Illnau-Effretikon arrangiert sich mit SBB-Logistikstandort im Zentrum
Brüttener Tunnel
Vor zwei Jahren protestierte der Stadtrat noch gegen die Pläne der SBB, beim Bahnhof Effretikon einen Umschlagplatz zu errichten. Inzwischen hat er seine Meinung geändert.
Der Stadtrat von Illnau-Effretikon hat seinen Einspruch gegen den geplanten Logistikstandort der SBB beim Bahnhof Effretikon zurückgezogen. Das Areal soll im Zuge des Projekts «Mehrspur Zürich–Winterthur» für die Betriebsbereitmachung von Bauzügen und Baumaschinen und als Lagerfläche dienen.
Die Vereinbarung mit den SBB sei von der Stadt am 6. August 2025 unterschrieben, bestätigt Stadtschreiber Peter Wettstein auf Anfrage. Auf den zweiten angekündigten Logistikstandort im Industrieareal Vogelsang hätten die SBB verzichtet.
Das Projekt «Mehrspur Zürich–Winterthur» (MSZW) mit dem künftigen Brüttener Tunnel bietet ab 2035 vier statt heute zwei Spuren für den Eisenbahnverkehr. Im Sommer 2023 kündigten die SBB an, in Effretikon für den Bau zwei Logistikstandorte betreiben zu wollen.
Der eine sollte ab 2026 beim Bahnhof Effretikon zu stehen kommen, an der Brandriedstrasse beim Güterbahnhof und auf der dortigen Park-and-ride-Anlage. Der andere war im Industrieareal Vogelsang geplant.
In seiner Stellungnahme zu den Plänen der SBB befürwortete der Stadtrat damals zwar den Bau der «Mehrspur Zürich–Winterthur». Auch den rund 1000 Quadratmeter grossen und unterdessen gestrichene Logistikstandort im Industrieareal Vogelsang unterstützte er grundsätzlich.
Explizit sprach er sich hingegen gegen den rund 6000 Quadratmeter grossen Logistikstandort beim Bahnhof Effretikon aus. Gemäss Bau- und Zonenordnung seien auf dem Areal «höchstens» mässig störende Gewerbebetriebe zulässig, argumentierte er. «Ein Logistikstandort, der über zehn Jahre hinweg mit jeweils 24 Stunden dauerbetrieben wird, erfüllt diese Voraussetzungen nicht.»
Zudem würde der Wegfall der Park-and-ride-Anlage zu «massivem Suchverkehr und Parkierungschaos» im Effretiker Zentrum führen. «Der Logistikstandort ist zu streichen», lautete seine Forderung.
Eisenbahngesetz versus kommunale Bau- und Zonenordnung
Warum nun also der Meinungsumschwung der Stadt zum Logistikstandort am Bahnhof?
«Die Wahrscheinlichkeit wurde als sehr hoch eingestuft, dass das nationale Eisenbahngesetz die kommunale Bau- und Zonenordnung in der Frage der Zonenkonformität übersteuert und diese Betrachtung von den Gerichten gestützt wird», führt Peter Wettstein aus. «Im Zuge der Verhandlungen haben die SBB gegenüber der Stadt überzeugend aufzeigen können, dass für die Baustellenlogistik keine Alternativen bestehen.»
Wettstein weist darauf hin, dass die SBB für die Betriebszeit ihres Logistikstandorts eine Lärmwand entlang der Brandrietstrasse zu errichten hätten. Die Arbeiten selber seien – «wenn immer möglich» – tagsüber von Montag bis Samstag von 7 bis 12 Uhr und von 13 bis 19 Uhr auszuführen. Für weitere Fragen zur Vereinbarung verweist er an die SBB – auf deren Wunsch sei Stillschweigen verabredet worden.

Dort hält man sich bedeckt: «Das Bewilligungsverfahren läuft noch, deshalb können wir Ihre Fragen zum heutigen Zeitpunkt noch nicht beantworten», schreibt Reto Schärli von der Medienstelle. «Wenn die Bewilligung für das Projekt «Mehrspur Zürich–Winterthur» vorliegt, werden die SBB darüber informieren.»
Bekannt ist immerhin, dass die SBB neben Effretikon weitere Logistikstandorte planen: unter anderem auch in Pfäffikon und Dübendorf sowie in Schwerzenbach.
