Über Mutterliebe, Stärke und Grenzenlosigkeit
Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren in diesem Jahr nachhaltig geprägt. Heute: grenzenlose Mütter.
Über Umwege fand diese Geschichte über Alyona Muzalova und ihre Flucht in die Schweiz ihren Weg zu mir. Doch beginnen wir da, wo auch die Geschichte von Muzalova ihren Anfang hat: in Kiew, der ukrainischen Hauptstadt, als der russische Angriffskrieg auf ihr Heimatland stattfand.
Kurz nach Beginn des Kriegs flüchtete Muzalova gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer damals siebenjährigen Tochter. Dabei liess die heute 42-Jährige nicht nur ihre Existenzgrundlage als Managerin mehrerer Unternehmen, ihre Wohnung und Teile ihrer Familie zurück, sondern auch ein Stück Identität. Dennoch war die Entscheidung, das Land zu verlassen, unumstösslich für die Ukrainerin: «Vor allem für die Zukunft meiner Tochter.»
Noch heute kriege ich Gänsehaut, wenn ich zurück an das Interview denke. Diese Frau hat ihr Leben in ihrer Heimat aufgegeben, um vor dem Krieg zu flüchten – und das vor allem, um ihrer Tochter eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Ihr Weg führte sie in die Schweiz, wo sie bei einer Familie Unterschlupf fand. Innert weniger Monate baute sich Muzalova ein neues Leben auf, fand eine Wohnung und schickte ihre Tochter in die Schule in Schwerzenbach, wo sie noch heute lebt.
Drei Jahre später, im Sommer dieses Jahrs, eröffnete die Geschäftsfrau dann ihr eigenes Beauty-Studio. Als sie mir davon erzählte, wirkte ihr Werdegang in der Schweiz wie aus dem Ärmel geschüttelt. Doch der Weg war alles andere als einfach für sie. Sie vermisst ihre Heimat und hatte es am Anfang nicht leicht in der Schweiz, vor allem wegen Sprachbarrieren. Aber Muzalova gab nicht auf. Und das vor allem aus einem Grund: wegen ihrer Tochter. «Sie spricht mittlerweile fliessend Schweizerdeutsch», erzählt Muzalova stolz.
Wenn ich den Artikel lese und mich an das Interview erinnere, dann werde ich ein bisschen nostalgisch. Denn ich erinnere mich an eine Frau, die ihre Vergangenheit aufgab, um ihrer Tochter eine Zukunft zu ermöglichen. Es sind diese Geschichten, die mich immer wieder vergewissern, weswegen ich Redaktorin werden wollte.
Dass es so weit kam und ich jetzt beruflich schreibe, verdanke ich vor allem einer Person. Sie ist auch eine Frau, die viel Stärke bewies, stets Durchhaltewillen an den Tag legte und unermüdlich dafür arbeitete, mein Wohlbefinden sicherzustellen. Sie ist bis heute mein Vorbild in vieler Hinsicht – aber vor allem in der, dass ich alles erreichen kann, was ich will.
Und so finde ich in starken Frauen wie Alyona Muzalova auch immer ein kleines Stück von mir selbst oder halt eben von meiner Mama. Und damit ein Hoch auf starke Mütter, die für ihre Kinder wortwörtlich grenzenlos sind. Und ein kleines Happy Birthday an meine, die ich heute besonders feiere.
