Kein Witz, Nemos Siegersong entstand in der Region
Wo sonst?
Mit «The Code» gewinnt die Schweiz den Eurovision Song Contest 2024. Die Entstehungsgeschichte des Lieds ist ebenso persönlich wie aussergewöhnlich.
Laut jubelt das Publikum. Nemo reisst strahlend die Trophäe in die Höhe und singt die letzten Töne. Glitzerndes Konfetti rieselt hinab.
Es ist das dritte Mal in der Geschichte des Eurovision Song Contests (ESC), dass die Schweiz den Sieg nach Hause nimmt. Das Gewinnerlied erzählt eine persönliche Geschichte und erblickte in Maur das Licht der Welt, wie Nemo in einem «Making-of»-Video zu seinem Überhit enthüllt.
Die Schweizer Hit-Schmiede
Lady Gaga, die Backstreet Boys, Peter Reber und Snoop Dogg könnten unterschiedlicher nicht sein und haben doch eines gemeinsam: Sie alle reisten nach Maur am Greifensee, um ihre Alben aufzunehmen, denn die Powerplay Studios sind international bekannt.
In diesen Studios wird zudem seit 2017 das Suisa Songwriting Camp durchgeführt. Zum siebten Mal findet es von Montag, 27. Mai, bis Mittwoch, 29. Mai 2024, statt.
Hits wie «Stones», «She got me» oder «Watergun», mit denen die Schweiz in den vergangenen Jahren am ESC teilgenommen hat, sind ebenfalls im Songwriting Camp entstanden.
Ziel des Camps ist es, innerhalb eines Tages gemeinsam mit anderen Songwritern einen Popsong zu komponieren. Am Abend soll der Song fertig sein und ein Demotrack vorliegen. Dann wird er bewertet. Berücksichtigt wird, was im Popbereich in den Charts, auf Streaming-Plattformen, im Radio/TV oder beim Eurovision Song Contest erfolgreich sein könnte.
«The Code» brechen
Die Teilnahme am Suisa Songwriting Camp stand schon lange auf Nemos Wunschliste. Im Frühsommer 2023 hatte es schliesslich geklappt. Während dreier Tage komponierte Nemo gemeinsam mit 36 anderen Musikschaffenden 24 neue Songs.
Der diesjährige ESC-Siegersong entstand am zweiten Tag des Camps. Nemo wurde mit Benji Alasu, Linda Dale und Lasse Nymann eingeteilt. Die drei sind wie Nemo Musikproduzenten. Es war das erste Mal, dass die vier zusammenarbeiteten.
«Eigentlich wollte ich einen ruhigen Song machen», sagt Nemo im «Making-of»-Video und lacht herzhaft. Wie es dann zu dieser «geballten Energieladung» gekommen sei, lasse sich nur schwer rekonstruieren.
Zuerst hätten sie «mal etwas geredet», schildert das Bieler Musiktalent. Nemo habe von der Reise zur Erkenntnis, non-binär zu sein, erzählt, von den schönen und schwierigen Momenten, und das «Wo» aktuell im Leben zu stehen. Das ist das Grundthema von «The Code».
«Es herrschte von Anfang an Energie im Raum», sagt Benji Alasu, einer der drei Mitkomponisten. Schritt für Schritt baute das Team eine musikalische Idee nach der anderen auf. Sie hätten zu keiner Idee Nein gesagt, ergänzt Linda Dale.

Er habe immer Kontraste zum nächsten Teil gesucht, verrät Alasu. «Wenn der Vers von der Energie her relativ hoch oder mittel war, dann kam der Pre-Chorus entweder mega ruhig oder voller Energie.»
«Wir haben nicht wirklich den Song geschrieben, der Song hat sich von allein geschrieben», fasst Nemo zusammen. Das Musiktalent habe schon lange über seine persönliche Geschichte schreiben wollen, jetzt war es so weit.
«Es war eine sehr inspirierende Zusammenarbeit, die ich eigentlich immer suche im Studio», bekräftigt Benji Alasu, und Linda Dale fügt hinzu: «Ich liebe den Song sehr.»
Was ist der ESC überhaupt?
Der Eurovision Song Contest (ESC) ist ein Musikwettbewerb, der seit dem 24. Mai 1956 fast jedes Jahr stattfindet.
Am ESC teilnahmeberechtigt sind alle Länder, die Mitglied der Europäischen Rundfunkunion, der European Broadcasting Union (EBU) sind. Dies sind nebst den meisten europäischen Ländern auch einige nichteuropäische Länder im Mittelmeerraum.
Für die Schweiz nahm Lys Assia 1956 an der ersten Ausgabe des ESC in Lugano teil und gewann auf Anhieb. Nemo gelang nach ihr und Céline Dion (1988) der dritte Schweizer Sieg.
Wer den ESC gewinnt, entscheiden das Publikum und eine Jury. Der diesjährige Song «The Code» von Nemo holte sich den Sieg mit 591 Punkten. Kroatien belegte mit «Rim Tim Tagi Dim» von Baby Lasagna mit 547 Punkten den zweiten Platz. (sal)
