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Und wieder wird es teuer: Masterplan für letzte Looren-Meile in Maur steht

Ein Neubau, ein neuer Fussballplatz und viele Sport- und Freizeitangebote. Maur richtet mit der grossen Kelle an.

Ein Teil des Generationenprojekts war bereits gebaut, als 2022 klar wurde, dass das Projekt massiv teurer wird. Ein Jahr später kam dann der Marschhalt beim Loorensaal.

Foto: Christian Merz

Und wieder wird es teuer: Masterplan für letzte Looren-Meile in Maur steht

Gemeinde treibt Generationenprojekt voran

Ist das das vorläufig letzte Kapitel beim Generationenprojekt Looren? Eineinhalb Jahre hat sich der Gemeinderat Zeit genommen, um die letzte Meile des Projekts zu überarbeiten. Dafür will er über 16 Millionen Franken ausgeben.

Die Looren: Schule, Sportplatz, demokratisches Zentrum und nicht zuletzt Auslöser mancher Kopf- und Bauchschmerzen bei den Maurmern. Das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde wird auch zum teuersten – ein Generationenprojekt eben. Die Kosten stiegen aber nicht ganz unverschuldet massiv.

Nach einem Marschhalt im Juni 2023 hat die Gemeinde jetzt Pläne für die letzte Meile bekannt gegeben. Der Gemeinderat hat kürzlich einen «Masterplan» genehmigt. Das hört sich im ersten Moment wieder nach etwas Grossem an – nach etwas Teurem. Grob geschätzter Kostenpunkt: 16,57 Millionen Franken, inklusive Reserve von 10 Prozent.

Das ist geplant

Mit diesem Geld will die Gemeinde einen Begegnungsort für alle schaffen. Neben zwei Kunstrasenfeldern ist ein Spielplatz mit Feuerstelle geplant, eine Finnenbahn, ein Pumptrack, sogar eine Boulderanlage und ein Parkour-Bereich sind angedacht. Doch das ist längst nicht alles.

Der Loorensaal, in dem unter anderem die Gemeindeversammlungen stattfinden, wurde komplett neu gedacht. Das Gebäude soll ganz oder teilweise zurückgebaut werden. Hier soll noch ein Variantenentscheid folgen. Neben der Leichtathletikanlage soll ein Ersatzneubau entstehen. Gleich neben einem neuen Fussballfeld kann dieser als Synergiegebäude dienen.

Man sieht einen Plan mehrerer Gebäude und Sportanlagen von oben.
Der Looren-Masterplan: Synergiegebäude (1), neuer Fussballplatz mit Kunstrasen (2), ein überdachter Treffpunkt mit Spiel- und Sportmöglichkeiten sowie sanitären Anlagen (3), ein zurückgebauter Loorensaal mit Beachvolleyballfeld und Boulderanlage (4), Pumptrack (5).

Im Untergeschoss können Fussballclub und Turnverein Garderoben, Lagerräume und sanitäre Anlagen nutzen. Gleich angrenzend liegt das neue Fussballfeld, ein Kunstrasenfeld. Die Gemeinde hat sich hier für ein «kleines 11er-Spielfeld regional» entschieden, auf dem Spiele der 3. bis 5. Liga abgehalten werden können, wobei der FC Maur derzeit in der 4. Liga spielt.

Damit kann das heute stark genutzte Naturrasenfeld bei der Leichtathletikanlage entlastet werden. Auf eine weitere Entlastung durch eine Nutzung der peripheren Standorte bei den Schulhäusern Leeacher und Aesch wird verzichtet. Da dafür Flutlichtanlagen gebaut werden müssten, hat der Gemeinderat die Idee wegen der Lichtverschmutzung verworfen.

Auch im Synergiegebäude untergebracht sind ein Bistro, eine Küche und ein Vereinsversammlungsaal. Dieser bietet Platz für 400 (bestuhlt) bis über 600 Personen (unbestuhlt) und ist damit auch ein Ersatz für den heutigen Polterkeller. Ausserdem soll es auch Aussensitzplätze geben.

Keine Schreibtischtat

Diese Pläne hat der Gemeinderat nicht einfach einem Büro überlassen. Auf Antrag des Gemeinderats hob die Gemeindeversammlung im Juni 2023 den Kredit für eine Sanierung des Loorensaals und den Bau eines Spielplatzes auf. Das nutzte der Gemeinderat, um das Projektstück komplett zu überdenken.

Er lud Sportvereine und andere Nutzer zu zwei Workshops ein, um die jeweiligen und künftigen Bedürfnisse genau abzuklären. Danach wurde eine Priorisierung vorgenommen und der Masterplan mithilfe des Planungsbüros Suter von Känel Wild Planer und Architekten AG (SKW) erstellt.

Der vorliegende Masterplan macht deutlich, dass vor allem der FC Maur Gehör fand. Schon ewig wartet der Verein auf ein ordentliches Klubhaus, mehr Spielfläche und separate Garderoben. Mit dem Synergiegebäude kommt der Verein diesen Wünschen näher.

Aber auf dem Gelände sind auch diverse Anlagen geplant, die der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, wie eine Street-Workout-Anlage oder Tischtennisplätze beim überdachten Treffpunkt.

Bei der offenen Halle kann die Gemeinde auf Gebrauchtes zurückgreifen. Die sogenannte Polynormhalle aus dem Jahr 1957 stand noch bis 2022 bei einer Firma in Freiburg als Lagerhaus im Einsatz. Das System aus gefaltetem Blech war von Beginn an darauf ausgelegt, dass es wiederverwendet werden kann.

Man sieht das Gerüst einer Polynormhalle beim Abbau.
Rohgerüst der Polynormhalle beim Rückbau in Freiburg.

Damit kann die Gemeinde CO₂-Emissionen sparen und leistet einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, heisst es im Masterplan. Und sparen hört sich beim Generationenprojekt Looren erst einmal sehr gut an.

Ein finanzielles Desaster

Ursprünglich hatte die Bevölkerung im Jahr 2016 über 40 Millionen Franken für das Gesamtprojekt Looren gesprochen. Also für den Neubau eines Schulhauses sowie die Sanierung zweier bestehender Schulhäuser, des Loorensaals und der Mehrzweckhalle. Doch schon drei und fünf Jahre später kamen 1,64 Millionen Franken als Zusatzkredite dazu.

Weitere 7,8 Millionen Franken hatte der Gemeindrat als gebundene Ausgabe in eigener Kompetenz bewilligt. Das historisch grosse Bauprojekt wurde auch historisch teurer – fast 10 Millionen Franken Mehrkosten musste der Gemeinderat im April 2022 offenlegen. Das schmeckte nicht allen.

   
      
      
         
           

Etwas salopp gesagt, gilt eine Ausgabe als gebunden, wenn gar nicht zur Diskussion steht, ob, wie, wo und wann die Exekutive das Geld ausgibt. Klassische Beispiele sind etwa Strassen oder Werkleitungen, die am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind und erneuert werden müssen.

Über solche gebundenen Ausgaben kann der Gemeinderat selbst und uneingeschränkt bestimmen. Fällt eine Investition nicht in diese Kategorie, liegt sie nur dann im alleinigen Kompetenzbereich des Gemeinderates, wenn sie unter 300 000 Franken liegt. Bei einem Betrag über dieser Schwelle braucht es ein Ja an der Gemeindeversammlung, übertrifft sie gar die Zwei-Millionen-Marke, hat der Souverän an der Urne das letzte Wort.

      

   

  

Zwei ehemalige Gemeinderäte und ein Bürger legten gegen die gebundenen Ausgaben Rekurs ein und bekamen recht. Im Oktober 2022 wurde der Gemeinderat vom Bezirksrat Uster zurückgepfiffen. Woraufhin der Gemeinderat die Kreditanteile von 2,7 Millionen Franken für den Saal und 146’000 Franken für einen Spielplatz im Juni 2023 aufheben liess. Jetzt wird es mehr als fünfmal so teuer.

Und wieder ist viel Geld im Spiel

Die Looren ist ein Grundstück an bester Lage mit einer wundervollen Aussicht über den Greifensee. Der Gemeinderat will sie zu einem Treffpunkt für die gesamte Bevölkerung aufwerten. Nicht zuletzt deshalb will er wohl eine Busverbindung am Wochenende aus eigener Tasche stemmen – die Bevölkerung hat diesen Entscheid erst kürzlich befürwortet.

An Sportmöglichkeiten hat die Gemeinde wohl alles untergebracht, was es derzeit gibt. Platz ist vorhanden – lediglich für die Pumptrack-Anlage muss Land umgezont werden. Das alles hat seinen Preis. Doch das Projekt soll in drei Hauptetappen gegliedert werden.

In der ersten Etappe, rund 1,5 Millionen Franken, soll der Treffpunkt mit der Polynormhalle gebaut werden. Im besten Fall könnte im ersten Quartal 2028 damit begonnen werden. Im Jahr darauf soll das Gelände für die zweite Bauetappe vorbereitet werden. Der Neubau des Synergiegebäudes, das neue Fussballfeld und der Pumptrack schlagen mit rund 10 Millionen Franken zu Buche und könnten 2030/2031 umgesetzt werden.

Im selben Jahr müsste der Loorensaal zurückgebaut werden – die dritte Etappe und weitere 1,9 Millionen Franken. Nicht in diese drei Etappen eingerechnet sind der Skaterpark beim Jugendhaus mit einer Holzbrücke über den Bach und ein Anschluss der Kugelstossanlage, des Discgolfs und die Finnenbahn sowie der Kunstrasen beim 9er-Fussballfeld auf der Schulanlage.

Noch bleibt Zeit zum Verdauen

Der Masterplan verspricht Grosses und Teures. In einem nächsten Schritt will die Gemeinde deshalb im ersten Quartal 2025 die Finanzierbarkeit des Projekts prüfen. Danach will sie einen Projektwettbewerb starten. Ende 2025, Anfang 2026 will der Gemeinderat der Gemeindeversammlung den Planungskredit vorlegen. Über die finale Umsetzung des Vorhabens soll 2027 eine Urnenabstimmung erfolgen.

Den gesamten Masterplan sowie weitere Visualisierungen hat die Gemeinde auf www.looren.info aufgeschaltet.

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