Öffentliche Spitex-Organisationen zwischen Leistungsauftrag und Wettbewerb
Natalie Rickli sieht Spitex-Organisationen als wichtige Player in der Gesundheitsversorgung im Alter. Die Regierungsrätin sprach am Freitag am zweiten Spitex-Forum der Region Pfannenstiel.
Die Spitex-Region Pfannenstiel lud nach dem erfolgreichen Event im Vorjahr zum zweiten Forumsanlass. Rund 120 Interessierte nahmen an der Veranstaltung, die im Plenumssaal der Zollinger-Stiftung auf der Forch stattfand, teil.
Ziel des Anlasses war, die Entscheidungspersonen und Stakeholder aus dem Gesundheitsbereich, der Politik und der Verwaltung mit konkreten Empfehlungen für ihren Verantwortungsbereich zu versorgen.
«Ambulante Pflege hat zentrale Rolle»
Zunächst begrüsste Co-Gastgeber Claudius Holinski die Anwesenden in seiner Funktion als Leiter der die fünf Gemeinden Maur, Zumikon, Fällanden, Egg und Oetwil am See umfassenden Spitex-Organisation Pfannenstiel. Anschliessend richtete die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) einige Worte an das Publikum. Die Vorsteherin der kantonalen Gesundheitsdirektion erwähnte angesichts der demografischen Veränderung das Bedürfnis vieler Menschen, zu Hause alt werden zu dürfen.
«Dieser Umstand bedingt eine qualitativ gute ambulante Versorgung, und hier kommen auch Spitex-Organisationen ins Spiel», führte Rickli aus. Dem Kanton obliege die Sicherstellung der bedarfsgerechten stationären Gesundheitsversorgung.
«Der Trend geht aber dahin, weniger Betten zu verbauen, sondern vielmehr die ambulante Versorgung zu stärken», betonte Rickli.
«Explodierendes» Spitex-Angebot
Die Vorsteherin der Gesundheitsdirektion fand angesichts des markanten Ausbaus des Angebots an Spitex-Organisationen aber auch kritische Worte. Im Kanton Zürich hätten kürzlich noch 258 solche Organisationen existiert.
«Nun ist dieses Angebot um weitere 50 Anbieter nahezu explodiert. Der Kanton ist in seinen Aufsichtsaufgaben extrem herausgefordert», gab die Referentin zu bedenken. Die aufsichtsrechtlichen Verfahren zum Beispiel wegen vernachlässigter Qualitätserbringung hätten sich gehäuft.
Die Chance für eine qualitativ gute ambulante Versorgung sei vorhanden. Es gelte auch, alternative Modelle, etwa den Einsatz einer Nacht-Spitex, zu fördern. Rickli erwähnte ebenso die wichtige Arbeit von pflegenden Angehörigen. «Es ist zu begrüssen, wenn Menschen möglichst lange in ihrem eigenen Heim leben können. Doch wir müssen eine faire Abgeltung dieser Leistungen im Auge behalten, einer Bereicherung bei solchen Tätigkeiten gilt es mit klaren Richtlinien entgegenzuwirken», unterstrich die Referentin.
Innovative Modelle gefragt
Der Mediziner Gieri Cathomas amtet seit einem Jahr als Präsident des Verwaltungsrats am Regionalspital Surselva in Ilanz. Er berichtete über die Schwierigkeiten, ein Spital mit eher wenigen Menschen im Einzugsgebiet gewinnbringend zu führen. «Keine Frage: Wenn unser Spital nur in den Wintermonaten geöffnet hätte und sich um die dann zahlreichen Versorgungen sorgen müsste, wären wir finanziell auf der sicheren Seite», sagte er.

Doch auch «sein» Spital habe ganzjährig einen umfassenden Leistungsauftrag zu erfüllen. Das wichtige Angebot an Hausärzten sei rückgängig, doch exakt solche externen Versorgungsmöglichkeiten seien bedeutend. Deshalb würden derzeit neue, auch innovative Modelle erarbeitet.
Die Spitex spiele dabei eine massgebende Rolle. «Spitex-Organisationen können ihre Arbeit dezentral machen, das ist eine grosse Chance», unterstrich Cathomas. Dann sei es nur noch eine Frage der guten Koordination, um ein gutes Leistungsangebot auch in einer Bergregion garantieren zu können.
Ausschreibepflicht: Herausfordernde Praxis
In einem Talk äusserte sich Rechtsexperte Christoph Jäger über die Parameter, die es in Sachen Ausschreibepflicht bei externen Leistungserbringern zu beachten gebe. Das Beschaffungsrecht sehe bei einer Vergabe eines Leistungsauftrags auch Ausnahmen vor, etwa dann, wenn die Versorgungsabsicht einer Spitex-Organisation einen gemeinnützigen, wohltätigen Ansatz habe.