Stadt und SBB stellen «Masterplan Wetzikon» vor
Kosten von 82 Millionen Franken
Vier Jahre arbeitete die Stadt gemeinsam mit den SBB und privaten Eigentümern ein Konzept zur Modernisierung des Bahnhofsareals in Wetzikon aus. Am 14. Juni entscheidet das Stimmvolk über die Finanzierung.
Etwa 100 Menschen versammelten sich am Freitagnachmittag am Bahnhof Wetzikon, um mit Stefan Lenz (FDP) , Stadtrat für Hochbau und Planung, einen Rundgang über das Bahnhofsareal zu machen. Sie liessen sich erklären, welche umfangreichen Veränderungen die Stadt im Rahmen des «Masterplans Wetzikon» für die Umgebung plant.
Begonnen wurde am Busbahnhof an der Poststrasse, auf dem gerade in diesem Moment reger Betrieb herrscht – Lenz ist daher kaum zu verstehen: «Sie sehen, aktuell stehen zahlreiche Busse gleichzeitig hier, denn der Fahrplan ist auf den der S-Bahnen abgestimmt», erläuterte Lenz. «Der Busbahnhof der Zukunft soll dagegen anders strukturiert sein.» Denn eine höhere Taktung der beiden Verkehrsmittel mache die Abstimmung der Fahrpläne aufeinander überflüssig.

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Die dagegen sichtbaren Veränderungen betreffen beispielsweise eine neue Überdachung des Busbahnhofs, die wirklich vor Witterung schützt, behindertengerechte Fliesskanten und ein neues Beleuchtungskonzept. Gleiches gilt auch für den Bushof an der Guyer-Zeller-Strasse. Die geplanten Kosten allein für die Modernisierung der beiden Bushöfe liegen bei etwa 25 Millionen Franken.
Breitere Unterführungen, weniger Parkplätze
Weiter ging es durch eine der Unterführungen, auf dem ganzen Areal wohl der unrühmlichste Teil. «Dass wir diese aufwerten wollen, steht ja schon länger fest», erklärt Lenz. Gemeinsam mit den SBB habe man sich darauf geeinigt, die Kosten dafür zu teilen.
Zudem werde eine der beiden Unterführungen begradigt und vergrössert, Treppen verlegt und ein direkter Zugang zur geplanten unterirdischen Velostation unter dem Bahnhofplatz geschaffen. «Ob der geplante Graffitischutz dann wirklich etwas bringt, werden wir sehen», ergänzt Lenz.
Der Rundgang führt auch zu den Park-and-ride-Flächen gegenüber dem Steiner-Beck. «Hier wird es Veränderungen geben, die dem einen oder anderen nicht unbedingt gefallen werden», räumt der Stadtrat ein. Denn die aktuell 165 Parkplätze sollen auf 65 reduziert werden. Gleichzeitig sollen Parkplätze ins Unterirdische verlegt werden, um mehr Platz für Wohn- und Gewerbeüberbauungen zu schaffen.
«Wir möchten hier mehr Gerechtigkeit für alle Verkehrsteilnehmer anstreben», betont Lenz. Denn wer aktuell sein Auto am Bahnhof parkiere, blockiere damit über Stunden relativ viel Raum. «Da braucht es ein Umdenken bei allen, mich selbst eingeschlossen.»
Unweit der Parkplätze dann der nächste unschöne Fleck des Bahnhofsareals: die nicht vorhandene Fussgängerquerung über die Rapperswilerstrasse – die einzige Nationalstrasse in der Schweiz, die mitten durch eine Stadt führt. Hier plant die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen zwei Übergänge, die mit Ampeln versehen sind.
In der alten Turnhalle wird es konkret
Hat der Rundgang am Nachmittag nur einen ersten Eindruck über die geplanten Erneuerungen geben können, so wird es am Abend deutlich konkreter: Vertreter der Stadt und der SBB haben in die Alte Turnhalle eingeladen, um vor allem über den Erarbeitungsprozess und die Kosten des Projekts zu informieren. Zusätzlich wollten sie möglichst viele Stimmbürger davon überzeugen, der Finanzierung des Verpflichtungskredits am 14. Juni zuzustimmen.
Das Interesse am «Masterplan Wetzikon» ist gross, die Reihen in der Alten Turnhalle dicht gefüllt. Erneut ist es Stadtrat Lenz, der detailliert erklärt, wie der Projektplan überhaupt entstanden ist. «Das Parlament hat den Stadtrat bereits 2019 in einer Motion angewiesen, sich der Planung des Stadtraums Unterwetzikon gebündelt anzunehmen.»


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Gemeinsam mit privaten Eigentümern – der Stadt selbst gehört auf dem Bahnhofsareal wenig Fläche – und den SBB habe man in den vergangenen Jahren mit der Planung des «Generationenprojekts» begonnen und ein Zielbild bis 2040 entwickelt. «Die Infrastruktur am Bahnhof ist den steigenden Passagierzahlen nicht gewachsen – bis 2050 erwarten wir dort bis zu 38’000 Personen pro Tag.» Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es 29’200.
Doch die umfangreichen Sanierungen haben ihren Preis – rund 82 Millionen Franken, von denen etwa zwei Drittel die Stadt Wetzikon selbst tragen müsste. Die Kosten würden sich über einen Zeitraum von zehn Jahren erstrecken.
Der Bund, der Kanton Zürich sowie Nachbargemeinden und private Grundeigentümer würden das restliche Drittel übernehmen. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass der Masterplan aktuell den Stand einer Machbarkeitsstudie habe – «die Schwankungsbreite der Kosten liegt somit bei plus oder minus 30 Prozent».
Lenz weist auch darauf hin, dass zwei ähnliche, aber deutlich kleinere Projekte zur Umgestaltung des Bahnhofsareals aus den Jahren 2012 und 2019 vom Stimmvolk abgeschmettert wurden. «Wenn die Finanzierung des Masterplans Wetzikon an der Urne scheitert, wird dieser trotzdem umgesetzt. Allerdings dauert es dann deutlich länger, da immer wieder einzeln über kleinere Teilprojekte abgestimmt werden muss.»
Ob das Stimmvolk dem Plan am 14. Juni zustimmt, ist Zukunftsmusik – die Stimmung im Saal lässt an diesem Abend wenig Rückschlüsse darauf zu. Das Parlament hatte bereits im Januar dem Plan zugestimmt.