Das bedeutet die Einschätzung der Experten für die Oberlandautobahn
Höchste Priorität geniesst der Ausbau der Oberlandautobahn bei ETH-Experten. Kommt damit die Lückenschliessung nun endgültig – oder sogar schneller? Wir klären auf.
Was sagen die Experten der ETH?
Die Fachexperten weisen der Oberlandautobahn die höchste von sechs Prioritätsstufen zu. «Der Bedarf ist kurz- und mittelfristig hoch und die Gesamtwirkung gut», heisst es. Konkret bedeutet dies eine Umsetzung in den kommenden 20 Jahren bis 2045.
Die Oberlandautobahn eröffne Potenziale zur Verkehrsberuhigung, zur städtebaulichen Innenentwicklung und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, schreiben die Experten weiter. Darum erweise sich die Vervollständigung der Oberlandautobahn zwischen Uster Ost und dem Betzholz als prioritär.
Wie wichtig ist die Einschätzung?
Die Experten der ETH haben schweizweit für verschiedene Regionen Infrastrukturprojekte eingeschätzt, neu priorisiert, für wichtig oder auch unwichtig erklärt. Dabei haben sie vom Bundesrat im Vorfeld einen klaren Finanzrahmen erhalten, der für die zu priorisierenden Projekte in der Agglomeration, auf der Strasse oder auf der Schiene verwendet werden darf. Die wissenschaftliche Einschätzung der Experten gibt dem Bundesamt für Verkehr (Uvek) eine Basis als Entscheidungsgrundlage.
Auch wenn nicht davon auszugehen ist, dass sich Uvek oder Bundesrat nicht an die Einschätzung der Experten halten, können einzelne Projekte – trotz hoher Priorisierung – nicht in die Vorlage aufgenommen werden. Die Lückenschliessung der Oberlandautobahn ist also noch nicht gesichert.
Wie geht es jetzt weiter?
Das Uvek entscheidet auf Basis des Expertenberichts, welche Ausbauschritte es dem Bundesrat bis Ende Januar 2026 zum Entscheid vorlegen soll. Der Bundesrat wiederum bündelt die Ausbauschritte in einer Vernehmlassungsvorlage bis Mitte des nächsten Jahrs.
Bundesrat Albert Rösti (SVP) betonte, dass laufende Projekte nicht gestoppt werden. Für das Projekt der Oberlandautobahn werden bis Ende Jahr noch Bohrungen durchgeführt.

Diese finden im Rahmen der Prüfung statt, welche Variante zur Lückenschliessung zu bevorzugen ist und wo und wie ein Tunnel, kurz oder lang, gebaut werden könnte.
Wo steht das Projekt «Oberlandautobahn» gerade?
Kurz gesagt im Variantenstudium: Im Sommer wurde klar, dass zwischen dem Anschluss Uster Ost und einem möglichen Anschluss Wetzikon die Variante «Horn hoch» klar das Rennen gemacht hat.
Dieser vom Bundesamt für Strassen (Astra) geprüfte Abschnitt sieht nach der heutigen Wildüberführung Höchi beim Autobahnende in Uster einen 800 Meter langen Tunnel nördlich des Aatals durch den Horn vor.
An der schmalsten Stelle wird das Aatal auf zwei Brücken gequert. Anschliessend verschwindet die Autobahn in einem 1500 Meter langen Tunnel unter dem Seegräbner Ortsteil Sack. In der Cherschiben kommt die Strasse wieder ans Tageslicht. Dort, zwischen Aathal und dem Wetziker Flos, käme der Anschluss Wetzikon zu liegen.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Unabhängig vom Uvek und vom Bundesrat wird bis Ende 2026 die Bestvariante zur Lückenschliessung der Oberlandautobahn ausgewählt. Diese wird voraussichtlich aus drei Möglichkeiten bestimmt:
- Richtplan des Kantons Zürich.
- Vorzugsvariante für einen Tunnel tief zwischen Wetzikon und dem Betzholz.
- Variante Tunnel lang, tief ohne Anschluss Wetzikon.

Ab 2028 sollen dann die Vernehmlassung und die Ämterkonsultation starten.
