Kultur

Leserreise

Puccini und Verdi vor der Kulisse von Verona

Die Reisegruppe erlebt mit «Turandot» und «La Traviata» zwei grosse Werke in der Arena. Dazwischen bleibt Zeit für Dom, Weinregion und den Blick über den Gardasee.

Puccini und Verdi vor der Kulisse von Verona

Leserreise

Die Reisegruppe erlebt mit «Turandot» und «La Traviata» zwei grosse Werke in der Arena. Dazwischen bleibt Zeit für Dom, Weinregion und den Blick über den Gardasee.

Verona und die Oper gehören zusammen wie Pasta und Parmesan. Während die Stadt tagsüber mit römischen Spuren, mittelalterlichen Plätzen und den Geschichten von Romeo und Julia lockt, wird die fast 2000 Jahre alte Arena am Abend zur Bühne. Genau deshalb ist die 38-köpfige Reisegruppe der Zürcher Oberland Medien und der Ryffel AG nach Verona gekommen: um die Stadt zu entdecken und gleich zwei grosse Werke unter freiem Himmel zu erleben.

Nach der verregneten Stadtführung am Freitag bleibt zunächst allerdings die bange Frage, ob das Wetter mitspielt. Am Nachmittag regnet es noch einmal kräftig – doch gegen Abend reisst der Himmel auf. Reisebegleiter und Musikdozent Werner Bärtschi gibt kurz vor der Oper eine Einführung in Puccinis «Turandot» und erklärt der Gruppe unter anderem, was hinter der wohl berühmtesten Arie des Werks steckt.

«‹Nessun dorma› ist das wohl bekannteste Stück aus der Oper. Der Prinz hat der Prinzessin Turandot das Rätsel gestellt, seinen Namen herauszufinden – deshalb hat sie befohlen, niemand dürfe in dieser Nacht schlafen.» Wörtlich übersetzt heisst die Arie nämlich «Niemand soll schlafen».

«Ein Erlebnis für sich»

Anschliessend geht es in die Arena. Der Himmel bleibt klar, und die Opernreise erlebt ihren ersten grossen Höhepunkt: Zwischen den alten Mauern des römischen Amphitheaters erlebt die Gruppe Puccinis Meisterwerk unter freiem Himmel und geniesst Hunderte Statistinnen und Statisten, die in asiatisch angehauchtem Bühnenbild ihre Arien (ohne Mikrofon!) präsentieren.

Nach den nassen Füssen und aufgespannten Regenschirmen der vergangenen Stunden könnte der Zeitpunkt kaum besser gewählt sein. «Es war unglaublich eindrücklich, wie die vielen Sängerinnen und Sänger in dem pompösen Bühnenbild im Einklang gesungen und gespielt haben», sagt Petra Müntener aus Mönchaltorf. Obschon die Sitze trotz Polsterung unbequem waren, besonders nach einigen Stunden, ist sie gewiss: «‹Turandot› unter freiem Himmel in Verona ist ein Erlebnis für sich.»

Impressionen der Musikreise nach Verona im August 2026
Während der Oper «Turandot» stehen teils Hunderte Sängerinnen und Sänger sowie Statisten auf der Bühne.

Für einige endet mit der rund zweieinhalbstündigen Oper der Abend aber noch lange nicht. Unter ihnen auch Werner Bärtschi, der sich nach der Oper mit einigen der Reisegruppe ein spätes Abendessen genehmigt und bis halb drei zusammensitzt. «So mancher tauscht sich nach einem solchen Erlebnis gerne noch aus – auch, um die gelebten Emotionen zu teilen und aus der zauberhaften Welt der Oper gemeinsam zurück in die Realität zu finden. Das schafft Verbundenheit.»

Leider keine Weindegustation

In aller Frische, oder eben doch noch ein bisschen verschlafen, startet der Samstag mit einer Führung durch den Dom und weitere historische Gebäude der Stadt. Hier erfährt die Gruppe mehr über die Geschichte und Architektur des Gotteshauses, bevor es weiter in die Valpolicella geht. In der bekannten Weinregion nördlich von Verona wartet ein herrliches Mittagessen mit Blick über den Gardasee – so geniessen die Gäste unter anderem ein Vitello Tonnato und Penne Arrabiata.

«Eine sehr schöne Terrasse und wirklich gutes Essen. Auch auf meine Unverträglichkeit wurde umgehend eingegangen, sehr aufmerksam. Das war ein sehr angenehmer Nachmittag», sagt Ursula Kessler aus Wattwil.

Obschon sich im Nachhinein einige wundern, dass keine Weindegustation stattgefunden hat, wenn man denn schon in der Weinregion unterwegs ist, startet die Reisegruppe zufrieden und wohlgenährt in den Abend.

Beeindruckende Vorführungen

Nach etwas Zeit zur freien Verfügung steht am Abend bereits der nächste Operntermin an. Wieder führt Werner Bärtschi in das Werk ein, diesmal in Giuseppe Verdis «La Traviata». Die tragische Liebesgeschichte ist im Vergleich zur märchenhaften, düsteren «Turandot» viel realistischer, emotional intimer und stärker von Liebe, Gesellschaft und menschlichen Konflikten geprägt. Unter dem Sternenhimmel findet die Opernreise mit Verdis berühmtem Werk ihren festlichen Abschluss.

Nach der zweiten Vorführung sind die Meinungen gespalten: «Die Musik kam für mich weniger zur Geltung – daher hat mir die erste Oper musikalisch besser gefallen», sagt eine Teilnehmerin. Trotzdem: «Die Atmosphäre in der Oper war wahnsinnig toll», ergänzt ihr Ehemann.

«Es war wie eine Revue – sehr viel Show und ganz anders als Werners Videovorführung im Vorfeld. Dennoch hat mir ‹La Traviata› gut gefallen», sagt eine Teilnehmerin. So manche sind mehr von der pompösen, getakteten Geschichte «Turandots» begeistert, andere finden mehr gefallen an der Liebesgeschichte «La Traviata». Einig sind sich die Teilnehmenden dennoch: Die Opern seien beide beeindruckend gewesen.

Ein Erlebnis – auch über Verona hinaus

Nach einem letzten Frühstück geht die Reise schon wieder gen Heimat. Auf der Rückreise lassen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Erlebte Revue passieren – und sind sich einig, dass die vier Tage in Verona noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Für Helena und René Graf aus Wald ist es eine der ersten, nicht selbst organisierten Reisen. «Normalerweise planen wir Ferien auf eigene Faust, aber ich muss sagen – das war schon sehr bequem und angenehm», sagt Helena Graf. Sich keine Gedanken um die Planung und Buchung machen zu müssen, das habe schon Vorteile. «So konnten wir uns voll und ganz auf das Erlebte konzentrieren.»

Ihre Freundin Gisela Burri ergänzt: «Neben den Opern, die für alle wohl das Highlight waren, konnten wir auf dieser Reise andere, gleichgesinnte Oberländerinnen und Oberländer kennenlernen.» Ein zusätzlicher Pluspunkt, wie sie findet. «Wir werden sicherlich weiterhin in Kontakt bleiben.»

Einig ist man sich ausserdem, was die Dauer betrifft. Im vorherigen Jahr wurde die Reise mit zwei Opern in drei, dieses Jahr in vier Tagen durchgeführt. Damit blieb genug Zeit für Freizeit, zum Verweilen und Geniessen – und um sich Gedanken zu machen, wo eine nächste gemeinsame Reise hingehen könnte.

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