Er ist einer der besten Sportschützen der Welt
Pascal Bachmann schlürft genüsslich einen Eistee. Er wirkt locker, wie er am Holztisch im Schützenhaus seines Kleinkaliber-Heimatvereins in Wila sitzt. Wenig deutet darauf hin, dass ein Vize-Weltmeister im Raum ist.
Eben erst kehrte der Tösstaler Sportschütze aus Kairo heim, wo er an der Weltmeisterschaft im Sportschiessen mitmachte. Es war seine erste WM-Teilnahme.
Als Souvenir brachte er nicht etwa Kühlschrankmagnete mit nach Hause, sondern drei Silbermedaillen über 300 Meter Gewehr. Zweimal im Männerteam, einmal im Mixed-Team gemeinsam mit der Berner Schützin Anja Senti.
«Natürlich haben wir gehofft, dass es für eine Medaille reicht. Aber dass wir gleich in allen Teamwettkämpfen in den Match um die Goldmedaille kommen, hätten wir nicht erwartet», bilanziert der 26-Jährige.
Vom Nachwuchskurs ins Nationalkader
Dass er überhaupt zu diesem Sport kam, war kein Zufall. Denn das Schiessen hat im Hause Bachmann Tradition: So waren bereits seine Grosseltern und Eltern begeisterte Schützen. «Durch die Familie kam ich früh mit dem Sport in Kontakt», sagt Bachmann.
Begonnen habe er, wie viele Hobbyschützen, mit dem Sturmgewehr 90. 2010 stieg er dann auf das spezielle Standard- und Freigewehr um, mit dem er heute Wettkämpfe bestreitet.
Der Ort des Treffens spielt eine wichtige Rolle in der Erfolgsgeschichte. Hier, in dem bescheiden anmutenden Schützenhaus unmittelbar an der Gemeindegrenze, hat 2005 alles angefangen. «Man merkte schnell, dass mir das Schiessen liegt», erinnert sich Bachmann.
«Vor dem Wettkampf versuche ich jeweils, mir genau vorzustellen, wie dieser ablaufen wird.»
Pascal Bachmann, Sportschütze aus Wila
Über seinen damaligen Förderer Sämi Steger, der ebenfalls aus Wila stammt, erfuhr er einige Jahre später von einem Qualifikationsverfahren für das nationale Nachwuchskader. «Sämi setzte sich dafür ein, dass ich an der sogenannten PISTE-Testung teilnehmen kann.»
Die PISTE ist ein Instrument zur Selektion und -förderung von Leistungssportlern – so auch im Schiessen.
Sie basiert auf Kriterien von Swiss Olympic und beinhaltet diverse sportliche und psychische Tests. Deren Ergebnis, der PISTE-Score, dient als Anhaltspunkt für die Kadereinstufung. (nos)
Dieses Verfahren wird auch für die Beurteilung von Olympia-Athleten eingesetzt. Ab der ersten Testung verbesserte sich der Wilemer stetig und konnte sich bis ins Nationalkader hocharbeiten.
Atemtechniken und Selbstgespräche
Am Schiessen fasziniert Pascal Bachmann die stetige Optimierung. Das Gewehr noch ruhiger zu halten, das Ziel noch genauer anzuvisieren, den Fokus noch besser zu behalten – Für ihn ist es interessant, herauszufinden, was man tun kann, um sich fortlaufend zu verbessern. «Diesen Reiz finde ich einfach geil!», schwärmt er.
«Es war mir wichtig, mich mental und physisch voll und ganz den Vorbereitungen widmen zu können.»
Pascal Bachmann
Auf die WM vorbereitet hat sich der Wilemer mit einem Trainingslager. Wie ein Skirennfahrer, der vor Rennbeginn imaginär seine Piste abfährt, lässt Bachmann bevorstehende Turniere vor dem inneren Auge vorüberziehen. «Vor dem Wettkampf versuche ich jeweils, mir genau vorzustellen, wie dieser ablaufen wird.»
Während des Wettkampfes helfen ihm Atemtechniken und Selbstgespräche, die Konzentration und Ruhe zu bewahren. Neben den Trainings hat der Wilemer vor der WM auch an weiteren Turnieren teilgenommen.
Hohe Kosten, kaum Preisgeld
Und dann ist da noch seine Arbeit, die Bachmann fordert. Denn trotz Profikarriere hat er auch einen «normalen» Beruf. Der gelernte Säger arbeitet im Unternehmen des Vaters.
Zwei Monate vor Beginn der WM hat er bei der Arbeit eine Pause eingelegt. «Es war mir wichtig, mich mental und physisch voll und ganz den Vorbereitungen widmen zu können.»
« Ich hätte mir die WM in Kairo viel grösser vorgestellt.»
Pascal Bachmann
Anders als im Fussball oder Tennis ist es hierzulande nämlich kaum möglich, sich Vollzeit einer Schützenkarriere zu widmen – insbesondere, wenn man wie Pascal Bachmann keinen grossen Sponsoren hat.
Obwohl oder gerade weil das Schiessen in vielen Dörfern zelebriert wird, geniesst die Sportart zwar einen hohen Stellenwert, wird aber nur bedingt als Spitzensport gesehen. «Auffallend war, wie wenig Publikum es in Kairo gab. Ich hätte mir den Anlass viel grösser vorgestellt», erzählt Bachmann.
Entsprechend wenig Geld fliesst im Sport. Auf das Preisgeld für den Medaillengewinn angesprochen, formt der Schütze mit seinen Fingern eine Null. «Als Kaderangehöriger erhält man zwar Entschädigungen für Leistungen und das Material. Diese decken aber nur einen kleinen Teil der Ausgaben.»
So muss Bachmann etwa das Gewehr, die Schiessbekleidung und den Wechsel des Laufes selbst bezahlen. Letzterer wird meist nach einer Saison fällig und kostet rund 1200 Franken.
Olympia bleibt (vorerst) ein Traum
Umso glücklicher ist er über die Möglichkeit, mit der Sägerei des Vaters einen verständnisvollen Arbeitgeber an seiner Seite zu wissen. «Ich kann meine Trainingseinheiten einplanen, wann ich will. Aber wenn das Geschäft im Seich ist, arbeite ich auch länger», sagt der Vize-Weltmeister.
Da dort gerade besonders viel läuft, muss das Training ab und an hintenanstehen. Deshalb fokussiert sich Pascal Bachmann, der bei der Schützengesellschaft Kyburg schiesst, in seiner aktuellen Karriereplanung auf die 300-Meter-Disziplin.
«Es ist natürlich der Traum eines jeden Spitzensportlers, einmal an die Olympischen Spiele zu fahren.»
Pascal Bachmann
Diese ist, anders als das Schiessen über 10 und 50 Meter, nicht olympisch. Dadurch kann er gezielter trainieren.
Das soll jedoch kein Entscheid für die Ewigkeit sein: «Es ist natürlich der Traum eines jeden Spitzensportlers, einmal an die Olympischen Spiele zu fahren», sagt Bachmann.
Um den finanziellen Druck der Profi-Sportschützen etwas zu lindern, bietet der nationale Schiesssportverband seit geraumer Zeit Teilzeitstellen an. Sie erlauben es, Vollzeit zu trainieren und mithilfe eines Sponsors ein angemessenes Einkommen zu generieren.
Da Teilnehmende an besagtem Programm in Magglingen trainieren und meist dort in der Umgebung wohnen, kommt das für Bachmann nicht in Frage. Er sei zu verwurzelt im Tösstal.
Nächster Halt: Baku
Immerhin: Da er im Spitzensport-Stab der Schweizer Armee eingeteilt ist, erhält er für die meisten Trainings- und Wettkampftage Erwerbsersatz. So auch an der WM. «Das ist quasi das Beste was mir passieren konnte, denn von Luft und Liebe kann man schliesslich auch nicht leben.»
«Ich hatte schon einen kleinen Kulturschock, als wir vom Flughafen zum Schiessplatz fuhren.»
Pascal Bachmann
Auch wenn er jetzt noch vom kürzlichen WM-Erfolg zehrt – nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Bachmanns nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft vom nächsten Jahr in Baku (Aserbaidschan).
Der Einsatz in Kairo war nicht nur Bachmanns erste WM-Teilnahme, sondern auch die erste Reise ausserhalb Europas. «Ich hatte schon einen kleinen Kulturschock, als wir vom Flughafen zum Schiessplatz fuhren», erinnert er sich mit einem Schmunzeln.
Gut, droht im Schützenhaus in Wila nichts dergleichen.
Mehr Informationen über Pascal Bachmann sind auf seiner Homepage zu finden.