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Der Samichlaus und die Rabenmütter

Ein Säckli vom Samichlaus: der Traum jedes Kindes. Die Übergabe: der Horror jeder Mutter.

Foto: Christian Merz

Der Samichlaus und die Rabenmütter

Tösswegs

Seit ich Mutter bin, ist die Adventszeit noch etwas magischer geworden. Ich bin schon mein ganzes Leben lang ein Riesenfan von Weihnachten, aber die leuchtenden Kinderaugen, in denen sich die Glitzerlichter spiegeln, machen alles noch einmal doppelt so schön.

Mein Sohn ist jetzt drei Jahre alt. Nach Christbaum, Adventskalender und Guetsli ist in diesem Jahr noch eine weitere Weihnachtskategorie dazugekommen: der Samichlaus. Ich mag mich noch gut erinnern, wie ich mich als Kind unter dem Tisch versteckt hatte, als der Samichlaus den Raum betrat. Darum präsentierte ich dem Junior den Typ in der roten Zipfelmütze einzig als Bäppel mit Eseli, der Mandarinli und Nüssli bringt. Nix Fitze.

Logisch wollte der Kleine den Samichlaus sehen. Am Weihnachtsmarkt am ersten Advent stand der Nüsslispendierautomat endlich auf dem Programm.

Angekommen auf dem Platz, konnte man die rote Mütze des Samichlaus inmitten einer Heerschar an Menschen knapp erahnen. Natürlich, mein Sohn war nicht der Einzige, der nach einem Säckli lechzte. Also hiess es anstehen.

Was in einer Reihe relativ einfach ist, stellt sich in einem Kreis als fast unmöglich heraus. Links und rechts von mir schoben übermotivierte Eltern ihre Kinder an meinen Beinen vorbei – «chönd Si chli uf d Siite, d Chind gseend suscht nüt». Dass mir das in dem Fall relativ egal war, denn wir standen auch schon seit 15 Minuten an, wurde ignoriert.

Der Samichlaus wandte sich sogar immer wieder den Kindern zu, die unter mir durchgeschoben wurden, und schien mich und den Sohnemann auf meinem Arm bewusst zu ignorieren. Noch besser, er schnauzte die Versammlung an, man solle leiser sein, er höre die Sprüchli der Kinder gar nicht. Dass jedes zweite Sprüchli «Samichlaus du Supermän, leider bin i Schmutzlifän» war, schien dabei egal zu sein.

Gleichzeitig fragte mich mein Sohn alle 20 Sekunden: «Mami, wänn sind mir dra?» Eine Situation, die mir den letzten Nerv raubte. Und nicht nur mir, auch die Väter und Mütter um mich herum schienen langsam die Fassung zu verlieren.

Einmal mehr stellte ich fest: Bleibt man als Elternteil anständig, leiden die Kinder. Nur wer egoistisch ist und die Kinder ohne Rücksicht auf Verlust ans Ziel schiebt, erreicht es auch. Vorbildfunktion? Fragwürdig.

Im nächsten Jahr schmeisse ich meine Kinder einfach auf den Rücken des Eseli. Und wir gehen erst, wenn uns das Samichlaussäckli als Lösegeld überreicht wurde. Oder ich mache es wie meine Eltern: gar nicht erst den Samichlaus besuchen. Das findet das Kind zwar gemein, aber ein Grund zum Heulen pro Tag mehr oder weniger kommt in diesem Alter auch nicht drauf an. Spätestens beim Öffnen des nächsten Adventskalendertürli strahlen die Augen wieder.

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