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Gesellschaft

Spitex der Zukunft braucht Mut zur Veränderung

Im Rahmen des ersten Spitex-Forums der Region Pfannenstiel diskutierten Fachexperten, Mitarbeitende und Behörden über die dringlichsten Herausforderungen in Maur.

Die Podiumsteilnehmenden (von links): Nathalie Möckli, Pia Baur-Manzetti, Gesprächsleiter Michael Kaspar, Béatrice Mast und Tobias Diener (Direktor Zollinger-Stiftung).

Foto: Marcel Vollenweider

Spitex der Zukunft braucht Mut zur Veränderung

Pflege im Wandel

Beim ersten Spitex-Forum der Region Pfannenstiel diskutierten Fachleute, Mitarbeitende und Behörden in Maur über aktuelle Herausforderungen der ambulanten Pflege.

Wie geht es weiter mit der öffentlichen Spitex? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Symposiums, zu welchem die regionale Spitex-Organisation Pfannenstiel geladen hatte.

Dass das Thema einen Brennpunkt darstellt, zeigte sich am Aufmarsch der Forumsteilnehmenden im grossen Saal der Zollinger-Stiftung auf der Forch. Rund 120 Personen wohnten der Veranstaltung bei.

«Grösser ist nicht zwingend besser!»

Die Spitex Pfannenstiel ist im Auftrag der Gemeinden Maur, Zumikon, Fällanden, Egg und Oetwil am See tätig. Solche Zusammenschlüsse sind in den letzten Jahren häufiger geworden – sie sollen Synergien nutzen und personelle Ressourcen bündeln, um eine gute Betreuung zu sichern.

Drei Referate bildeten den Auftakt: Jörg Gruber (Zürcher Gesundheitsamt) skizzierte die Anforderungen an die Pflege im Kanton. Nathalie Möckli (Uni Basel) stellte Ergebnisse der Studie «Snapshot der Spitex-Landschaft» vor. Und Stephan Pahls (Hospital@Home) plädierte für eine bessere Koordination zwischen Spitälern und Spitex.

Rund 120 Interessierte, Fachleute aus Spitex-Organisationen und Behördenvertreter befassten sich mit Fragestellungen rund um die Herausforderungen im Spitex-Bereich.
Fachpersonen und Vertreterinnen der Pflegebranche sprechen über Herausforderungen und Chancen der Spitex.

Im anschliessenden Podium, das von Michael Kaspar, dem Chefredaktor der Zürcher Oberland Medien AG, moderiert wurde, betonte Tobias Diener in seiner Rolle als Direktor der Zollinger-Stiftung, dass beim Zusammenschluss von Spitex-Organisationen gewiss die «optimale Grösse» eine Rolle spiele, fügte aber an: «Grösser heisst nicht automatisch besser – das gilt für die Spitex ganz besonders.»

«Der Klient steht immer im Zentrum»

Die Diskussionsrunde beschäftigte sich zentral mit der Frage, wohin denn die Reise in der Spitex-Landschaft gehen soll. Pia Baur-Manzetti, Präsidentin des Spitex-Verbands des Kantons Zürich, würdigte die Seriosität von öffentlichen Spitex-Organisationen beim Erbringen von Betreuungs- und Pflegeleistungen.

Sie regte sodann an, die «schwarzen Schafe» unter den privat organisierten Spitex-Anbietern von der Landkarte zu verbannen. «Es ist nicht wahr, dass die beauftragte Spitex teurer ist im Erbringen von Leistungen. Doch die öffentliche Spitex führt eben auch die kleinen, aufwendigen Leistungen aus», betonte sie.

Rund 120 Interessierte, Fachleute aus Spitex-Organisationen und Behördenvertreter befassten sich mit Fragestellungen rund um die Herausforderungen im Spitex-Bereich.
Austausch der Podiumsteilnehmenden in der Nachmittagspause.

Auch Béatrice Mast, CEO von Dovida – Seniorendienste Schweiz AG, bekannte sich klar zu einem verbindlichen Leistungsauftrag. «Die Bedürfnisse der Klienten müssen immer im Vordergrund stehen», unterstrich sie. Es gebe durchaus private Anbieter, die gewisse sich «nicht lohnende» Leistungen schlicht nicht erbringen wollten oder würden.

Innovation gefragt

Nathalie Möckli forderte mehr Innovationsgeist von öffentlichen Spitex-Anbietern. Tobias Diener sprach von einem nötigen «Marken-Update»: Der öffentliche Auftrag müsse modern daherkommen – mit klaren Leistungsvereinbarungen und fairen Tarifen.

Über die Gefahr der drohenden Vereinsamung im «vierten Alter»

Einen anderen Blick aufs Alter warf Ludwig Hasler. Der 80-jährige Philosoph sprach mit Humor über das Älterwerden – und die Gefahr, im «vierten Alter» zu vereinsamen. Beziehungspflege sei zentral. «Nur ‹spaziere, höckle, gnüsse› reicht irgendwann nicht mehr», sagte er.

Es sei unvermeidlich, im Alter zu schrumpfen. «Es verkleinert sich vieles, die Gefahr droht, zu verdörren», sagte er. Doch dies müsse vor allem in Sachen Beziehungspflege und bezüglich der Sinnfrage nicht sein. Der Lebensabend, so sehr man sich auch darauf gefreut habe, könne sehr, sehr lang werden, die Gefahr von Vereinsamung sei latent vorhanden. Schon im «dritten Alter» – der Zeit nach der Pensionierung – könne man vorsorgen. «Pflegen Sie Kontakte, tun Sie etwas, das auch für andere Sinn macht», so Haslers Appell.

Rund 120 Interessierte, Fachleute aus Spitex-Organisationen und Behördenvertreter befassten sich mit Fragestellungen rund um die Herausforderungen im Spitex-Bereich.
Ludwig Hasler bei seinen Betrachtungen aus einer anderen Perspektive.

Klar könne man da in den Tag hineinleben, viele Reisen unternehmen und das Leben geniessen. «Aber irgendwann sollte man auch wieder die Beziehungen pflegen, Dinge machen, die nicht nur für sich, sondern auch für andere Menschen Sinn machen», betonte er. Nur dem Aufruf «spaziere, höckle, gnüsse» zu folgen, mache das Leben im «vierten Alter» kaum lebenswerter, es fehle dann oft der Sinn. (mav)

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