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Politik

Neue Mitwirkungspools

Hinwil gestaltet die Beteiligung der Bevölkerung flexibler

Weniger Kommissionen, mehr demokratische Mitwirkung: So will der Gemeinderat von Hinwil die Bevölkerung aktiver in Projekte und Arbeitsgruppen einbeziehen.

Direkte Meinungsäusserung: Der Hinwiler Gemeinderat erhofft sich dank neuer Mitwirkungspools mehr demokratische Beteiligung der Bevölkerung.

Archivfoto: Christian Merz

Hinwil gestaltet die Beteiligung der Bevölkerung flexibler

Neue Mitwirkungspools

Weniger Kommissionen, mehr demokratische Mitwirkung: So will der Gemeinderat von Hinwil die Bevölkerung aktiver in Projekte und Arbeitsgruppen einbeziehen.

Welche attraktiven Möglichkeiten gibt es, um die Bevölkerung für mehr demokratisches Mitwirken zu begeistern? Wie kann sie sich an der politischen Gestaltung in einer Gemeinde beteiligen? Es sind Fragen, mit denen sich viele Behörden auseinandersetzen. Die Antwort darauf ist allerdings nicht einfach. Denn das Interesse hält sich oft in Grenzen.

Der Gemeinderat von Hinwil setzt nun auf einen neuen Ansatz: Er schafft sogenannte Mitwirkungspools.

Die Idee: Hinwilerinnen und Hinwiler können ihr konkretes Know-how – beispielsweise aus Beruf, Verein oder persönlicher Erfahrung – nach Bedarf in Projekte oder Arbeitsgruppen einbringen, wie es in einer Mitteilung heisst. Solche Formen der Mitwirkung seien in der Vergangenheit wenig genutzt worden.

Andere Gemeinden hätten mit Mitwirkungspools bereits gute Erfahrungen gemacht, erklärt Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP). «Wir gehen davon aus, dass sich Personen mit spezifischem Wissen gerne kurzfristig bei einem Projekt engagieren.» Allerdings erwarte man von den Interessierten auch ein umfassendes Verständnis für die Gemeinde.

Bereits jetzt können sich interessierte Einwohnerinnen und Einwohner über ein Anmeldeformular für die Mitwirkungspools einschreiben. «Wir erhoffen uns, mit diesen niederschwelligen Partizipationsmöglichkeiten viele Interessierte motivieren zu können», sagt Bühler.

Landsgemeinde und «Café des Visions»

Es ist nicht das erste Mal, dass Hinwil in den vergangenen Jahren unkonventionelle Wege geht. Für Aufsehen sorgte etwa eine Gemeindeversammlung, die im letzten Juni auf dem Gemeindeplatz in Form einer Landsgemeinde durchgeführt wurde. Und um Ideen für die künftige Nutzung und Gestaltung des Gemeindeplatzes zu finden, veranstaltete die Gemeinde 2023 einen öffentlichen Workshop als spielerisches und künstlerisches «Café des Visions».

Insbesondere die zwei eintägigen Workshops im Rahmen des «Café des Visions» nennt Andreas Bühler nun als gute Beispiele. «Wir haben viele spannende Inputs aus der Bevölkerung erhalten.» Gleichzeitig habe man festgestellt, dass die vierjährige Bindung an eine Kommission, Interessierte vom Mitwirken abhalte.

Anpassungen bei den Kommissionen

Die Arbeit in ständigen Kommissionen mit ihren regelmässigen Sitzungen bleibt zwar auch in Hinwil erhalten. Sie wird aber auf die kommende Legislatur hin in gewissen Bereichen reduziert. Bestehen bleiben die Ortsbildkommission sowie die Kommissionen für Verkehr und die Dorfzeitschrift «Top Hinwil». Die Kulturkommission und die Mediothekkommission werden hingegen zusammengelegt.

Am deutlichsten spürbar sind die Veränderungen bei der Energiekommission, der Natur- und Landschaftskommission sowie der Feuerwehrkommission. Sie werden in der heutigen Form nicht mehr weitergeführt.

«Es zeigt sich bei diesen Kommissionen, dass die Mitwirkung bei themenspezifischen Projekten effizienter ausgestaltet werden kann», erklärt Gemeindepräsident Bühler. So könne man agiler auf die Anforderungen an die Gemeinde reagieren.

Gemeindepräsident Andreas Bühler mit Mikrofon.
«Agiler reagieren»: Der Hinwiler Gemeindepräsident Andreas Bühler sieht in der Neuorganisation und den Mitwirkungspools verschiedene Vorteile.

Das Einbringen von Fachwissen werde nun mittels Arbeitsgruppen, die sich unter anderem aus dem neuen Mitwirkungspool zusammensetzen, sichergestellt. Das Vorgehen mit Arbeitsgruppen habe sich bereits bei der Ausarbeitung des Landwirtschaftsentwicklungskonzepts (LEK) bewährt. Bei der Feuerwehr werden gewisse Entscheidungskompetenzen – etwa bei der Beschaffung oder der Umsetzung von Aufgaben – an den Kommandanten und den Stabsoffizier delegiert.

Der Gemeinderat erhofft sich durch diese neuen Strukturen vor allem unkompliziertere Abläufe. Entstanden ist die Neuorganisation auch dank der Bildung der Einheitsgemeinde, die bis zum Start der neuen Legislatur Anfang Juli 2026 umgesetzt wird. Zahlreiche Dokumente und Verordnungen müssen wegen der Zusammenlegung der Schule und der politischen Gemeinde sowieso aufeinander abgestimmt und überprüft werden.

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