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Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Wie mich die Hinwiler erstaunten

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: die Schulgemeindeversammlung in Hinwil.

Eine Steuererhöhung und Streit lagen in Hinwil im März in der Luft. Doch die Spannung verpuffte schnell.

Foto: Simon Grässle

Wie mich die Hinwiler erstaunten

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: die Schulgemeindeversammlung in Hinwil.

Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Auch in diesem Jahr blickt die Redaktion auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurück. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren von ihren High- und Lowlights. (zo)

Es lag Spannung in der Luft an jenem Mittwochabend im März in Hinwil. Zwar wollte die Schule die Steuern «nur» noch um 7 Prozentpunkte erhöhen. Doch schon im Vorfeld war klar, dass auch dieser Vorschlag bei der Bevölkerung auf nicht viel Gegenliebe stossen würde.

Beim ersten Versuch, ein Budget zu verabschieden, hatte es an der Schulgemeindeversammlung noch geknallt. Das war im Dezember 2024. Eine Steuererhöhung um 10 Prozentpunkte war den Hinwilerinnen und Hinwilern deutlich zu viel gewesen. In zahlreichen Voten rechneten sie mit der Schulpflege ab. Erst gegen Mitternacht stand das deutliche Nein fest.

Die Folge: Die Schule musste mit einem Notbudget arbeiten. Nur noch dringende Ausgaben waren möglich. Leidtragende waren vor allem die Kinder und ihre Lehrpersonen.

Nach den hitzigen Diskussionen um den ersten Budgetvorschlag erwartete ich im März einen weiteren Schlagabtausch. Ja, ich hatte mich sogar darauf gefreut. Denn so unmittelbar wie an einer Gemeindeversammlung erlebt man die direkte Demokratie und ihre Spannungsfelder selten.

Wieder hatten sich über 400 Personen in der reformierten Kirche versammelt. In den oberen Rängen packten einige Stimmberechtigte sogar die Bierdosen aus, um das Spektakel zu verfolgen. Der Rahmen war also gesetzt.

Doch dann war es plötzlich ruhig. Zumindest fühlte es sich so an. Statt eines Sturms folgte ein laues Lüftchen. Voten gab es nur wenige, die Vertreter der Parteien blieben stumm. Stoisch, ja schon fast apathisch wirkte die Szenerie. Eine langfädige Anfrage ausgenommen, war der Spuk in weniger als einer Stunde vorbei. Das Budget und der Steuerfuss wieder abgelehnt.

Nicht per se der Entscheid, sondern die Art und Weise, wie er zustande gekommen war, erstaunten mich. Vielleicht war das Schweigen aber weniger ein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern ein stilles Eingeständnis politischer Ohnmacht.

Denn der Steuerhammer würde sowieso folgen. Einfach etwas später und verfügt durch den Regierungsrat. Das war schon so gut wie sicher. Die zahlreich erschienenen Stimmberechtigten nutzten den Abend also, um der Schulpflege nochmals ihren Unmut zu demonstrieren. Diesmal still, aber bestimmt.

Politik kann unbequem sein, manchmal eine Zerreissprobe. An jenem Abend war sie für den neutralen Beobachter ernüchternd. Doch immerhin zeigte der verhältnismässig grosse Aufmarsch in der Kirche, dass die direkte Demokratie lebt. In Zeiten von zunehmender Politikverdrossenheit und News-Deprivation ein wichtiges und positives Signal.

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