Mieten statt fällen – er schenkt Christbäumen ein langes Leben
Kunz Baumschulen in Uster
Der Christbaum gehört mit Sicherheit zu den Nadelhölzern mit der geringsten Lebenserwartung. Dass es auch anders geht, zeigt der Ustermer Gärtner Michael Kunz.
Nicht einmal zehn Tage bleiben, um sich für den passenden Christbaum zu entscheiden. Was soll es denn dieses Jahr sein? Die dänische Nordmanntanne aus dem Grossverteiler? Die heimische Rottanne vom Bauernhof im Dorf? Oder vielleicht doch der chinesische Kunststoffbaum von Temu?
Weihnachten hat heutzutage nicht nur besinnlich zu sein, sondern auch umweltbewusst. Er werde oft nach der Nachhaltigkeit von Christbäumen gefragt, sagt Michael Kunz, Inhaber und Geschäftsführer der Kunz Baumschulen AG in Uster.
Von 0 auf 800 in zehn Jahren
Antworten auf diese Frage stehen massenweise in grauen Pflanzenkübeln vor dem Geschäftshaus an der Gschwaderstrasse: Es sind Nordmanntannen, Rottannen und serbische Fichten – rund 800 Exemplare vermietet Kunz jedes Jahr.
Das ist eine stolze Zahl, zumal der Geschäftszweig noch keine zehn Jahre alt ist. 2016 hatte Kunz die ersten lebenden Christbäumchen ausgeliefert, zunächst im Bekanntenkreis. Rasch stellte er fest, dass ein Bedürfnis nach Christbäumen bestand, die nicht nach knapp zwei Wochen entsorgt werden, sondern weiterleben dürfen.
Vor zwei Jahren erreichte das Geschäft mit den Mietbäumen einen neuen Höhepunkt, als Kunz den Bachsermärt als Kunden gewann. Der kleine Supermarkt bedient ein Publikum, das sich regionale, saisonale und nachhaltige Produkte leisten will und kann. Kunz liefert seine Bäume in die Stadtzürcher Filialen Albisrieden und Kalkbreite.
Tatsächlich stellt Kunz fest, dass der Christbaum im Topf vor allem ein urbanes Phänomen ist: «Unsere Kunden sind eher in städtischen Agglomerationen und weniger in ländlichen Gegenden zu finden.» Man gewinnt den Eindruck, als ob sich der (vermutlich lastenvelofahrende Zürcher Hipster-)Kunde mit dem Baum im Topf ein wenig Natur in seine Genossenschaftswohnung holen möchte.
Zwei Wochen, ohne Schaden zu nehmen
Rund zwei Wochen hält der Christbaum das Raumklima einer beheizten Wohnung ohne Schaden durch, «wenn man ihn nicht direkt vor die Heizung stellt», ergänzt Kunz. Den Kundinnen und Kunden attestiert der Gärtner einen sehr pfleglichen Umgang mit ihren Untermietern.
«Vielleicht vier oder fünf» der Mietbäume müsse er nach der Rücknahme entsorgen, weil sie beschädigt wurden. Neben dürren, kahlen Stellen wegen der Heizung sei das unbedarfte Abschneiden der Spitze ein häufiger Grund: «Wenn die Spitze kaputt ist, müssen wir den Baum entsorgen.»
Nicht nur zur Weihnachtszeit
Neben der Miete für ein paar Wochen bietet Kunz eine Dauermiete an. Hier bleibt der Baum auch nach Weihnachten bei den Kunden – auf dem Balkon oder im Garten: «Es gibt Eltern, die finden es schön, wenn der Baum mit den Kindern wächst.»
40 bis 50 Zentimeter klein oder drei bis vier Jahre alt sind die Bäume, die zum ersten Mal Weihnachten bei einer Familie verbringen. Rund siebenmal könne man einen solchen Baum vermieten, rechnet Kunz vor: «Danach werden sie zu gross für ein durchschnittliches Schweizer Wohnzimmer.»
Sobald das der Fall ist, wandern die Bäume in die betriebseigene Kompostieranlage, wo sie zu Nährstoffen für die nächste Generation von Christbäumen werden.
Trotz der stolzen Zahl von 800 Bäumen sei die Vermietung der Koniferen kein grosses Geschäft, erklärt Kunz: «Aber es bringt Leute in den Betrieb nach Uster und auch regelmässig etwas mediale Aufmerksamkeit.»