Neue Pläne für das Landihaus – Stadtrat will den Verkauf
Gescheitertes Dorfplatz-Projekt
Seit dem Bundesgerichtsentscheid im Januar ist klar, dass das Landihaus in Illnau nicht einem Dorfplatz weichen darf. Jetzt präsentiert der Stadtrat das weitere Vorgehen.
Es war eine Niederlage für die Stadt Illnau-Effretikon und das Ende eines jahrelangen juristischen Hin und Her. Im Januar hatte das Bundesgericht einen Rekurs des Zürcher Heimatschutzes gutgeheissen und entschieden, dass das Landihaus im Dorfzentrum von Illnau schutzwürdig ist. Es darf darum nicht abgerissen werden.
Die durch eine Volksinitiative gestützten Pläne für einen neuen Dorfplatz waren damit vom Tisch – und die Zukunft des Landihauses offen. «Sicher ist, dass wir das Landihaus unter Schutz stellen müssen», sagte Stadtpräsident Marco Nuzzi (FDP) nach dem Gerichtsentscheid lediglich. «Alles andere ist jetzt aber offen.»
Gut vier Monate später hat der Stadtrat nun entschieden, wie er die Zukunft der Liegenschaft an der Usterstrasse 23 und 25 sieht. Er will das Landihaus und das Nachbargebäude verkaufen. Gleichzeitig sollen die Flächen davor im Besitz der Stadt verbleiben. Dort strebt sie weiterhin einen «attraktiven, neu gestalteten Dorfplatz» an.

Der Bundesgerichtsentscheid habe für eine neue Ausgangslage gesorgt, heisst es im Stadtratsbeschluss. Den geplanten Verkauf begründet der Stadtrat damit, dass die beiden Liegenschaften nach dem gescheiterten Dorfplatz-Projekt nur noch «einen geringen strategischen Nutzen» hätten.
Teure Sanierung der Gebäude
Stadtpräsident Marco Nuzzi führt gleich mehrere Gründe an, die beim Entscheid eine Rolle gespielt hatten. Neben dem nicht mehr umsetzbaren Volksentscheid sei vor allem der Sanierungsbedarf der Gebäude ausschlaggebend gewesen.
Bisher nutzt die Stadt die Wohnungen in den Liegenschaften unter anderem für günstigen Wohnraum, also für Sozialwohnungen oder die Unterbringung von Asylsuchenden. «Nach der Sanierung wird das zu teuer», sagt Nuzzi. Und dann ist da noch die Sanierung selbst, die ebenfalls viel kostet. «Das können Private ebenso gut», findet der Stadtpräsident.

Um die Finanzen der Stadt ist es derzeit sowieso nicht allzu gut bestellt. Nach der Steuererhöhung im letzten Jahr plant die Stadt derzeit ein Sparpaket. «Der Verkauf schafft Entlastung», sagt Nuzzi. Nicht zuletzt habe aber dafürgesprochen, dass die Stadt in den Erdgeschossen auch nach einem Verkauf weiterhin Gewerberäume garantieren könne.
Denn die öffentlichen Interessen sollen trotz den Verkaufsplänen nicht verfallen. So plant die Stadt, die gewerbliche Nutzung der Erdgeschosse vertraglich abzusichern. Im Landihaus befindet sich aktuell ein Blumenladen, im Nachbarhaus ein Malergeschäft.
Ein altbekannter Plan B
Eine erste Idee, wie der Platz vor dem Landihaus künftig aussehen soll, hat der Stadtrat auch schon. Er holt dafür den Plan B aus der Schublade. Dieser soll auf dem Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Attraktives Dorfzentrum Illnau» aus dem Jahr 2020 basieren, wie Marco Nuzzi erklärt.
«Momentan ist der Platz nicht attraktiv. Er ist praktisch, aber kein Verweilort.» Es gebe beispielsweise kaum Schattenplätze und Sitzgelegenheiten. Der Platz biete wenig Aufenthaltsqualität, gibt der Stadtpräsident zu bedenken.
Der Gegenvorschlag sah unter anderem Bäume und Sitzplätze sowie einen Brunnen vor. Die Parkplätze sollten erhalten bleiben und während der Ladenöffnungszeiten als Kurzzeitparkplätze zur Verfügung stehen.
Dieser Plan B biete nach wie vor eine ideale Grundlage für die Platzgestaltung, befand der Stadtrat. Er muss zwar noch im Detail ausgearbeitet werden, doch der Stadtrat ist überzeugt, dass er die «zielführendste Variante ist».
Ob dieser Plan dereinst auch Realität wird, ist aber noch offen. «Beim Landihaus bin ich erst zuversichtlich, wenn das Vorgehen von allen Gremien beschlossen ist», sagt Stadtpräsident Nuzzi. «Es ist ein politisch umstrittener Ort, bei dem die Wünsche und die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind. Der Stadtrat ist aufgrund der nun veränderten Ausgangslage überzeugt, einen gangbaren Weg eingeschlagen zu haben.»
Die Stadt hatte die beiden Gebäude im Mai 2005 für insgesamt 600’000 Franken gekauft. Inzwischen rechnet sie mit einem Immobilienwert von knapp 1,7 Millionen Franken. Der effektive Verkaufswert soll aber erst im Herbst feststehen. Der Zeitplan sieht vor, dass die Vorlage über den Verkauf voraussichtlich Anfang 2026 ins Parlament kommt.