Meinung

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Vom Flüchtling zum Restaurantbesitzer

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren dieses Jahr nachhaltig geprägt. Heute: Die Geschichte eines Mannes, der nie aufgibt.

Vom Flüchtling zum Restaurantbesitzer

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: die Geschichte eines Mannes, der nie aufgibt.

Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Auch in diesem Jahr blickt die Redaktion auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurück. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren von ihren High- und Lowlights. (zo)

Auf unserer Redaktion berichten wir gefühlt über jede Neueröffnung, Schliessung und jeden Pächterwechsel in der Oberländer Gastroszene. Solche Geschichten landen fast immer in den Top Ten der meistgelesenen Artikel.

Deshalb gehört es inzwischen fast schon zu meinen Routineaufgaben als Praktikantin, darüber zu schreiben. Es ist keine langweilige Aufgabe, aber auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Denn die Berichterstattung folgt meist einem ähnlichen Schema: «Dort gibt es jetzt dieses und jenes.»

Als ich also den Auftrag bekam, den neuen Pächter des Restaurants zum Scharfeck (neu Osaka Sushi Bar) in Fehraltorf zu besuchen, erwartete ich keine aussergewöhnliche Geschichte. Aber eine aussergewöhnliche Geschichte erwartete mich.

Samuel Teklemichael, der neue Wirt im «Scharfeck», bietet dort inzwischen Sushi an, gemäss unserem Geschmackstest auf Instagram sogar ziemlich gutes. Doch meiner Meinung nach ist Teklemichaels Lebensgeschichte beeindruckender als das Sushi.

Vor 17 Jahren floh Teklemichael aus Eritrea, einem Land mit extremer Repression, und baute sich in der Schweiz ein neues Leben auf. Seine Leidenschaft fürs Kochen führte ihn zu einer Stelle als Hilfskoch. Dort wurde er sowohl von Vorgesetzten als auch von Arbeitskollegen und Gästen sehr geschätzt.

Auch als Interviewpartner schätzte ich ihn sehr. Obwohl ich unser Treffen zunächst um 15 Minuten verschieben musste, sagte er entspannt: «Kein Problem.» Bei meiner Ankunft stellte er mir einen Eistee auf den Tisch. «Der ist lecker», meinte er mit einem Lächeln. Dann erzählte er offen von seiner Geschichte, und dank seiner angenehmen Präsenz fühlte ich mich sofort wohl.

Er berichtete, wie er sich vom Hilfskoch über den Sushi-Koch bis zum Inhaber seines eigenen Restaurants hocharbeitete. Aufgeben kam für ihn nie infrage. Schon lange wusste er, dass er ein eigenes Restaurant eröffnen wollte, nur das passende Lokal fehlte. Bis er das Restaurant zum Scharfeck fand.

Aber warum beeindruckte mich diese Geschichte so sehr? Vielleicht, weil sie zeigt, wie viel Mut, Kraft und Ausdauer nötig sind, um in einem neuen Land nicht nur anzukommen, sondern sich dort ein neues Leben aufzubauen.

Teklemichael musste nicht nur eine neue Sprache lernen und sich an eine völlig andere Kultur gewöhnen. Vielmehr musst er auch die Flucht aus seiner Heimat verarbeiten. Er liess sein vertrautes Leben zurück: Freunde, Verwandte, Gewohnheiten, all das, was ihn bis dahin getragen hatte.

Dass er all diese Herausforderungen meisterte und heute sein eigenes Restaurant führt, macht seine Geschichte für mich so faszinierend. Sie zeigt, wie viel Entschlossenheit in einem Menschen stecken kann, wenn er trotz Verlust und Unsicherheit an seinem Traum festhält.

Dabei ist er zudem noch Familienvater. Das ist auch der Grund, weshalb er mittwochs sein Restaurant geschlossen hat, damit er Zeit mit seinem Sohn verbringen kann.

Und so lernte ich, dass ähnliche Geschichten auch dann noch überraschen können, wenn man es nicht erwartet – in diesem Falle mit Sushi, Eistee und jeder Menge Sympathie.

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