In Maur sollen mehr Hits für die Öffentlichkeit entstehen
Die Suisa stellt ihr Songwriting Camp in den Powerplay Studios in Maur neu auf. Die neue künstlerische Leitung will erreichen, dass mehr der dort entstandenen Songs veröffentlicht werden.
Die Powerplay Studios in Maur stehen oft im Rampenlicht: Schon manche Musikgrösse hat im Tonstudio der Gemeinde Welthits produziert. Nicht nur die Backstreet Boys, Snoop Dogg oder Lady Gaga feilten dort an ihren Liedern. Auch der Siegersong «The Code» von Nemo für den Eurovision Song Contest (ESC) 2024 ist dort entstanden.
Denn in Maur findet das Suisa Songwriting Camp statt, wo Musikschaffende in Gruppen Songs schreiben. Für das Camp 2026 will die Suisa, die Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, jedoch in «eine neue Ära abheben», wie die Suisa mitteilt. Das Camp im Juni wird deshalb unter neuer künstlerischen Leitung geführt.
Neu leiten das Camp Dana Burkhard und Tom Oehler unter dem Motto «tailor made songs for releasing artists». Damit sollen die Kompositionen aus dem Camp direkt zu den Projekten der teilnehmenden Musikerinnen und Musiker passen und so höhere Chancen für Streaming, Radio, Album, Konzerte oder Shows haben.
Bisher wurden im Camp über 160 Songs geschrieben, woraus rund 20 Prozent den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Diese Anzahl soll nun steigen. «Die neue musikalische Ausrichtung ist eine Chance, die Vielfalt des Schweizer Musikschaffens sichtbar zu machen», schreibt die Suisa auf Anfrage. Grundsätzlich gebe es bei den Genres keine Grenzen. Burkhard und Oehler verfügen beide über Songwriting-Camp-Erfahrung und seien bestens mit der Schweizer Popmusik vertraut sowie national und international in der Songwriting-Szene gut vernetzt.
Erstes Camp sollte Songs für ESC kreiieren
Seit der ersten Ausführung 2017 wurde das Camp von Musikproduzent und Songwriter Pele Loriano geleitet. Die erste Ausgabe war damals auf den ESC ausgerichtet. Loriano war daher die perfekte Wahl, denn seit 2014 ist er als ESC-Talent-Scout für das SRF zuständig – das wiederum über die Auswahl der Musikschaffenden für die Teilnahme am ESC entscheidet.
Mit dem Camp konnte er über die Jahre grosse Erfolge erzielen. Neben Nemos Song ist auch das Lied «Voyage» von der Baslerin Zoë Më in Maur entstanden, der beim ESC 2025 in Basel den zehnten Platz erzielte, sowie Luca Hännis ESC-Song «She got me» von 2020, der den vierten Platz erreichte.



Grundsätzlich sei das Ziel des Camps aber immer schon gewesen, in musikalischer Hinsicht radiotaugliche Popsongs mit Hitparadenpotenzial zu komponieren. «Für Pele Loriano bestand das Interesse, möglichst viele Songs für den ESC zu pitchen, auch über die Schweiz hinaus», schreibt die Suisa. «Und das hat Pele mit grossem Erfolg gemacht.» Nun sei es an der Zeit für eine Neuausrichtung. «Hierzu gehört neben der stilistischen Öffnung auch die Organisation des Camps», schreibt die Suisa.
Was heisst das für den ESC?
Damit dürften künftig mehr Schweizer Hits aus Maur auch in internationale Radiosendern oder auf Konzertbühnen landen. Aber was heisst das für den Musikwettbewerb? «Für den ESC selbst ändert sich dadurch zunächst nichts», schreibt Pele Loriano auf Anfrage. Der Schweizer Beitrag werde weiterhin über einen unabhängigen Auswahlprozess bestimmt, und seine Rolle als Music Director bestehe darin, den gewählten Song gemeinsam mit dem Team musikalisch für die ESC-Bühne weiterzuentwickeln.
«Ich habe das Suisa Songwriting Camp über die letzten Jahre sehr gern geleitet», schreibt Loriano. «In dieser Zeit sind viele spannende Songs und internationale Kooperationen entstanden. Die organisatorische Neuausrichtung liegt nun bei der Suisa, und ich wünsche dem neuen Team viel Erfolg.»
Er arbeite weiterhin intensiv in dem Bereich und entwickle aktuell neue internationale Songwriting Camps, aus denen Lieder für verschiedene Projekte – unter anderem auch für den ESC – entstehen könnten.
