Nach dem Ja-Wort direkt zur EM
Pascal Bachmann zählt zu den besten 300-m-Schützen der Welt. Während er mit dem Nationalteam Rekorde aufstellt, bleibt der Tösstaler beruflich im Familienbetrieb verankert – und plant nebenbei auch seine Hochzeit.
Es ist früher Nachmittag, Pascal Bachmann hat sich kurz Zeit genommen – nicht vom Training auf dem Schiessstand, sondern von der Arbeit im Familienbetrieb in Wila, einem auf Holzverarbeitung spezialisierten Unternehmen.
Jetzt sitzt der Tösstaler in einem Café in Wetzikon bei einem Glas Wasser. Der 29-Jährige spricht ruhig und überlegt, seine Worte sind sorgfältig gewählt – man spürt schnell: Grosse Gesten sind seine Sache nicht, obwohl er durchaus Anlass dazu hätte. Bachmann gehört schliesslich zu den weltbesten Gewehr-Sportschützen über die 300-m-Distanz. Allein in diesem Jahr erreichte er schon unzählige Podestplätze.
Den grössten Wert hat für ihn aus der jüngsten Zeit die Einzel-Silbermedaille mit dem Freigewehr an der EM von Châteauroux. Doch das war längst nicht der einzige Exploit des Nationalteams – auch im Teamwettbewerb sorgten Bachmann und seine Kollegen für Aufsehen. Gemeinsam mit Gilles Dufaux und Sandro Greuter wurde er nicht nur Europameister im Dreistellungsmatch – das Trio erreichte in Frankreich auch eine Weltrekord-Punktzahl. «Das war schon ein Highlight», sagt Bachmann.
Gute Erinnerungen an Kairo
Der Wilemer ist durch seinen Sport bereits weit herumgekommen – quer durch Europa und darüber hinaus. Ein besonderes Highlight war seine Teilnahme an der CISM-Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro, dem globalen Wettbewerb der Militärsportverbände. Und das nächste grosse Ereignis steht bereits bevor: Im November wird er zum zweiten Mal bei einer WM in Kairo an den Start gehen. Er hat gute Erinnerungen an die letzte Austragung in Ägypten vor drei Jahren, wo er mit drei Medaillen im Rucksack ins Tösstal zurückkehrte.
Zuvor steht noch der Europacup-Final in Zagreb an – eine der wenigen Gelegenheiten, mit dem Sport auch finanziell etwas zu verdienen. «Ich hoffe schon, dass ich eine Superleistung zeige. Und Geld heimnehmen kann», sagt Bachmann. 2400 Euro gäbe es in Kroatien für den Sieg.

Vom Schiesssport leben, davon ist Bachmann weit entfernt. «Ich komme so just durch», sagt er. Möglich wäre der Schritt zum Profischützen für ihn eigentlich schon. Nina Christen, Olympia-Siegerin von 2021, ist beispielsweise schon fast zehn Jahre als Profi unterwegs. Machbar ist dies für sie durch die Unterstützung von Swiss Olympic, dem Bundesamt für Sport in Magglingen sowie der Schweizer Armee.
Auch Bachmann, der Mitglied bei den Sportschützen Wila-Turbenthal und weiteren zwei Vereinen ausserhalb der Region ist, kriegt aufgrund seiner militärischen Einteilung im Spitzensport-Stab Erwerbsersatz. Und eine Teilnahme an Olympischen Spielen würde ihn ebenso reizen. Dafür müsste er allerdings ohnehin auf olympische Disziplinen über kürzere Distanzen umsteigen.
Der Liebe wegen oft im Seeland unterwegs
Dies wiederum wäre mit mehr Trainingsaufwand abseits des Tösstals verbunden. Nur: Bachmann arbeitet regelmässig drei Tage in der Woche im Familienbetrieb. «Ich kriege da viel Unterstützung, damit ich den Schiesssport auf diesem Niveau betreiben kann», sagt er. Ausserdem hat der ausgebildete Säger ein Haus in Wila.
Dennoch verbringt er mittlerweile regelmässig den zweiten Teil der Woche im Seeland – fürs Training in Magglingen, aber auch wegen der Liebe. Besonders daran: Seine Verlobte Anja Senti zählt weltweit ebenso zu den besten Sportschützinnen. Sie verbringen so nicht nur Zeit bei ihr im seeländischen Leubringen, sondern trainieren und bestreiten dadurch Wettkämpfe zusammen.
Nicht ganz einfach ist derzeit die Situation rund ums Nationalteam. Seit Ende 2024 steht es ohne festen Trainer da – der Verband hat bisher keine passende Lösung gefunden. Das Paar kann sich zwar gegenseitig unterstützen und Tipps geben. «Es ist aber halt schon etwas anderes, wenn ein Trainer von aussen etwas sagt», betont Bachmann. Ähnlich sieht es auch Senti: «Man nimmt beim Partner alles viel persönlicher.»

Die 29-Jährige ist überhaupt die Extrovertiertere der beiden und tritt häufiger in der Öffentlichkeit auf. So präsentierte sie sich auch schon bei einem Fotoshooting für den «Blick» mit ihrem Gewehr «Pink Lady». Oder Senti posierte im kurzen Nikolauskleid für das Verbandsmagazin «Schiessen».
Bachmann hat zwar noch nie einem seiner Gewehre einen Namen gegeben. Er freut sich aber über die Medienpräsenz seiner Partnerin. «Anja ist eine gute Verkäuferin. Das ist wichtig für eine Randsportart – gerade im Hinblick auf potenzielle Sponsoren.»
Zuerst die Hochzeit – dann die EM
Senti erzählte unlängst auch dem «Bieler Tagblatt» detailliert über ihre Hochzeitspläne – und wie sich der Antrag von Bachmann im Europapark Rust abspielte. «Meine Familie war dabei, es war alles sehr herzig organisiert von ihnen zusammen.» Über die Bühne gehen sollen die Feierlichkeiten nun im kommenden Frühling – in der Stadtkirche Biel sowie auf dem Zivilstandsamt Pfäffikon.
Die gemeinsame Zukunft ist geplant, doch ein Grund, es im Schiesssport ruhiger angehen zu lassen, ist die Hochzeit für die beiden keineswegs. Bei den Festterminen achteten sie darauf, Kollisionen mit Wettkämpfen zu vermeiden. Nur wenige Tage später steht mit den Europameisterschaften nämlich bereits der nächste internationale Einsatz auf dem Programm. «Das sind dann unsere Flitterwochen», sagt Bachmann mit einem Lächeln.
Gleich weiter geht es für ihn auch an diesem lauen Spätsommernachmittag in Wetzikon. Das Glas ist leer. Bachmann muss zurück in den Betrieb auf den Rundholzplatz – für den präzisen Zuschnitt der Stämme.
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