Die Liebe zu echtem Bierhandwerk in Bubikon entdeckt
Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: eine Brauerei aus Bubikon.
Wasser, Malz, Hopfen und Hefe: Das sind die vier Grundzutaten, die das deutsche Reinheitsgebot von 1516 für Bier vorschreibt. Für mich ist das schon lange überholt und alter Kaffee. Oder abgestandenes Bier. Denn Bier bietet mir – geschmacklich – so viel mehr als nur das Zusammenspiel dieser vier Inhaltsstoffe.
Ein leichtes Sauerbier, spontan vergoren, mit wilder Hefe aus der 0,75-Liter-Flasche, die im Keller im Regal lagert? Sauerbiere, die mit Früchten vergären? Hopfenbomben, so leuchtend gelb wie der Sonnenaufgang? Dunkle, schwere, klebrige Stouts mit Schokolade, Vanille, Tonka und einem Alkoholgehalt von gut und gerne mal über 13 Volumenprozent? Für mich keine Seltenheit.
Bier, das ist Handwerk. Ein Handwerk, bei dem ich mir doch inzwischen zutraue, Qualitätsunterschiede zu erkennen. Es ist ein Handwerk, das mich immer wieder aufs Neue überraschen kann.
Nicht überrascht, aber erfreut hat mich denn auch dieses Jahr der eingeschlagene Weg einer kleinen Brauerei aus Bubikon. Schon vor einigen Jahren durfte ich die Vielfalt von Absturz Brew kennenlernen. Dieses Jahr folgte die Umbenennung in Another Brewing Company – noch so eine Brauerei. Die Studenten, die hinter dem Projekt stehen, sind älter geworden, ihre Biere – längst nicht mehr nur für Nerds und Szenekenner – aber nicht schlechter. Und auch ihre Ironie haben sie behalten.
Professioneller brauen, nicht mehr «abstürzen», so das Motto der Crew, die mit der unzähligen Vielfalt ihrer gebrauten Bierstile für mich zu den besten Brauereien im Oberland und auch im Kanton gehört. Das verdeutlichte unlängst auch eine andere Tatsache.
Die Mikkeller-Bierbar in Zürich, jener dänische Aussenposten und das Mekka für Liebhaber flüssiger Avantgarde, nahm die Sude der Bubiker vor wenigen Wochen prompt an die Zapfhähne – ein Ritterschlag in der lokalen Bierwelt.
Auch wenn sie dort inzwischen wieder verschwunden und ausgetauscht sind, die Another Brewing Company ist gekommen, um zu bleiben, in der Bierszene und im Oberland.
Es bleibt spannend, wohin die weitere Reise der kleinen Craftbeer-Brauerei führt. Ich sage auf jeden Fall erst mal cheers und freue mich, wenn schon bald das nächste Bier aus Bubikon meine Kehle hinunterläuft.
