Keine Kezo-Fernwärme für Rüti: Jetzt ist der «Ast Süd» definitiv vom Tisch
Nachdem die Energie Zürichsee Linth den Fernwärme-Ast Süd vorzeitig absägte, suchten Rüti, Kezo und Rapperswil nach Lösungen. Jetzt ist die Sache definitiv gegessen. Das hat auch mit dem Kezo-Neubau zu tun.
Die Kehrichtverbrennungsanlage Zürcher Oberland (Kezo) in Hinwil als Kraftwerk für Rapperswil und das halbe Oberland: So in etwa lautete die Vision der Versorgerin Energie Zürichsee Linth (EZL).
Mit einer Transportleitung und einem eigenen Netz wollte sie Rapperswil und mehrere Oberländer Gemeinden im Süden der Kezo – zuletzt noch Rüti und Dürnten – mit Abwärme versorgen. Doch im Dezember zog sie dem ambitionierten Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen den Stecker. Entscheidend war dabei die Frage, ob sich das finanziele Risiko und das Potenzial die Waage halten.
Das Aus hat die Gemeinden Rüti und Dürnten kalt erwischt: Wie weiter mit den eigenen Fernwärmeplänen ohne die EZL? Gespräche sollten Klarheit bringen, ob alternative Lösungen möglich sind. Jetzt teilt die Gemeinde Rüti nach einem Austausch mit der Kezo und dem Stadtrat Rapperswil-Jona mit: Das Fernwärmeprojekt ohne die EZL weiterzuführen, ist keine Option.
Interessant ist der Grund für das definitive Aus: Für einmal geht es nicht primär ums Geld, sondern um Zeit. Denn um das Projekt weiterzuführen, bedarf es einer «vertieften Überprüfung». Um den Zeitplan des Kezo-Neubaus nicht zu gefährden, muss die Betreiberin bis spätestens Ende März «strategische Weichen» stellen. Und das geht nur mit «verbindlichen Rahmenbedingungen».

«Weitere Verzögerungen würden ein Projektrisiko für den bevorstehenden Ersatzneubau der Kezo bedeuten», heisst es in einer Mitteilung. Ein Risiko, das man offenbar nicht eingehen will: Man zeige zwar vollstes Verständnis dafür, dass die Stadt Rapperswil und die Gemeinde Rüti innerhalb der gesetzten Frist nicht verbindlich zusagen könnten. Weitere Verzögerungen könne sich die Kezo aber nicht erlauben.
Wetzikon und Hinwil als lachende Dritte
Für Rüti geht es dabei nicht zuletzt um die Beschaffung der Gelder. Weder finanziell noch politisch sei eine Umsetzung zurzeit realistisch. Rüti will sich nun auf die eigenen Fernwärmeprojekte, allem voran den Wärmeverbund Rüti Zentrum, konzentrieren.
Die Fernwärmenetze von der Kezo in Hinwil und Wetzikon dürften in dieser Geschichte die «lachenden Dritten» sein. Denn angesichts weniger Abnehmern steht entsprechend mehr Wärme für die verbliebenen Partner zur Verfügung. Es habe sich gezeigt, «dass insbesondere Wetzikon künftig deutlich mehr Fernwärme beziehen kann als ursprünglich geplant», schreibt die Kezo.
Gar nicht erwähnt wird in den jüngsten Dokumenten die Gemeinde Dürnten, die sich mit Tann hätte ans Rütner Netz anschliessen wollen. Der Dürnter Gemeindeschreiber Daniel Bosshard bestätigt auf Anfrage, dass kürzlich ein Austausch zwischen den beiden zuständigen Gemeinderäten stattgefunden hat. Weitere Details waren am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen.