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Gesellschaft

Nachbarn übernehmen Restaurant in Fischenthal für krebskranke Wirtin

Im «Freieck» in Fischenthal soll der Betrieb weitergehen – auch wenn Wirtin Mary Helbling ausfällt. Für ihre Nachbarn ist das ein Herzensprojekt.

Zusammen mit ihren Mitstreitern bereitet sich Gaby Girola auf die Wiedereröffnung des Gasthofs vor.

Foto: Bettina Schnider

Nachbarn übernehmen Restaurant in Fischenthal für krebskranke Wirtin

Wie weiter im «Freieck»?

Wirtin Mary Helbling vom Gasthaus Freieck fällt auf unbestimmte Zeit aus. Ein Team aus der Nachbarschaft will in die Bresche springen – und ihr damit auch bei der Genesung helfen.

Die Stühle vor dem Gasthaus Freieck in Fischenthal sind an die Tische gelehnt – trotz dem schönen Wetter sind keine Gäste da. Denn seit Anfang August ist die Beiz im Weiler Fistel geschlossen.

Wirtin Mary Helbling, die das Restaurant seit sieben Jahren betreibt, ist an Krebs erkrankt und muss sich einer Operation unterziehen. Sie fällt auf unbestimmte Zeit aus.

Man sieht zwei Frauen und einen Mann vor einer Theke in einem Restaurant.
Mary Helbling (rechts) im vergangenen Jahr, zusammen mit Heinz und Alina, die ihr im Gasthaus unter die Arme griffen.

«Es ging alles ganz schnell», erzählt Ursula Trösch, die gleich neben dem Gasthaus wohnt und Helbling gut kennt. Das Schicksal der Wirtin, auf die ein monatelanger Leidenskampf zukommt, hat die Nachbarschaft sehr bewegt.

Genauso überraschend kam für Trösch aber die Anfrage vom Liegenschaftsbesitzer, ob sie den Betrieb nicht vorerst weiterführen will – als Übergangslösung. «Denn Mary hat die Hoffnung, wieder ins ‹Freieck› zurückzukehren», sagt Trösch.

Vollzeit geht nicht

Sie sagte zu, doch sie wusste, dass sie diese Aufgabe nicht allein stemmen kann. Sie machte sich deshalb umgehend auf die Suche nach anderen Mitstreitern – und wurde fündig. Eine davon ist Gaby Girola, die schon lange im Weiler wohnt.

«Es ist für uns ein Herzensprojekt», sagt Girola, die Teilzeit im kaufmännischen Bereich arbeitet. «Wir tun das in erster Linie für Mary, aber auch für die Gäste.» Denn das Lokal sei ein wichtiger Treffpunkt in der Gemeinde. Und auch Ausflügler schätzten es, für ein kühles Getränk und eine Stärkung im «Freieck» einzukehren.

Man sieht einen Gasthof von aussen.
Das «Freieck» ist ein wichtiger Treffpunkt im Dorf. Er soll erhalten bleiben.

Am 24. September ist nun die Wiedereröffnung geplant – wegen der Ferienabwesenheit von Girola war ein früherer Termin nicht möglich. Aktuell bringen die beiden Frauen den Gasthof wieder auf Vordermann und planen, wie sie den Betrieb weiterführen.

Vollblutwirtin Mary Helbling können und wollen die beiden nicht ersetzen. «Wir sind beide berufstätig, wir können nicht Vollzeit im Restaurant arbeiten», stellt Trösch klar. Doch die beiden sind zuversichtlich, mit vielen helfenden Händen die Aufgabe meistern zu können.

Engagement auf Zeit

Doch ohne Abstriche geht das nicht. «Die Mittagsmenüs wollen wir beibehalten», erklärt Girola. Aber die Speisekarte wird zusammengestrichen. Chateaubriand, eine von Helblings Spezialitäten, ist dann beispielsweise nicht mehr im Angebot. Schnitzel mit Pommes frites oder ein Cordon bleu wird man aber auch in Zukunft im «Freieck» erhalten.

«Wir setzen auf eine einfache und gute Küche», betont Ursula Trösch. Was die Organisation des Betriebs angeht, kann die 60-Jährige immerhin auf Vorwissen zählen. Sie arbeitete über viele Jahre im Gastgewerbe und hat Anfang der Neunzigerjahre sogar das Wirtepatent erworben. Acht Jahre lang führte sie selber ein Restaurant.

Diese Zeiten sind aber schon länger vorbei. Heute arbeitet Trösch in der Seniorenbetreuung und will ihr Engagement im «Freieck» nicht als Rückkehr zu ihrem alten Beruf verstehen. «Wir tun das aus Hilfsbereitschaft und nur übergangsweise.»

Denn Girola und Trösch hoffen, dass Mary Helbling nach überstandener Krankheit wieder in ihr Lokal zurückkehren kann. «Das Wissen, dass diese Möglichkeit besteht, wird ihr hoffentlich auch Motivation geben und ihre Genesung unterstützen», wünscht sich Girola.

«Probieremers»

Helblings Heilungschancen, und damit die Möglichkeit einer Rückkehr, stehen gut. Doch allen sei bewusst, dass es keine Garantie dafür gebe. Sollte eine Rückkehr der Wirtin nicht möglich sein, dann muss ein neuer Pächter oder eine neue Pächterin den Betrieb übernehmen.

So weit wollen Ursula Trösch und Gaby Girola aber noch nicht denken. Sie wissen, dass mit der Wiedereröffnung eine anstrengende Zeit auf sie zukommt. Ob die Ressourcen ausreichen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, wird sich erst dann zeigen.

Trösch ist aber zuversichtlich. Ihr Motto: «Probieremers», sagt sie. «Mehr als schiefgehen kann es nicht.»

Am Dienstag, 24. September, öffnet das Gasthaus Freieck im Fistel in Fischenthal wieder seine Türen. Es ist auch eine kleine Eröffnungsfeier an einem anderen Tag geplant. Das genaue Datum ist jedoch noch offen.

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