Die Gläubiger des GZO spielen mit dem Feuer
Kommentar zum Boykott des Nachlassvertrags
Mit nicht belegbaren Behauptungen macht die Gläubigergruppe Stimmung gegen die GZO-Sanierung. Doch das Versprechen einer hohen Konkursdividende ist reine Utopie.
Dass die Gläubiger des GZO Spitals Wetzikon wütend sind, ist verständlich. Sie sollen auf über die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Dieser schmerzhafte Verlust lässt sich nicht schönreden. Doch was die Creditor Group um Gregor Greber und den Fonds Clearway Capital im Vorfeld der Gläubigerversammlung abzieht, ist keine seriöse Interessenvertretung mehr: Es ist ein fahrlässiger Stimmenfang mit Behauptungen, die einer näheren Prüfung nicht standhalten.
Gewiss: Die Bewertung der Spitalimmobilien ist bis zu einem bestimmten Grad ein veritabler Expertenstreit. Ob das Areal als Spitalbrache 12 Millionen oder im laufenden Betrieb 55 Millionen Franken wert ist, darüber lässt sich sachlich debattieren. Was aber in den jüngsten Papieren und in einer Flut von E-Mails an Sachwalter, Spitalleitung und Anleihegläubiger kursiert, geht weit darüber hinaus.
Den Anlegern weiszumachen, ein Scheitern des Nachlassvertrags bringe bessere Optionen, ist brandgefährlich. Nach der vorliegenden rechtlichen Einschätzung lassen die gesetzlichen Fristen kaum Spielraum, vor dem definitiven Stundungsende am 19. Dezember noch eine neue Gläubigerversammlung durchzuführen. Das in Aussicht gestellte Szenario einer Konkursdividende von 60 Prozent erscheint dagegen höchst unrealistisch. Eine belastbare Grundlage dafür ist nicht ersichtlich.

