Samichlaus-Boykott und Rentiermusik-Diktatur
Tösswegs
Zwischen Steuererklärung und Guetsliteig-Schlacht sollte in der Adventszeit noch etwas Besinnlichkeit reingequetscht werden. Geht nicht? Geht wohl.
Eine besinnliche Weihnachtszeit haben wohl nur Ochs und Esel im Stall. Wobei: nicht einmal der Esel, der muss ja mit dem Samichlaus auf die Piste. Der Rest von uns befindet sich entweder im Abschlussstress vor Jahresende, zerbricht sich den Kopf über Weihnachtsgeschenke oder muss jetzt würkli mal noch die Steuererklärung machen, nachdem die Verlängerung ebenfalls ungenutzt verstrichen ist.
Und dann gibt es noch Eltern. Eltern, die sich schon immer darauf gefreut haben, mit ihren Kindern zu dekorieren, zu guetslen, den Samichlaus zu besuchen oder gemeinsam zu basteln. Eltern, die spätestens dann aus der glitzernden Weihnachtsbubble explodieren, wenn der Junior den halben Guetsliteig gefressen und die andere Hälfte auf den Boden geschmissen hat.
Wenn die Juniorin gerade Sternsticker im Wert von knapp 10 Franken zu einem Turm klebt. Wenn die Jungmannschaft gemeinsam die Perlen über den Küchentisch spicken lässt, die sie doch eigentlich zu Schneeflöckli auf Pfeifenputzer auffädeln sollte. Wenn täglich 283’465-mal gefragt wird, ob noch ein Säckli des Adventskalenders geplündert werden darf.
Den Samichlaus boykottiere ich nach meiner letztjährigen Enttäuschung über die Manieren anderer Eltern – und des elenden Chlaus – dieses Jahr sowieso. Und doch will ich meine Kinder zu Weihnachtsfans erziehen. Ihnen einimpfen, dass die Adventszeit etwas Wunderbares ist.
Daher werden sie von mir täglich mit Weihnachtsmusik gequält. Ich wünsche mir statt Paw-Patrol-Zeichnungen von meinem Sohn strikt Rentiere und Christbäume. Trällere am Abend im Bett «Stille Nacht» statt wie sonst jeden Abend auch noch «Happy Birthday» für eines der 100 Kuscheltiere.
Denn es gibt keine schönere Zeit im Jahr als die Adventszeit. Weihnachten selbst ist da zweitrangig. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Kind kaum einschlafen konnte am Abend vor lauter Vorfreude auf das nächste Adventskalendertürli. An das wohlige Gefühl, von 1000 Lichtern umgeben zu sein. An das Guetslen, das Basteln …
Darum an dieser Stelle: Danke Mami für deine Geduld. Denn mittlerweile weiss ich, dass hinter meinen Kindheitserinnerungen an eine magische Weihnachtszeit nicht etwa das Christchindli steckte, sondern meine Mutter. Von der ich mir wohl eine Scheibe abschneiden sollte.
