Grünes Licht für gemeinnützigen Wohnraum im Zeughausareal in Uster
Genossenschaftlich Wohnen
Ein zukunftsweisendes Projekt ist einen Schritt weiter: Das Parlament sagt Ja zum Unterbaurechtsvertrag – für die Stadt ein lukratives Unterfangen, trotz Denkmalschutz.
Der Gemeinderat Uster sagt Ja zum sozialen Wohnen im Zeughausareal und damit zu einem wegweisenden Projekt: Das westliche Areal des historischen Zeughauskomplexes wird im Unterbaurecht an die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft (GWG) Winterthur vergeben. Die Stadt Uster soll damit rund 150 genossenschaftliche Wohnungen sowie Gewerberäume erhalten.
Die GWG Winterthur überzeugte den Stadtrat mit einem ausführlichen Konzept. In Wohnungen der Genossenschaft leben jetzt schon 3500 Menschen in 42 Siedlungen. Sie verfolgt eine nachhaltige Bau- und Finanzstrategie und bringt Erfahrung mit Neubauten und denkmalgeschützten Objekten mit. Uster liegt in vergleichbarer Distanz zu Winterthur wie andere Projekte der GWG, wie zum Beispiel diejenigen in Turbenthal oder Ossingen.
Ein 100-jähriger Vertrag
Das Projekt wurde im Parlament parteiübergreifend als grosse Chance für Uster gewürdigt. SP, Grüne, GLP/EVP und FDP/Mitte und auch die SVP sprachen von einem zukunftsweisenden Schritt. Die GWG sei eine solide Partnerin.
Auch Stadtrat Cla Famos (FDP) zeigte sich zufrieden, dass die Vergabe noch in seine Amtszeit fiel: «Im Herzen von Uster entsteht hier etwas Schönes.» Es sei übrigens der längste Vertrag, den die Stadt jemals für ein Projekt abgeschlossen habe.
Der Unterbaurechtsvertrag läuft bis Ende 2123. Bis spätestens Ende 2032 gilt ein reduzierter Baurechtszins von 12’000 Franken jährlich. Ab 2033 beträgt der reguläre Baurechtszins rund 486’710 Franken pro Jahr.
Die Weisung wurde mit 33 Stimmen einstimmig angenommen – ein deutliches Zeichen für städtischen Wohnraum mit sozialem Kompass.
Denkmalschutz als Risiko
Das Resultat soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch kritische Stimmen gab. Die SVP fand es bedauerlich, dass Fragen zum Denkmalschutz noch nicht abschliessend geklärt worden sind. Im Gestaltungsplan seien zum Beispiel die ausgewiesenen Baufelder sehr nah an den bestehenden Bauten eingezeichnet worden. «In den aktuellen Gesprächen kam jedoch zum Ausdruck, dass die geplanten Baufelder mit einer Berührung zu den historischen Bestandesbauten eventuell nicht möglich seien», sagt Andres Ott (SVP).
Er bemängelte ausserdem die kurze Eingabefrist, die es den kleineren Genossenschaften verunmöglicht habe, ein konkurrenzfähiges Angebot zu platzieren.
Hans Conrad Daeniker von der IG der Wohnbaugenossenschaften in Uster bestätigt gegenüber dieser Zeitung, es seien alle Genossenschaften angesprochen worden.
In Uster gibt es aktuell 15 gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften. Die Mehrheit von ihnen hat sich in dieser IG organisiert. «Natürlich ist dies hier eine grosse Kiste – da hätten die Kleineren wohl gar nicht mehr viel bewirken können», so Daeniker.
Finanziell lukrativ – auch für die Stadt
Daeniker als alter Wohnbaugenossenschaftshase freut sich, dass das Projekt durchgekommen ist. «Es ist zu 100 Prozent ein gutes Projekt» – und es sei auch lukrativ für die Stadt. Vielleicht fast zu lukrativ, findet er.
Die Stadt könne 20 Prozent Zins vom Managementanteil einnehmen. «Bei 0,5 Millionen pro Jahr wären diese 20 Prozent in zehn Jahren bereits eine Million für Uster», rechnet er vor. Die restlichen 80 Prozent gingen an Armasuisse. Denn die Eigentümerin des Zeughausareals ist die Armasuisse, die zum Bundesamt für Rüstung gehört.

Bereits 2023 hatte die Stadt mit Armasuisse einen 100-jährigen Baurechtsvertrag für das Zeughausareal abgeschlossen. Im Frühjahr 2024 erfolgte eine öffentliche Ausschreibung für das Unterbaurecht, die unter Aufsicht eines extern begleiteten Vergabeverfahrens durchgeführt wurde.
Weitere Traktanden
Die Bauabrechnung zur Sanierung der Gebäude K1 und K2 auf dem Zeughausareal brachte Klarheit über höhere Kosten. Die 2019 gestartete Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude K1 und K2 an der Berchtoldstrasse ist abgeschlossen. Der Gemeinderat nahm die Abrechnung mit 34 Stimmen an. Das Projekt wurde umfangreicher als geplant – durch Altlasten, Brandschutz und Auflagen – und kommt auf Gesamtkosten von 644'000 Franken, etwa 16 Prozent mehr als ursprünglich budgetiert. Die FDP habe ein Auge auf die Kosten. «Wir bleiben dran», sagte Marc Thalmann (FDP) in einem Votum.
Ebenfalls verabschiedet wurde der Rahmenkredit über 1,626 Millionen Franken für die Zusammenarbeit mit der Pro Senectute Kanton Zürich in den Jahren 2026 bis 2029. Der Fokus liegt auf niederschwelliger Unterstützung für Seniorinnen und Senioren – von Sozialberatung über Treuhanddienst bis hin zur Begleitung in Schutzmassnahmen. Trotz einem Rechenfehler im Antrag blieb die Zustimmung unbestritten. Die Zahl wurde elegant von 1,624 Millionen auf 1,626 Millionen Franken angehoben.
Auch wurden an der Sitzung die Ämter neu verteilt: Der Ustermer Gemeinderat hat Ali Özcan (SP) wurde zum neuen Präsidenten gewählt. Marco Kranner (GLP) wurde zum ersten Vizepräsidenten bestimmt, Silvio Foiera-Jenzer (EDU) übernimmt das zweite Vizepräsidium.
