«Mami, häsch i d Hose gagget?»
Tösswegs
Der knapp vierjährige Sohn von Redaktorin Lea Chiapolini unterhält sie täglich – im wahrsten Sinne des Wortes. Und mit immer neuen Wortkreationen.
Wie unfassbar dicht gespickt eine Sprache mit Andeutungen oder zweideutigen Aussagen ist, merkt man erst, wenn man sie neu lernen muss – oder ein Kind beim Spracherwerb beobachtet.
«Mami, wieso heisst de Schruubezieher nöd Schruubedreher?» Ja, mein Sohn, das ist eine gute Frage. Ich würde auch behaupten, dass täglich weltweit mehr als 90 Prozent der verwendeten Schrauben eher gedreht als gezogen werden. Aber was soll man machen.
Als er Husten hatte und mehr vom süssen Hustensirup wollte, sagte ich klar: «Das isch Medizin, da cha mer nöd eifach nomal und nomal und nomal neh.» Worauf er mich verständnislos ansah und meinte: «Ich will ja gar nöd nomal und nomal und nomal, sondern nume nomal.»
Ein kleiner erzieherischer Erfolgsmoment war es, als er mich beim Avocado-Löffeln fragte, ob ich auch noch wolle. Ich meinte: «Ja, so zwei, drei Löffel gern.» Worauf er aufstand und mir aus der Schublade drei Löffel holte. Der muss mich für den allergrössten Trottel halten.
Und für den grössten Grüsel. Als ich ihm einmal sagte, ich müsse duschen, weil ich stinke, sah er mich schockiert an, und es sprudelte nur so aus ihm heraus: «Warum stinksch du, Mami? Häsch gagget, Mami? Häsch i d Hose gagget?»
Easy bliibe, Kolleg, nur weil deine Schwester jeweils aus den Windeln stinkt, kann ich das noch längst aus anderen Gründen.
Es ist nicht das erste, auch nicht das zweite und wird bestimmt nicht das letzte Mal sein, dass ich über die Sprache beziehungsweise den Wortschatz meines Sohns schreibe. Denn fast täglich kommt es zu Situationen, in denen ich seine Interpretationen entweder über- oder unterirdisch gut finde.
So auch seine neuste Kreation: «Dörf ich chli Butter ha?» – «Also ufs Brot, ja.» – «Nei, eifach so is Muul.» – «Äh, nei?» – «Bitte, Mami, nur es Muggeschnäuzli!»
Es Muggeschnäuzli? Anders als bei der Spargelsauce ohne Spargeln fiel der Groschen bei mir dieses Mal schneller. Am Tag vorher hatte ich ihm nämlich den Ausdruck Flüügeschissli erklärt. Muggeschnäuzli finde ich persönlich tatsächlich noch bitz herziger. Und natürlich bekam er dann ein Muggeschnäuzli Butter. Ganz ohne Brot.
