Ein Entscheid aus Wut trifft die Falschen
Es braucht Überwindung, dem GZO nach den jüngsten Enthüllungen das Vertrauen auszusprechen. Warum sich dieser Schritt dennoch lohnt, kommentiert der stv. Chefredaktor.
Sie, werte Leserin, werter Leser, leben im Oberland. Ich tue das nicht. Vielleicht braucht es gerade deshalb diesen Blick von aussen, um im dichten Nebel aus geleakten Briefen und Schuldzuweisungen das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren.
Am 30. November geht es nicht darum, ob Sie dem Verwaltungsrat vertrauen oder der Gesundheitsdirektorin recht geben. Es geht um eine viel simplere Frage: Ist Ihnen ein funktionierendes Spital vor der Haustür den Versuch einer Rettung wert? Oder lassen Sie eine Institution fallen, weil die Führungsriege Fehler gemacht hat?
Die Situation ist vertrackt, die Stimmung vergiftet. Nach den neusten Enthüllungen ist die Versuchung gross, dem GZO Spital Wetzikon den Rücken zu kehren. Warum noch Geld in ein Fass ohne Boden werfen, wenn selbst die Gesundheitsdirektion abwinkt? Doch Vorsicht: Wer jetzt aus Frust die Notbremse zieht, verhindert die einzige Chance auf eine geordnete Sanierung. Als Beobachter des Zürcher Gesundheitswesens sage ich Ihnen: Lassen Sie sich von den politischen Störfeuern nicht blenden. Die Abstimmungsvorlage bietet nämlich einen entscheidenden Sicherheitsmechanismus, der in der aktuellen Aufregung fast untergeht.
Ihr Risiko als Steuerzahler ist dabei minimiert. Denn das Geld der Gemeinden fliesst nur, wenn im Frühjahr auch die Gläubiger auf einen Grossteil ihrer Millionen verzichten. Sagen die Banken Nein, behalten auch die Gemeinden ihr Geld. Stimmen Sie aber jetzt Nein, ist das Lichterlöschen garantiert.
Machen wir uns nichts vor: Das Gesundheitssystem ist brutal. Man mag es verurteilen, dass Gesundheit zur Ware wird. Aber wir ändern das System nicht bis zum Abstimmungssonntag. Wir können nur entscheiden: Soll dieses Spital in diesem System überleben oder nicht?
Die Kapitalerhöhung ist dabei nur ein Teil der Rettung. Viel wichtiger ist: Das Spital operiert längst am offenen Herzen. Unter der strengen Aufsicht der Sachwalter wirtschaftet es profitabel – der Beweis, dass es geht, wird jeden Tag erbracht. Experten und Gerichte bestätigen, dass der Sanierungsplan die einzige Alternative zum sofortigen Konkurs ist.
Wollen Sie das GZO wirklich abstrafen, weil die Führung intransparent war? Dieser Impuls ist menschlich, aber gefährlich. Denn ein Nein aus Wut trifft die Falschen: Es trifft die Pflegefachkraft am Bett und den Patienten im Notfall. Ein Ja ist kein Blankoscheck für Verwaltungsrat und Spitalleitung, sondern eine Versicherungspolice für Ihre Region. Seien Sie pragmatisch: Sagen Sie Ja zum Spital, völlig egal, was Sie von dessen Führung halten.
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