Neue Aktiengesellschaft soll We Recycle übernehmen
Nach verfügter Liquidation präsentiert die Recyclingfirma aus Kemptthal eine Lösung. Die Sammeltouren sind wieder gestartet.
Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat im November 2023 die Liquidation der We Recycle AG in Kemptthal verfügt. Das Bundesgericht bestätigte die Auflösung der Firma in einem Urteil von Mitte September. Der Grund: unerlaubter Aktienhandel, der mehrere Jahre zurückliegt.
Nun konkretisiert sich eine Lösung, um das funktionierende Recyclinggeschäft zu retten. Eine neue Aktiengesellschaft, die WR Group AG, soll den Betrieb übernehmen und unter der gleichen Marke und mit gleicher Firmenadresse fortführen. Die WR Group AG befindet sich aktuell in Gründung, wie es auf der Firmenwebsite heisst.
Die Kundschaft wurde am Mittwoch per SMS informiert, dass die Abholungen «ab sofort zuverlässig weitergeführt werden».

Auch das bewährte Team bleibe erhalten. Für die Kundschaft ändere sich nichts. «Ihre bestehenden Abonnemente und Vereinbarungen werden von der WR Group AG übernommen.» Auch ein Onlineshop sei wieder verfügbar.
We Recycle AG wird gelöscht
Doch weshalb kann das Geschäft fortgeführt werden trotz Verfügung der Finanzmarktaufsicht und Bundesgerichtsurteil? Der Verwaltungsratspräsident schreibt dazu: «Die Aktiven und Passiven der Unternehmung werden in Absprache mit der Finma in eine neue Gesellschaft überführt.»
Die Finma bestätigt diese Absprache zwar nicht. Ihre Medienstelle schreibt aber: «Legal betriebene Unternehmensteile können in einer Liquidation von Dritten herausgekauft werden.» Und sie fügt hinzu: «Die unerlaubte Wertpapierhaustätigkeit bleibt in jedem Fall untersagt, und die Gesellschaften Recycling Services AG sowie We Recycle AG werden nach Schluss der Verfahren aus dem Handelsregister gelöscht.»
Mit der Liquidation beauftragt ist eine Zürcher Kanzlei. Diese hat den Auftrag, die vorhandenen Aktiven im Sinne der Gläubiger «bestmöglich zu verwerten». Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Recyclingfirma ihre Sammeltouren wieder fortführen kann. Die Kanzlei erteilt keine Auskünfte und verweist an die Finma, die sich ebenfalls nicht weiter äussert.
Versprechen an We-Recycle-Kundschaft
Das 15-köpfige Recyclingteam freut sich jedenfalls, dass es nach über einem Monat Unterbruch mit dem Geschäft in Kemptthal weitergeht, wie Geschäftsführer Markus Kämpfer gegenüber SRF-«Espresso» sagte. Rund 7000 Kundinnen und Kunden in Zürich, Basel, Bern und anderswo mussten warten, dass ihre Säcke abgeholt werden.
Kämpfer entschuldigt sich für den Ausfall und verspricht: «Niemand soll auf einem finanziellen Schaden sitzen bleiben.» Er betont auch gegenüber dieser Redaktion, dass er erst nach den Problemen zur Firma gestossen sei – und der Wertschriftenhandel schon seit mehreren Jahren kein Thema mehr sei und das auch so bleibe.