Der Thurmed-Deal ist ein Rettungsanker, aber kein Freipass
Leitartikel
Kommt der Nachlassvertrag mit der Thurgauer Spitalgruppe Thurmed zustande, wäre das GZO Spital Wetzikon gerettet. Doch das kann nur ein erster Schritt für eine tragfähige Versorgungsplanung im Oberland sein.
Monatelang geisterten teils abenteuerliche Rettungsphantasien durchs Oberland: von undurchsichtigen Finanzinvestoren bis hin zu fragwürdigen Immobiliendeals, bei denen die Spitalgebäude verhökert und teuer zurückgemietet worden wären. Der nun präsentierte Pakt mit der Thurgauer Spitalgruppe Thurmed wischt diese Luftschlösser endlich vom Tisch. Er ist das mit Abstand Beste und Vernünftigste, was dem GZO Spital Wetzikon in dieser existenziellen Krise passieren konnte.
Mit Thurmed steigt kein renditegetriebener Spekulant ein, sondern ein kerngesunder, öffentlich verankerter Spitalverbund, der unternehmerisches Geschick mit medizinischer Versorgungsrealität vereint. Auch wenn Thurmed wie in der antiken Tragödie als «Deus ex machina» im (hoffentlich) letzten Akt dieses Dramas auftaucht, löst sich nicht alles in Wohlgefallen auf. Die Gläubiger verzichten auch mit dem aktuellen Sanierungsplan auf rund 50 Prozent ihres Gelds.
Das Spital und die Sachwalter haben ihre Hausaufgaben gemacht und das Sanierungskonzept massiv nachgebessert. Dass den Gläubigern jetzt eine garantierte Quote von fast 50 Prozent winkt – mit den offenen Boni womöglich sogar doppelt so viel wie in den düstersten Schätzungen zu Beginn der Nachlassstundung –, ist ein handfester Verhandlungserfolg.

