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Gesellschaft

Wiedereröffnung in Fischenthal

Nach der schwierigen Zeit fürs «Freieck» beginnt mit ihm ein neues Kapitel

Christian Häsler übernimmt den Gasthof «Freieck» – ein Neuanfang nach der Krebserkrankung der früheren Wirtin.

Mit Christian Häsler beginnt eine neue Ära im «Freieck».

Foto: Salma Jarkovich

Nach der schwierigen Zeit fürs «Freieck» beginnt mit ihm ein neues Kapitel

Wiedereröffnung in Fischenthal

Vor einem Jahr war die ehemalige Wirtin des «Freiecks» in Fischenthal an Krebs erkrankt und musste den Betrieb einstellen – jetzt eröffnet das Restaurant wieder.

Vor ziemlich genau einem Jahr musste das «Freieck» in Fistel, einem Weiler von Fischenthal, seine Türen schliessen – auf unbestimmte Zeit. Wirtin Mary Helbling war an Krebs erkrankt und musste den Betrieb nach sieben Jahren einstellen. Die Zukunft war ungewiss.

Doch bereits im September konnten erste Gäste wieder empfangen werden. Zwei Frauen aus der Nachbarschaft nahmen sich des Restaurants an, um den Betrieb in der Dorfbeiz aufrechtzuerhalten. Der Plan war, dies so lange zu tun, bis Mary Helbling nach ihrer Genesung wieder in die Gastronomie zurückkehren oder jemand Neues das Restaurant pachten würde.

Obwohl die ehemalige Wirtin mittlerweile auf dem Weg der Besserung ist, war gegen Ende des Jahrs klar, dass langfristig ein neuer Pächter oder eine neue Pächterin gesucht werden muss. Und so kam es, dass heute ein neues Gesicht hinter dem Tresen im «Freieck» steht – Christian Häsler.

Zuerst die Arbeit, dann der Spass

Seit einem Monat ist der 53-Jährige damit beschäftigt, das in die Jahre gekommene «Quartierbeizli» – wie die Bewohner des Weilers es nennen – in Schwung zu bringen.

«Ich habe die Böden und alle Tische abgeschliffen. In der Küche musste ich eine Grundreinigung durchführen und die Fugen verputzen», erzählt Häsler in seinem breiten St. Galler Dialekt. «Für das Abschleifen der Böden habe ich eine ganze Woche gebraucht.»

Der Gasthof Freieck von aussen
Damit das «Freieck» Mitte Juli eröffnen kann, bringt Christian Häsler das Lokal auf Vordermann.

Mit der Übernahme des «Freiecks» hat Häsler auch seine bisherige Arbeitsstelle aufgegeben. 14 Jahre lang war er als Koch für den Steiner-Beck tätig. Dass er jetzt alles für die Eröffnung des Gasthofs Freieck vorbereitet, ist einigen Zufällen geschuldet.

«Letzten Dezember war ich an der Liquidation des Restaurants», erzählt der 53-Jährige, der seit drei Jahren in Fischenthal wohnt. «Ich habe neue Kaffeelöffel gebraucht.» Damals wurde der grösste Teil des Restaurantinventars weggegeben. Nur wenige Dinge – Kühltheke, Kassensystem, Kaffeemaschine, Tische und Stühle – hatte der Besitzer behalten.

«Als ich dazumal das Gebäude betreten habe, war alles ziemlich düster. Doch schon da merkte ich: Es gefällt mir. Die Grösse und die Aufteilung der Räumlichkeiten sind cool», sagt Häsler. So ist aus der Suche nach Kaffeelöffeln die Übernahme des Gasthofs entstanden.

Christian Häsler sitzt an einem Tisch im Restaurant.
Während Christian Häsler im Dezember 2024 wegen der Liquidation des Inventars hier war, ist er heute der neue Pächter.

Erfahrung hat der neue Pächter schon einige. Als gelernter Koch hat er vor 20 Jahren in einer Pizzeria gearbeitet und später deren Betriebsleitung übernommen. «Während ich vorher immer nur als Koch tätig gewesen war, habe ich dort hinter die Kulissen des Restaurantführens gesehen.»

«Klein, aber fein» – und aus dem Tösstal

Im «Freieck» will er wie seine Vorgängerin vor allem einfache, gutbürgerliche Küche anbieten. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Gastronomie weiss er, wie das geht. Doch seine Speisekarte wird nicht besonders gross sein – über den Mittag ein Vegi- und ein Fleischmenü.

«‹Klein, aber fein› – das ist mein Motto. Ich bin ja auch nicht gleich der Grösste», witzelt Häsler. «Ich möchte lieber weniger Menüs anbieten, dafür aber alles frisch und selbst herstellen.» Zudem ist ihm wichtig, lokale Produkte anzubieten: den Fisch aus einer Zucht von Wald, den Schnaps aus Bauma.

Nur für etwas muss er über den Tellerrand des Oberlands hinausblicken. «Ich möchte ein italienisches Plättchen anbieten. Dafür bin ich extra ins Tessin gereist, habe lokale Produkte angeschaut und jene ausgewählt, die am besten zum ‹Freieck› passen.»

Die kurze Reise ins Tessin war zugleich die einzige Auszeit, die er sich im letzten Monat genommen hatte. Ansonsten war er jeden Tag mit den Arbeiten im Restaurant beschäftigt: «Wenn mir das Abschleifen zu viel wurde, habe ich geputzt. Und wenn mir das Putzen zu viel wurde, ging ich zu einer anderen Arbeit über.»

Doch nicht nur die grossen Arbeiten haben ihn während des letzten Monats auf Trab gehalten – auch kreativ hat er sich ausgelebt. Aus Holz hat er verschiedene Tafeln mit Aufschriften wie «Spezialite», «Nur Bargeld & Twint» oder «Süsse Gelüste» hergestellt. Wie beim Putzen legte er auch hier selbst Hand an – um Geld zu sparen.

Jüngst hat Häsler die Bewilligung der Gemeinde erhalten und darf am Dienstag, 15. Juli, die Türen des «Freiecks» öffnen. Während er den Betrieb im Restaurant zu Beginn noch allein schmeisst, erhält er ab September eine Unterstützung – eine ehemalige Chefin von ihm. Diese habe extra für ihn und den Gasthof ihren Job gekündigt.

«Nervös bin ich eigentlich nicht», sagt Häsler. «Klar herrscht ein Druck. Besonders, wenn man auch eine Angestellte hat. Doch die Unterstützung und das Vertrauen sind gross – vom Liegenschaftsbesitzer, aber ebenso von der Nachbarschaft.»

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