Ob einer der unzähligen Pläne für das Schlossgut Turbenthal umgesetzt wird?
Die Gemeinde Turbenthal will ihr Schlossgut retten. Darüber besteht grundsätzlich Konsens. Bis anhin kam es zu vielen konkreten Plänen, die aber nie auf Gegenliebe stiessen. Die Frage um das Wie scheint dabei entscheidend – eine neue Machbarkeitsstudie soll aufklären.
Man darf, ohne zu übertreiben, sagen: In Turbenthal ist das Schlossgut ein Politikum. Zugleich wäre es ein mögliches Aushängeschild für die Gemeinde – doch noch befindet es sich im Stadium des Verfalls. Und das mitten im Dorfzentrum.
Für die Zukunft der denkmalgeschützten Schlossscheune aus dem 17. Jahrhundert wurden über die letzten Jahre unzählige Ideen gesammelt, Pläne geschmiedet, mittels Onlineumfragen die Bevölkerung miteinbezogen – viele Ideen wurden über Bord geworfen und tauchten in neuen Formen doch wieder auf. Aber nach wie vor ist klar: Es soll eine modulare Nutzung her. Bestenfalls möglichst schnell.
Weder ein überregionales Ortsmuseum, ein Kulturzentrum, ein Informationszentrum, ein Café noch Co-Working-Spaces kamen zustande. Aber: Die Gemeinde möchte noch in dieser bald endenden Legislatur Klarheit darüber gewinnen, wie es mit dem Schlossgut weitergeht. Zumindest wurde dieses Ziel einst formuliert. Es ist also Eile geboten.
Kosten als Zünglein an der Waage
Die letzte Idee für eine Bibliothek und Büroräume verpasste die Realisierung nur knapp. 2020 waren an einer Gemeindeversammlung gerade einmal sechs Stimmen ausschlaggebend, die in der ländlichen Gemeinde dafür sorgten, dass ein Projektierungskredit über 200'000 Franken für das Schlossgut, sprich eine neue Bibliothek, verworfen wurde. Gekostet hätte der Umbau rund 2,8 Millionen Franken.
Das lag hingegen nicht an der Tatsache, dass der Umbau mit mehr als doppelt so viel wie der einstige Erwerb des Hauses durch die Gemeinde zu berappen gewesen wäre. 1990 erwarb Turbenthal das Schlossgut noch für 1,2 Millionen Franken.
Der Kredit stiess wohl eher auf Ablehnung, weil der frühere Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP) deutlich von einer möglichen Erhöhung des Steuerfusses auf 130 Prozent warnte. Roland Kessler, damals Präsident der Rechnungsprüfungskommission, sprach sogar von einem finanziellen Desaster. Kurzzeitig wurde der Steuerfuss von Turbenthal zwar erhöht, wofür vordringlich die finanzielle Notlage in Pandemiezeiten verantwortlich war. Inzwischen liegt er aber längst wieder bei 122 Prozent.

Neben den Befürwortern in der Bevölkerung war vor fünf Jahren auch die zuständige Gemeinderätin Katharina Fenner (FDP) schwer enttäuscht. Sie war überrascht, dass Gemeindepräsident Georg Brunner, ihr ehemaliger Kollege im Gemeinderat, ohne vorherige Absprache im Gremium einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Mittlerweile liegen die neuen Projektideen längst in den Händen des Fördervereins Schlossgut Turbenthal. Seit 2023 ist dieser bemüht, die Zukunft des Schlossguts in der Bevölkerung möglichst breit abzustützen.
Die Rezepte dazu waren ein Tag der offenen Tür und eine Onlineumfrage. «Leider gab es nur 16 schriftliche Rückmeldungen», sagte Vereinspräsident Daniel Schneiter noch im letzten Herbst. «Wir mussten feststellen, dass die Bevölkerung zwar gerne mitdiskutiert.» Wenn es aber um eine schriftliche Rückmeldung gehe, sei der Aufwand dafür vielen zu gross. Dennoch gingen bis zum Schluss 20 Ideen ein. Dazu hätten sich über 25 Prozent der Bevölkerung in Turbenthal die Website des Fördervereins angeschaut.
Gastronomie und Kultur
Nach rund einem Jahr Arbeit werden die Pläne schliesslich etwas konkreter. Der Förderverein hat mehrfach Nutzungswünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung zusammengetragen, wie der Vereinspräsident Daniel Schneiter bestätigt. «Insgesamt hat sich gezeigt, dass eine kombinierte und flexible Verwendung für gastronomische und kulturelle Zwecke den grössten Zuspruch erhalten hat.»
Nun müsse die Umsetzung der am meisten gewichteten Ideen als nächster Schritt im Rahmen einer Machbarkeitsstudie überprüft und vertieft werden. Dabei wird nach Möglichkeit auf bereits vorhandene Unterlagen und das Wissen aus früheren Planungen zurückgegriffen. Auch deshalb wird das Architekturbüro Wirz aus Zürich mit dieser Studie beauftragt, welches bereits für das einst geplante und verworfene Projekt mit Büroräumen und einer Bibliothek verantwortlich war.
Schneiter erklärt: «Der Gemeinderat hat den erforderlichen Kredit über 32'000 Franken inzwischen bewilligt und den Auftrag den Wirz Architekt:innen aus Zürich erteilt.» Sofern die Planung reibungslos verläuft, soll die Erarbeitung der Studie im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen sein.
Der Förderverein selbst sei währenddessen weiterhin dabei, eine nachhaltige Strategie für die Nutzung und die künftige Vermarktung des Schlossguts voranzutreiben. Dazu sei ein strategisches Zusammenarbeiten vorgesehen. «Der Verein will die Bevölkerung auch trotz der bereits in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie miteinbeziehen.» Als Nächstes haben die Turbenthalerinnen und Turbenthaler am Adventsfenster vom 4. Dezember die Möglichkeit dazu, wenn das Schlossgut zum nächsten Mal belebt wird.