nein»
Damit die Rettung der GZO AG Spital Wetzikon gelingt, müssen die Aktionärsgemeinden zusätzliche Millionen einschiessen. Doch wie hoch fallen die Beiträge aus – und wo gibt es Widerstand?
Die Rettung der GZO AG Spital Wetzikon wird für die Aktionärsgemeinden teurer als ursprünglich geplant. Nachdem Bubikon die Beteiligung an der Kapitalerhöhung im vergangenen November ablehnte, fehlen rund 3,12 Millionen Franken zur vollständigen Rekapitalisierung des Spitals. Nun sollen die übrigen elf Gemeinden einspringen.
Viele Gemeinden bringen deshalb im Juni Zusatzkredite vors Volk – fast immer mit eingebautem Puffer, falls andere Gemeinden ablehnen sollten. Der Wetziker Stadtpräsident Pascal Bassu (SP) macht in einer Pressemitteilung deutlich: «Die Reserven würden nur so weit verwendet, wie es für die Kompensation der 3,12 Millionen erforderlich ist. Der Verteilschlüssel würde sich auch in Bezug auf die Reserven nach dem prozentualen Aktienbesitz richten.»
Hier die wichtigsten Zahlen und Fakten zur Ausgangslage im Überblick:
Wetzikon bezahlt mit Abstand am meisten
Die Stadt Wetzikon trägt als grösste Aktionärin den höchsten Anteil an der Zusatzfinanzierung. Eigentlich müssten rund 850’000 Franken als Zusatzkredit übernommen werden. Der Stadtrat beantragt jedoch eine Reserve von zusätzlichen 1,55 Millionen Franken – eine erhebliche Summe. Damit will man einen Sicherheitsmechanismus schaffen, falls andere Gemeinden ihre Beiträge ablehnen.
Allerdings regt sich Widerstand: Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) forderte erst kürzlich, die Reserve deutlich herunterzusetzen, nämlich auf 250’000 Franken. Die Begründung: Die Stadt solle nicht zum finanziellen Auffangbecken für andere Gemeinden werden. Über den Zusatzkredit sowie die Reserve entscheidet das Parlament voraussichtlich am 29. Juni.
Diese Gemeinden beantragen hohe Reserven
Weitere neun Gemeinden bauen ebenfalls Puffer ein, wobei sich diese teils erheblich voneinander unterscheiden. Prozentual gesehen stellt Grüningen nach Wetzikon die grösste Reserve zur Abstimmung, danach folgen Bäretswil und Dürnten.
Die Gemeinden argumentieren, dass wegen des laufenden Nachlassverfahrens keine Zeit für neue Abstimmungen bliebe, falls einzelne Zusatzkredite scheitern sollten. Was man unbedingt vermeiden will: ein «Bubikon 2.0».
In diesen Gemeinden gibt es (fast) keine Reserven
Am unteren Ende der Skala liegen folgende Aktionärsgemeinden:
- Rüti plant eine eher symbolische Minimalreserve von 3000 Franken ein, der Antrag beläuft sich also gesamthaft auf 450’000 Franken. Der kleine Pufferbeitrag überrascht kaum: Der Gemeinderat wollte ursprünglich ganz auf die Aktienkapitalerhöhung verzichten, doch das Stimmvolk setzte sich im November 2025 über die Empfehlung hinweg.
- In Seegräben ist gar keine Reserve vorgesehen, die im Zusatzkredit fixierten 45’000 Franken sind fix.
- In Fischenthal ist es bereits beschlossene Sache: Der Gemeinderat stimmte für die Zusatzsumme von 85’000 Franken sowie den Puffer von 12’750 Franken.
Nicht nur in Fischenthal, sondern auch in Seegräben liegt die Entscheidungskompetenz in der Hand der Gemeinderäte, in den anderen Gemeinden (bis auf Wetzikon) entscheidet die Gemeindeversammlung.
Warum überhaupt zusätzliche Millionen nötig sind
Ursprünglich sollten sämtliche zwölf Aktionärsgemeinden gemeinsam 50 Millionen Franken neues Kapital einschiessen. Weil die Stimmberechtigten in Bubikon den Kredit ablehnten, kamen aber nur 46,88 Millionen Franken zusammen.

Trotzdem beschlossen die Aktionärsgemeinden Ende März eine Kapitalerhöhung bis 50 Millionen Franken. Die fehlenden 3,12 Millionen sollen nun über die Zusatzkredite ausgeglichen werden.
Wie geht es nach den Abstimmungen weiter?
Falls die 50 Millionen zusammenkommen, ist ein erster Baustein im Rettungsplan gesetzt. Dann kommen die Gläubiger ins Spiel: Sie sollen auf 70 Prozent ihres Gelds verzichten. Darüber soll an einer Gläubigerversammlung entschieden werden – der Termin steht allerdings noch nicht fest.
Die Rolle eines möglichen Investors, der Aevis Victoria SA mit Sitz in Freiburg, ist nach wie vor unklar. Kurz vor dem Osterwochenende Anfang April brachte sich der Konzern ins Spiel – mit einer in Fachkreisen als seriös bezeichneten Offerte. Diese sehe vor, «dass sämtliche betriebsnotwendigen Vermögenswerte an einen Investor verkauft werden und der Betrieb des Spitals durch einen externen Spitalbetreiber fortgeführt wird», heisst es auf der GZO-Website.
Um das Angebot sorgfältig zu prüfen, wurde die Nachlassstundung noch ein letztes Mal verlängert, und zwar bis zum 19. Dezember.
Die Zeit drängt
Die zusätzlichen Gelder gelten als zentral für die Sanierung des Spitals. Mit der Kapitalerhöhung soll die GZO AG genügend Liquidität erhalten, um laufende Verpflichtungen zu erfüllen und den Betrieb weiterzuführen. Voraussetzung bleibt allerdings, dass die Gläubiger dem Nachlassvertrag zustimmen.
In mehreren Gemeinden stehen die Abstimmungen bereits im Juni an. Damit wird sich in den kommenden Wochen entscheiden, ob die Gemeinden die fehlenden Millionen tatsächlich gemeinsam stemmen. Den Auftakt dabei macht Dürnten: Hier wird bereits am kommenden Donnerstag, 4. Juni, über den Zusatzkredit entschieden.
