Schulpflege Hinwil hält an Schliessung des Schulhauses in Unterbach fest
Trotz Wahlresultat
Im nächsten Schuljahr gehen im Schulhaus in Unterbach definitiv keine Kinder mehr zur Schule. Über eine künftige Nutzung des Schulhauses soll die neu gewählte Schulpflege entscheiden.
Die Wahlen vom 12. April hatten den Konflikt um die Schliessung des Schulhauses in der Hinwiler Aussenwacht Unterbach neu angefacht. Anwohner und Vertreter der Interessengemeinschaft (IG) Schule Unterbach verstanden die verpasste Wiederwahl von Schulpräsident Thomas Ludescher (parteilos) als klares Misstrauensvotum gegenüber der Schulpflege.
Sie hatten darum eine Neubeurteilung des Entscheids gefordert. Die Schulpflege wiederum hatte angekündigt, das Vorgehen unter den neuen Voraussetzungen noch einmal zu analysieren.
Nach dieser neuerlichen Beratung ist jetzt klar: Das Schulhaus Unterbach schliesst im Sommer – trotz der veränderten Ausgangslage. Das teilte die Schulpflege am Mittwochnachmittag mit.
Planung schon weit fortgeschritten
Die Schulpflege habe an ihrer letzten Sitzung das Wahlresultat «kritisch analysiert und koppelt dieses – zumindest teilweise – an die geplante Schliessung des Schulhauses Unterbach», heisst es im Communiqué. Sie erkenne auch «den emotionalen Wert des historischen Aussenwachtschulhauses» an.
Trotzdem hält sie am Schliessungsentscheid fest. Die 17 betroffenen Schülerinnen und Schüler müssen künftig den Unterricht im Schulhaus Wernetshausen besuchen. Dies hatte die Schulpflege schon vor einigen Wochen kommuniziert.
Die Behörde begründet das Festhalten an der Schliessung damit, dass die Planung für das Schuljahr 2026/2027 schon zu weit fortgeschritten sei. Die Zuteilungsverfügungen für die betroffenen Kinder sind bereits erlassen, die Klassenbildungen fristgerecht beim Volksschulamt eingereicht worden. Das gilt auch für die Zuweisungen der Lehrpersonen zu den entsprechenden Klassen.
Verwiesen wird auch auf den Bundesgerichtsentscheid von letzter Woche, in dem das höchste Schweizer Gericht einem Beschwerdeverfahren gegen die Schliessung des Schulhauses die aufschiebende Wirkung nicht gewährt hatte. Darin hielten die Richter fest, dass ein Abweichen vom Schliessungsentscheid mit erheblichen Nachteilen für die gesamte Schule verbunden sei. Das definitive Urteil des Bundesgerichts steht indes noch aus.
Neue Schulpflege in der Verantwortung
Gleichzeitig hält die aktuelle Schulpflege neu eine Hintertür offen: Die künftigen Schulpflegemitglieder sollen über die definitive Zukunft des Schulhauses entscheiden. «Die neu gewählten Behördenmitglieder geniessen das Vertrauen der Bevölkerung», heisst es in der Mitteilung. Bis zum Start der neuen Legislatur gibt Schulpräsident Thomas Ludescher zudem das Dossier Unterbach an den wiedergewählten SP-Schulpfleger Felix Inderbitzin ab.
Festzuhalten sei jedoch, dass eine Sanierung des Schulhauses unumgänglich sei – egal, ob das Gebäude wieder für den Schulbetrieb, als Treffpunkt für kulturelle Anlässe oder als sonstiger Begegnungsort genutzt werde. Darunter würden die Radonsanierung, Brandschutzmassnahmen oder der Ersatz der Heizung fallen.
Der grosse Sanierungsbedarf war einer der Hauptgründe, weshalb die Schulpflege den Erhalt des Schulhauses als politisch und wirtschaftlich nicht mehr tragbar betrachtet hatte. Die jetzige Schliessung sei auch eine Chance, diese Baumassnahmen umzusetzen, heisst es nun. Denn bei laufendem Schulbetrieb wären die Arbeiten nicht möglich.
Kein Verständnis bei der IG
Die IG Schule Unterbach reagiert in einer Mitteilung harsch und spricht von «grossem Unverständnis». Es werde von einem «ergebnisoffenen Dialog» gesprochen, aber die Schliessung werde nun trotzdem durchgezogen, hält sie weiter fest. Das sei ein Widerspruch. «Ein Dialog, bei dem das Ergebnis bereits umgesetzt wird, ist kein offener Dialog, sondern eine nachträgliche Legitimation.»
Auch vor persönlichen Angriffen gegen den abtretenden Schulpräsidenten Thomas Ludescher schreckt die IG im Schreiben nicht zurück. Kritik äussert die IG zudem an den Schulzuteilungen. Dagegen laufe noch ein Rekursverfahren vor dem Bezirksrat. Diese seien also noch überhaupt nicht definitiv.
Ein Moratorium – also die Sistierung des Entscheids für ein Jahr – sei deshalb zwingend. Die IG listet dazu zahlreiche weitere Gründe auf. Denn zentrale Fragen rund um den Schliessungsentscheid seien immer noch unbeantwortet.
«Die aktuelle Medienmitteilung verschärft die Situation – statt sie zu beruhigen», heisst es weiter. Die IG werde nun aktiv das Gespräch mit Felix Inderbitzin suchen.
