Die jüngste Kantonsrätin kommt aus Pfäffikon
Erneut eine Oberländerin
Die 22-jährige Nadja Wirth (Grüne) sitzt seit Februar im Kantonsrat. Die Politikerin weiss: Ihr Alter bringt Aufmerksamkeit, überzeugen muss sie mit Inhalten.
Mit Nadja Wirth (Grüne) und Ivo Hasler (SP) zogen Anfang Februar gleich zwei neue Gesichter aus dem Oberland in den Kantonsrat ein. Sie folgen auf Urs Dietschi (Grüne) und Stefan Feldmann (SP) und sitzen am 23. Februar das erste Mal im Parlament. Nadja Wirth sticht dabei besonders hervor: Mit ihren 22 Jahren ist sie das jüngste Mitglied des Rats.
Neben ihrer Arbeit im Kanonsrat kandidiert Wirth im März für die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission in Pfäffikon. Auch bei den Kantonsratswahlen im kommenden Jahr wird ihr Name wohl auf der Liste der Grünen Pfäffikon stehen: «Es müsste etwas Grosses geschehen, dass ich nicht mehr antrete.»
«Jung sein ist kein Programm»
Seit dem 2. Februar ist Nadja Wirth das jüngste Kantonsratsmitglied. «Ich fühle mich gar nicht mehr so nennenswert jung», sagt sie gelassen. Zuvor trug die Dübendorferin Leandra Columberg jahrelang diesen Titel. Columberg, 2019 mit 19 Jahren als jüngste Kantonsrätin jemals gewählt, spricht rückblickend von einem «grossen Privileg» – und betont zugleich: «Jung sein allein ist kein Programm.»
Auch Wirth will nicht auf ihr Alter reduziert werden. Sie beschreibt ihre Politik als «feministisch und ökologisch» und setzt klare Schwerpunkte: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung. So engagiert sie sich beispielsweise für den Ausbau des ÖV sowie Fuss- und Veloverkehrs, für bezahlbaren Wohnraum oder gegen die Verdoppelung der Studiengebühren an Universitäten.
Zugleich unterstreicht sie die Bedeutung von Repräsentation: Politik müsse die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln – in Alter, Herkunft und Lebensrealität. Gerade auf kantonaler Ebene beträfen Entscheide zu Bildung, sozialer Absicherung oder Gleichstellung junge Menschen unmittelbar. Wer die Schulzeit noch nicht lange hinter sich hat, bringt eine Perspektive ein, die sonst leicht verloren geht. «Man kennt den Schul- oder Studienalltag besser und weiss, wo Angebote noch nicht zugänglich genug sind.»
Ein Wahlkampf mit Gegenwind
Seit 2021 ist die gelernte Kauffrau bei den Jungen Grünen aktiv und wurde innerhalb eines Jahrs in den kantonalen und nationalen Vorstand der Jungpartei gewählt. 2025 übernahm sie schliesslich das Co-Präsidium der Jungen Grünen Kanton Zürich.
Ihr Engagement lehrte sie früh, Verantwortung zu tragen, Sitzungen zu leiten und Positionen zu vertreten. Die Pfäffikerin studiert Betriebswirtschaftslehre und arbeitet als Buchhalterin bei der Alternative – die Grünen im Kanton Zug. Sie weiss, wie politische Prozesse funktionieren.
Den ersten Sprung in ein politisches Amt wagte Wirth bei den Kantonsratswahlen 2023. «Es war ein seltsames Gefühl, mein Gesicht auf Plakaten in ganz Pfäffikon zu sehen», erzählt sie rückblickend. Als damals 19-Jährige startete sie auf dem zweiten Platz auf der Liste der Grünen Pfäffikon. «Das war eine grosse Anerkennung und Motivation zugleich.»
Dass sie nicht direkt gewählt wurde, überraschte sie kaum. «Mein Ziel war es, den zweiten Platz auf der Liste zu halten. Das habe ich geschafft.» Umso grösser ist die Freude, dass es drei Jahre später die Möglichkeit zum Nachrücken gibt.
Der Wahlkampf war für Wirth Neuland. Dementsprechend habe sie in dieser intensiven Zeit viel dazugelernt. So auch der Umgang mit Kritik, die teils aus politisch nahestehenden Kreisen kam: «Ein Parteimitglied erhielt empörte Mails, warum da ein Teenie auf der Liste stehe», erzählt sie irritiert. Der Vorwurf zielte nicht nur auf ihre politische Erfahrung ab, sondern implizit auf ihren Kompetenzen: «Ich hätte nicht gedacht, dass Leute, die vermutlich ähnliche Werte vertreten, mich nur aufgrund meines Alters abschreiben.»
Sichtbare Vorbilder
Für Wirth eine prägende Erfahrung – doch sie liess sich nicht kleinkriegen. «Es ist wichtig, dass junge Menschen ihre Stimme nutzen.» Auch wenn gewisse Themen komplex und auf den ersten Blick einschüchternd wirken, findet sie: «Politik ist für alle da, es hat Platz für alle und es braucht alle.»
Gerade bei jungen Frauen gäbe es eine zusätzliche Hemmschwelle. Während die Kompetenz von älteren Männern im Anzug kaum hinterfragt werden, würden sich junge Frauen häufiger Kommentaren zu Aussehen, Auftreten oder vermeintlicher Unerfahrenheit ausgesetzt sehen. Das bestätigt auch die langjährige Kantonsrätin Leandra Columberg: «Kritik bleibt nicht immer sachlich – und geht teils leider unter die Gürtelline.»
Dass inziwschen mehrere junge Frauen im Kantonsrat vertreten sind, empfindet Wirth daher als wertvolles Zeichen: «Es braucht Vorbilder, die die Vielfalt in der Politik aufzeigen.»