Mercedes-Benz schliesst Logistik-Center in Wetzikon – 60 Stellen weg
Schock für Mitarbeitende
Die Krise in der deutschen Automobilindustrie erfasst das Oberland: 60 Mitarbeitende im Logistik-Center von Mercedes-Benz verlieren ihre Stelle.
Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise. Auch Mercedes-Benz macht dabei keine Ausnahme: 2025 war der Gewinn der Marke mit dem Stern um fast 50 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen, der Umsatz sank um 9 Prozent auf 132,2 Milliarden Euro.
Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb mit China hätten die Ergebnisse belastet, teilte der Konzern aus Stuttgart im Februar mit. Einen Teil des Gegenwinds hätten Kosteneinsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte kompensiert.
Ende Januar 2027 gehen die Lichter aus
Und das Sparen geht weiter. Mercedes-Benz verkleinert sein Logistiknetzwerk in Europa. Teil dieser Konsolidierung ist die Schliessung des Logistik-Centers in Wetzikon. Ende Januar 2027 gehen die Lichter im 18’000 Quadratmeter umfassenden Ersatzteillager aus. Hier sind derzeit 60’000 Fahrzeugteile eingelagert; 60 Mitarbeitende liefern jedes Jahr 1,8 Millionen Teile an die Partnerwerkstätten in der ganzen Schweiz aus.
Am Dienstagmorgen wurde die Belegschaft über die Schliessung informiert. Die Nachricht kam aus heiterem Himmel. Vor nicht einmal zwei Jahren hatte Mercedes-Benz das 40-jährige Bestehen des Logistik-Centers gefeiert: mit einem Fest für die damals noch 80 Mitarbeitenden und im Beisein von Stadtrat Stefan Lenz (FDP), der die Grussworte der Stadt Wetzikon überbrachte, sowie Medienschaffenden von Fach- und Publikumsmedien.
Von einem Abbau, geschweige denn einer Schliessung war damals keine Rede. Im Gegenteil: Mercedes-Benz plante, in den Standort zu investieren. So sollte das Logistik-Center 2028 ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Zusätzlich sprach man davon, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren. Jetzt ist alles anders.
«Es wäre ein harter, schmerzhafter Schritt», sagt Roger Welti, Mediensprecher der Mercedes-Benz Schweiz AG, auf Anfrage. Mit der Information der Mitarbeitenden wurde ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Deshalb sind sämtliche angekündigten Massnahmen von Mercedes-Benz noch im Konjunktiv.
Lediglich «einer Handvoll» der Wetziker Mitarbeitenden könnte innerhalb des Unternehmens eine neue Beschäftigung angeboten werden. «Alle anderen würden wir bestmöglich dabei unterstützen, dass sie einen neuen Job finden», verspricht Welti. Zudem bestehe ein guter Sozialplan. Dieser sieht unter anderem Abgangsentschädigungen und Möglichkeiten zur Frühpensionierung vor.

Was mit der Liegenschaft an der Industriestrasse passiert, ist unklar. Ein Verkauf sei durchaus eine Möglichkeit, meint Welti.
Reutlingen ersetzt Wetzikon
Die Schweizer Kundschaft, bestehend aus Autowerkstätten, wird ab 2027 nicht mehr aus dem Oberland, sondern aus Reutlingen beliefert. Die Stadt in Baden-Württemberg liegt rund 200 Kilometer von Wetzikon entfernt: «Der Konzern will mit der Konsolidierung seines Logistiknetzwerks Synergien schaffen», erklärt Welti. Ähnliche Zusammenlegungen seien auch schon in anderen Regionen Europas erfolgt.
Dass Wetzikon überhaupt Standort eines nationalen Logistik-Centers wurde, ist dem Zufall geschuldet. Im Jahr 1982 wurden die beiden Lkw-Hersteller FBW (Franz Brozincevic & Cie.) in Wetzikon und Saurer in Arbon zusammengeschlossen. Saurer gehörte damals zu 40 Prozent Mercedes-Benz. Und da die neue Firma in Wetzikon über Produktionshallen und Land verfügte, entschied sich die Mercedes-Benz-Konzernzentrale in Stuttgart relativ kurzfristig für Wetzikon als Standort für die zentrale Logistik in der Schweiz.
Bei Mercedes-Benz bedauert man die Entwicklung für den Standort. Man sei «sich bewusst, wie schwierig diese Schliessung für die teils langjährigen Mitarbeitenden sein würde», heisst es in der Medienmitteilung.