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Grundsatzabstimmung vom 14. Juni

Kann sich Weisslingen sein Hallenbad noch leisten?

Das Hallenbad von Weisslingen ist am Ende seiner Lebenszeit angelangt – doch das Geld für die nötige Sanierung ist knapp. Nun entscheidet das Volk über das weitere Vorgehen.

Ein Blick in das Innere des sanierungsbedürftigen Hallenbads von Weisslingen.

Foto: PD

Kann sich Weisslingen sein Hallenbad noch leisten?

Grundsatzabstimmung am 14. Juni

Das Hallenbad von Weisslingen ist am Ende seiner Lebenszeit angelangt – doch das Geld für die nötige Sanierung ist knapp. Nun entscheidet das Volk über das weitere Vorgehen.

6,74 Millionen Franken – so viel soll die Sanierung des in die Jahre gekommenen Hallenbads von Weisslingen kosten. Ein ziemlich grosser Betrag für eine Gemeinde mit nur 3500 Einwohnern. Und: Das Geld liegt in Weisslingen nicht auf der Strasse.

Der Gemeinderat hat sich deswegen dazu entschlossen, einen eher unkonventionellen Weg einzuschlagen. Anstatt direkt ein Bauprojekt auszuarbeiten, möchte er zuerst die Bevölkerung über die Zukunft des Hallenbads befragen. Deshalb kommt es am 14. Juni zu einer Grundsatzabstimmung.

Um die Einwohnenden umfassend und transparent zu informieren, veranstaltete der Gemeinderat am Montagabend einen Info-Anlass. Dieser stiess auf grosses Interesse: Rund 130 Menschen fanden den Weg in die Mehrzweckhalle Widum.

Wir klären die wichtigsten Fragen zur Grundsatzabstimmung.

Darum braucht Weisslingen ein neues Hallenbad

Das jetzige Hallenbad, das vor allem auch als Lehrschwimmbecken für Schülerinnen und Schüler dient, stammt aus dem Jahr 1976 und zeigt deutliche Alterserscheinungen.

Die letzte Sanierung liegt bereits über 20 Jahre zurück, damals wurde jedoch lediglich die Technik auf den neusten Stand gebracht. Die Badinfrastruktur an sich stammt noch aus den 1970er Jahren. Aktuelle Bilder zeigen Rost, Abplatzungen und verschlissene Bauteile.

Das Hallenbad Weisslingen
Ein Blick in den Technikraum unter dem Schwimmbecken: An vielen Stellen hat sich Rost gebildet, Beton und Putz bröckeln.

Saniert werden sollen neben dem Hallenbad zudem die Nasszellen der Turnhalle, die sich direkt im Stockwerk darüber befinden und dieselben Leitungen teilen.

Darum gibt es jetzt eine Grundsatzabstimmung

Laut Gemeindepräsident Pascal Martin (SVP) wäre die Totalsanierung des Hallenbads das grösste Investitionsprojekt der letzten 20 Jahre für Weisslingen. Deswegen möchte der Gemeinderat die Bevölkerung von Anfang an in die Planung einbeziehen.

Aus diesem Grund findet am 14. Juni die Grundsatzabstimmung statt. Sie löst noch keine Kosten aus, sondern soll lediglich die Richtung für das Projekt vorspuren – die Frage für die Weisslinger Stimmbürger lautet also: Hallenbad ja oder nein? Der Gemeinderat spricht sich für die Totalsanierung aus.

Sollte das Volk die Sanierung ablehnen, müsste das Hallenbad zurückgebaut werden, und die Räumlichkeiten müssten umgenutzt werden. Dieses Vorhaben dürfte laut einem beleuchtenden Bericht der Gemeinde einen tiefen siebenstelligen Betrag kosten.

Das sind die Herausforderungen

Die grösste Herausforderung für das Vorhaben ist finanzieller Natur. «6,74 Millionen sind ein ordentlicher Batzen, den Weisslingen nicht blind durchwinken kann», betonte Finanz- und Liegenschaftenvorsteher Roland Bischofberger (WF) an der Info-Veranstaltung. Sich selbst bezeichnete er als «Spielverderber vom Dienst».

Die künftigen Betriebskosten sind noch nicht bekannt, das Hallenbad kann jedoch bereits heute nicht kostendeckend betrieben werden – in Zukunft muss also weiterhin mit einem wiederkehrenden jährlichen Verlust gerechnet werden.

Die Nettoverschuldung der Gemeinde beträgt schon heute knapp 7 Millionen Franken. Für die Finanzierung der Hallenbadsanierung wären somit zusätzliche Darlehen nötig. Die Investition würde laut Gemeinderat Bischofberger rund das 2,7-Fache des jährlichen Investitionsbudgets betragen, andere Projekte müssten verschoben oder reduziert werden.

Ausserdem kämpfte Weisslingen bereits bei vergangenen Bauprojekten mit fehlendem Geld: So gelang die Finanzierung des neuen Dorfkindergartens nur durch den Verkauf von vier bisherigen Schul- und Kindergartenliegenschaften.

Einige weitere Investitionsprojekte wie der Rückbau des alten Gebäudes der Wertstoffsammelstelle sind derzeit im Gange und werden das Gemeindebudget der nächsten Jahre zusätzlich belasten.

Bischofberger setzte daher ein klares Statement: «Ich will keine vergoldeten Lösungen. Das können wir uns schlicht nicht leisten.»

Die Sorge um die finanzielle Tragbarkeit

Pascal Martin sagte: «Wir müssen an die Zukunft denken, an die kommenden Generationen. Die wollen nicht auf einem Schuldenberg sitzen.»

Eine Erhöhung des Steuerfusses wäre wohl nicht ausgeschlossen. Bischofberger und Martin verwiesen jedoch darauf, dass eine erneute Steuererhöhung nicht allein von der Totalsanierung abhängen würde.

Die Gemeinde Weisslingen hatte erst 2022 eine massive Steuerfusserhöhung durchgeführt – von 106 auf 116 Prozent. Keine andere Zürcher Gemeinde schlug im gleichen Jahr derart massiv auf.

Mehrere Votanten zweifelten deswegen die finanzielle Tragbarkeit an, gar von einem «Fass ohne Boden» war die Rede. Gleichzeitig unterstrichen andere die Bedeutung für die Lebensqualität und die Attraktivität der Gemeinde.

Diese Punkte sprechen für ein neues Hallenbad

Die Attraktivität erwähnte auch Martin. Er betonte gleichzeitig: «Ein Hallenbad zu haben, ist Luxus für so eine kleine Gemeinde.» Für Schulpräsidentin Marianne Bachofner (SVP) ist die Ausgangslage jedoch klar: «Regelmässiger Schwimmunterricht trägt dazu bei, Unfälle zu verhindern.» Schwimmen sei kein Luxus, sondern eine Lebenskompetenz, und jedes Kind solle die Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen.

Markus Moser (parteilos) ist Gemeinderat und Rettungsschwimmer. Er unterstrich die erwähnten Punkte vehement: «Wenn dank dem Schwimmunterricht auch nur ein Kind nicht ertrinkt, haben sich die 6,74 Millionen Franken bereits gelohnt.»

Andere Hallenbäder haben keine Kapazität

Für Melanie Nägeli von der örtlichen Schwimmschule, die das Hallenbad in Fehraltorf ebenfalls nutzt, hat das Projekt eine existenzielle Bedeutung. «Als in Fehraltorf saniert werden musste, konnte uns kein anderes Hallenbad in der Region seine Wasserfläche zur Verfügung stellen.» Das Hallenbad Weisslingen sei deshalb nicht nur wichtig für das Dorf, sondern auch über die Ortsgrenzen hinweg.

Das Hallenbad Weisslingen
Das Hallenbad befindet sich im Stockwerk unter der Turnhalle.

Tatsächlich gibt es kaum Lehrschwimmbecken in der Region trotz dem grossen Bedarf. Viele Nachbargemeinden können derzeit nur das gesetzliche Minimum der im Lehrplan 21 festgelegten Schwimmstunden abdecken. Die Folgen sind schlechtere Schwimmkompetenzen und weniger Sicherheit im Wasser.

Eine Sanierung käme nicht nur der Jugend zugute, argumentierte Markus Moser. «Alte Menschen sind auch froh, wenn sie nicht nach Winterthur oder Fehraltorf müssen fürs Schwimmen.» Und schliesslich halte Schwimmen fit – so ein Angebot direkt im Dorf zu haben, sei für Senioren attraktiv.

Das weitere Vorgehen nach der Abstimmung

Bei einem Ja:

  • An der Gemeindeversammlung im Dezember wird über den definitiven Projektierungskredit abgestimmt.
  • Bei einem Ja folgt eine Urnenabstimmung im November 2027 über das Bauprojekt.
  • Heisst das Volk dieses gut, so starten die Bauarbeiten Anfang 2028. Sie werden mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen.

Bei einem Nein:

  • Der Gemeinderat bereitet die Schliessung und Umnutzung des Hallenbads vor.
  • Derzeit gibt es noch keine konkreten Ideen für eine Umnutzung der Räumlichkeiten. Für die Ideenfindung ist geplant, die Bevölkerung erneut miteinzubeziehen.
  • Nach aktueller Planung wäre ein Umbau ab 2029 realistisch.

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