Meinung

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Als die Urzeit meinen Alltag streifte

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Wie mich zwei Urzeitgiganten daran erinnerten, wie winzig wir eigentlich sind.

Als die Urzeit meinen Alltag streifte

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Wie mich zwei Urzeitgiganten daran erinnerten, wie winzig wir eigentlich sind.

Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Auch in diesem Jahr blickt die Redaktion auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurück. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren von ihren High- und Lowlights. (zo)

Fast zwei Jahre lang zog das T-Rex-Skelett Trinity Klein und Gross im Sauriermuseum Aathal in seinen Bann. Mich eingeschlossen. Ich war dabei, als sie – für mich ist Trinity eindeutig ein Weibchen – in der Tonhalle Zürich von den Mitarbeitenden des Sauriermuseums für ihre Versteigerung aufgebaut wurde. Es handelt sich dabei um das erste vollständige T-Rex-Skelett, das jemals in Europa versteigert wurde.

Einige Monate später besuchte ich Trinity in ihrem vorübergehenden Zuhause in Aathal, und Anfang 2025 dann noch einmal, um mich von ihr zu verabschieden. Aktuell steht das 11,6 Meter lange und 3,9 Meter hohe Urtier im Museum of Evolution in Dänemark. Ihr endgültiges Zuhause wird ein Museum in Antwerpen sein.

Zeit zum Vermissen blieb mir kaum. Alsbald Trinity ausgezogen war, wurde ihr Nachfolger vorgestellt: Willard, der grösste je ausgegrabene Triceratops. Auch er hat eine bewegte Geschichte hinter sich, durchquerte mehrere Länder, bevor er in diesem April zurück nach Hause ins Aatal kam.

Und obwohl Trinity und Willard in Art, Form und Speiseplan unterschiedlicher nicht sein könnten, übten sie dieselbe Faszination auf mich aus. Wahrscheinlich liegt das auch an meiner eigenen, bitz sehr grossen Liebe zu Tieren – und zu Jurassic Park.

Weil ich die Eigenschaften und Reisen von Trinity und Willard kennenlernen durfte, betrachtete ich sie irgendwann nicht mehr «nur» als Skelette. Ich stellte mir vor, wie sie gelebt haben, was sie gefressen haben und wie sie sich mit Artgenossen, aber auch mit Feinden verhalten haben. Plötzlich waren sie für mich reale Lebewesen – mit Charakter, Stärken, Schwächen und einer eigenen Geschichte.

Ich genoss es, im Rahmen der Berichterstattung über diese Urzeitgiganten in eine andere Welt abzutauchen. Hinter Kulissen zu blicken, die über 60 Millionen Jahre alt sind, ist eine absurde und zugleich wunderbar beruhigende Vorstellung. Eine Ausflucht aus dem Alltag – und eine Erinnerung daran, wie winzig wir eigentlich sind, verglichen mit der abermillionen Jahre alten Geschichte unserer Erde.

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