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Wirtschaft

Wieso Mercedes-Benz ohne Wetzikon nicht funktionieren würde

Seit 40 Jahren ist Wetzikon das heimliche Schweizer Zentrum der Marke mit dem Stern.

Das Logistik-Center von Mercedes-Benz in Wetzikon feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Zweimal täglich werden von hier aus 138 Abnehmer in der ganzen Schweiz beliefert.

Foto: PD

Wieso Mercedes-Benz ohne Wetzikon nicht funktionieren würde

40 Jahre Logistik-Center

Knapp 20’000 Autos hat Mercedes-Benz letztes Jahr in der Schweiz verkauft. Dass sie lange auf der Strasse bleiben, dafür sorgen 80 Mitarbeitende in Wetzikon.

Die Autobesitzenden in der Schweiz lieben deutsche Fabrikate. Der Vergleichsdienst Comparis hat vor einigen Wochen eine Studie zu Suchanfragen für Autos publiziert. Mit einem Anteil von 13,9 Prozent aller Suchanfragen war die Marke mit dem Stern die am häufigsten auf comparis.ch gesuchte Automarke – vor BMW, VW, Audi und Porsche.

Auch bei den Neuwagen-Verkäufen belegt Mercedes-Benz jedes Jahr einen Spitzenplatz: 2023 brachten laut Zahlen der Importeursvereinigung Auto Schweiz nur VW (28’350) und BMW (21’300) mehr Autos neu auf die Strasse als Mercedes (19’500).

Viele Autos brauchen viele Ersatzteile. Und diese kommen bei Mercedes-Benz Schweiz aus dem Logistik-Center in Wetzikon. Ein paar Zahlen zur Einstimmung: 18’000 Quadratmeter umfasst die Lagerfläche des zentralen Lagers in Kempten. Das entspricht drei Fussballfeldern. 100’000 Fahrzeugteile sind hier eingelagert – von der kleinen Schraube bis zur Windschutzscheibe oder Fahrerkabine.

«Premium-Service für eine Premium-Marke»

Weitere rund 900’000 Teile können innert 24 Stunden beschafft werden. Zweimal täglich werden 138 Werkstätten in der ganzen Schweiz beliefert, täglich legen die LKWs und Lieferwagen von Wetzikon aus rund 6500 Kilometer zurück. «Ein Premium-Service für eine Premium-Marke», sagt Betriebsleiter Salim Shala in einer Wortwahl, die das Herz eines jeden PR-Experten höherschlagen lässt.

Dieses Jahr feiert das Logistik-Center in Wetzikon sein 40-jähriges Bestehen. Im Beisein von Stadtrat Stefan Lenz (FDP), der das Grusswort der Stadt Wetzikon überbrachte, lud Mercedes-Benz alle 80 Mitarbeitenden zu einer Feier in den grosszügigen Lagerhallen ein.

Eine Frau und zwei Männer im Anzug schreiten durch ein Warenlager.
Auf Besichtigungstour: Stadtrat Stefan Lenz in Begleitung von Standortleiterin Mercedes Cantón (links) und Betriebsleiter Salim Shala (rechts).

Doch wie kam Mercedes-Benz überhaupt auf die Idee, seine Logistik im Zürcher Oberland einzurichten und nicht irgendwo im Mittelland entlang der A1? Der Grund liegt in der Historie und steht im Zusammenhang mit einem ehemaligen Fahrzeughersteller in Wetzikon: der FBW, die von 1918 bis 1985 in Wetzikon Lastwagen und Busse produzierte. Bis heute erinnert das FBW-Museum an der Zürcherstrasse an die stolze Tradition.

Entscheid für Wetzikon, gegen Schlieren

Im Jahr 1982 wurde die FBW (Franz Brozincevic & Cie. in Wetzikon) mit der Saurer AG in Arbon zusammengeschlossen, die damals zu 40 Prozent Mercedes-Benz gehörte. Und da die Firma in Wetzikon über Produktionshallen und Land verfügte, entschied sich die Mercedes-Konzernzentrale in Stuttgart relativ kurzfristig für Wetzikon und gegen Schlieren als Standort für die zentrale Logistik.

80 Mitarbeitende, darunter fünf Lernende, versenden jedes Jahr 1,8 Millionen Teile an die Partnerwerkstätten. «Was bis 11.00 Uhr bei uns bestellt wird, kann bereits am Nachmittag in der Werkstatt in ein Fahrzeug eingebaut werden. Und Bestellungen bis 16.30 Uhr sind vor 7.00 Uhr am nächsten Morgen beim Kunden», erklärt Shala.

Menschen mit 18 Nationalitäten arbeiten in Wetzikon für Mercedes, hauptsächlich Männer. Der Chef aber ist eine Frau: Mercedes Cantón. «Unser Ziel ist es, dass die Fahrzeuge unserer Kunden so kurz wie möglich in der Werkstatt stehen. Dafür muss das richtige Ersatzteil, zur richtigen Zeit in der richtigen Werkstätte sein», sagt die gebürtige Spanierin.

Porträt einer Frau im schwarzen Blaiser.
Ja, sie heisst wirklich so: Mercedes Cantón ist Standortleiterin des Logistik-Centers in Wetzikon.

Stolz ist man in Wetzikon auf die minimale Fehlerquote. Shala: «Sie liegt aktuell bei 0,2 Prozent. Das heisst, dass von 1000 ausgelieferten Teilen lediglich zwei falsch sind.» Dabei läuft noch fast alles in Handarbeit ab. Vier Roboter unterstützen die Logistiker im Transport der Waren. «Auf diese Weise konnten wir die tägliche Schrittzahl unserer Mitarbeitenden im Kleinteilelager von 20’000 auf 12’000 reduzieren.» Auch das sind immer noch sportliche 7 bis 8 Kilometer.

Fernwärme und Photovoltaik

Die Zeit ist in Wetzikon nicht stehen geblieben, und Mercedes-Benz will weiter in den Standort investieren. Man sei sehr interessiert an der Fernwärme, sagt Cantón. Ab 2025 sollen die ersten Haushalte in Wetzikon mit Fernwärme versorgt werden, gemäss aktuellem Zeitplan ab 2028 auch die Liegenschaften im Industriegebiet in Kempten.

Geplant ist zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Logistik-Centers. «Wir könnten rund 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren», rechnet Enes Akbas vor, der Verantwortliche für Umwelt und Qualität. «Selbst verbrauchen würden wir davon nur etwa einen Fünftel.»

Ein Mann im Anzug steht vor einer Schafweide.
Enes Akbas ist verantwortlich für Umwelt und Qualität im Logistikzentrum. Hier steht er vor den klimaneutralen «Rasenmähern», die zweimal im Jahr das Gelände pflegen.

«Ambition 2039» nennt Mercedes-Benz sein Programm, klimaneutral zu werden. Alle Standorte weltweit sollen bis 2039 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien arbeiten und eine ausgeglichene CO₂-Bilanz aufweisen. Auch Wetzikon.

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