Junges Paar übernimmt altes Hufschmied-Handwerk
Unterwegs in Gockhausen
Vor rund einem Jahr ist der bekannte Grüninger Hufschmied Walter Wolf in Rente gegangen. Sein ehemaliger Lehrling hat übernommen – und gleich seine Partnerin angestellt.
Es ist ein eiskalter, verschneiter Wintertag auf einem Hof im Dübendorfer Ortsteil Gockhausen, als Juraj Hodas mit einer Zange ein mehrere hundert Grad heisses Eisen an den Huf von Wallach Lupus presst. Sengender Rauch steigt auf in der klirrenden Luft. Er strömt Rona Jimmy genau ins Gesicht, während sie das Bein des Tiers in ihrem Schoss hält. «Es gibt Schöneres», sagt sie und kneift die Augen zu. «Aber man gewöhnt sich schnell daran.»



Hodas und Jimmy sind Hufschmiede. Sie erbringen für Pferde und deren Halter einen essenziellen Dienst. «Wir befestigen Hufeisen, damit die Hufe der Pferde sich auf rauem Terrain nicht zu sehr abnützen», erklärt Hodas. Er hält das heisse Eisen mit einer grossen Zange an den Huf, um den Sitz zu prüfen. Das desinfiziere zudem die Oberfläche und ebne sie gleichzeitig aus. «Wenn nicht alle Hufe perfekt geebnet sind, können beim Pferd Probleme beim Laufen entstehen, sogar seine Wirbelsäule kann dadurch verrücken», erklärt Hodas.
Umso wichtiger ist, dass die beiden genau arbeiten. Er bläst den Rauch vom Huf weg, um seine Arbeit zu überprüfen. Anschliessend läuft Hodas zu seinem Lieferwagen, in dem er einen Amboss und einen Ofen installiert hat. Er hämmert auf das rot glühende Hufeisen ein, bis es die gewünschte Form annimmt. Dann wiederholt er die Prozedur, bis es genau auf den Huf passt. «Den Pferden verursacht das keine Schmerzen», versichert Hodas. «Pferdehufe sind schlechte Wärmeleiter.»

Reibungslose Übergabe
Hodas hat im Frühling des vergangenen Jahrs die mobile Hufschmiede von Walter Wolf aus Grüningen übernommen. Vor drei Jahren hat der 32-jährige Slowake seine Lehre bei ihm abgeschlossen. Die 24-jährige Schwerzenbacherin Rona Jimmy hat er in seinem Lehrgang als Klassenkollegin kennen- und lieben gelernt – jetzt ist sie bei ihm angestellt und arbeitet an seiner Seite an zahlreichen Pferden im Kanton Zürich. 25 bis 30 Tiere pro Woche, bis zu sechs an einem Tag, rund eine Stunde Arbeitszeit pro Pferd.
Das setzt eine effiziente und abgestimmte Arbeitsweise voraus. Diese haben die beiden gemeistert: Während Hodas nach der Ankunft im Gockhauser Reitstall als Erstes die mobile Schmiede instand setzte und den Ofen mit vier neuen Hufeisen darin auf rund 900 Grad einheizte, entfernte Jimmy die alten Eisen, kratzte den Dreck von den Hufen und knipste und feilte sie zurecht.




Gleichzeitig begutachtete sie auch jeden von Lupus’ Füssen, die sie auf ihrem Oberschenkel abstellte. «Wir achten zum Beispiel auf Entzündungen, die wir behandeln müssten. Während unserer Ausbildung eigneten wir uns viel tiermedizinisches Wissen an.»
Effizienz auf engstem Raum
Die alten Eisen werfen sie weg, die neuen beziehen sie aus einer Fabrik. Wieder verwendet werden nur der Hufgrip aus Plastik, der im Winter zwischen Eisen und Huf genagelt wird und Schneeansammlung verhindern soll, sowie die Spikes, die dem Ausrutschen auf Eis entgegenwirken.
Nachdem Hodas die neuen Eisen angepasst hat, schleifen er und seine Partnerin sie sorgfältig beim hinteren Teil des kleinen Lieferwagens. Funken fliegen, während sie auf engem Raum nebeneinander arbeiten. Die Eisen sollen dadurch nicht nur ästhetischer aussehen, sondern auch frei von scharfen Kanten sein, damit sich das Pferd nicht verletzen kann.

Anschliessend packt Jimmy wieder einen Pferdefuss und hält ihn fest. Lupus hat ihn bereitwillig angehoben. Das Tier ist die Prozedur gewohnt, hat es doch schon seit seinen ersten Lebensjahren alle zwei Monate eine neue Eisengarnitur erhalten.
«Die Arbeit mit den Pferden ist für mich der beste Teil am Job», sagt Jimmy. «Ich möchte ihnen helfen.» Hodas ergänzt: «Als Hufschmied muss man das Pferd gut beurteilen können und spüren, was es braucht.» Während er Nägel in den Huf hämmert, um das Eisen zu befestigen, redet er beruhigend auf Lupus ein. Es zuckt bei seinen Schlägen zusammen, weil es in seiner Sportkarriere schon viele Kilometer zurückgelegt hat und deshalb etwas empfindlicher ist. «Entspann dich» oder «nur noch einen Nagel», sagt Hodas.


Anstrengend, aber erfüllend
Die Teile der Nägel, die zu lang sind und aus dem Huf herausragen, werden abgeknipst und vernietet. Es sind sechs Nägel pro Huf, 24 pro Pferd. Es ist eine harte und anstrengende Arbeit. «Wir werden für unsere Arbeit gut bezahlt», sagt Hodas. «Aber sie fordert ihren körperlichen Tribut.»
Nichtsdestotrotz macht er seinen Job gerne. Auch wenn Hodas früher eigentlich keine Pferde mochte. «Wegen eines Sturzes hatte ich Angst vor den Tieren», verrät er. «Als ich in der Schweiz einen Job brauchte, weil ich nicht mehr als Koch arbeiten konnte, fing ich als Hufschmied-Gehilfe bei Walter Wolf an.» Offensichtlich hat er jetzt keine Angst mehr, wenn er die mehrere hundert Kilogramm schweren Tiere beschlägt. Ausserdem: «Als Hufschmied kommt man viel herum und lernt die unterschiedlichsten Menschen und Tiere kennen.»
Auch Jimmy mag ihren Beruf. Ihr war klar, dass sie einen handwerklichen Beruf ausüben wollte. «Eisen formen zu können, ist ein tolles Gefühl» sagt sie. Und es bringt ihr auch privat Vorteile: «Ich kann unser gemeinsames Pferd selbst beschlagen. Das spart Geld», sagt die Reiterin und grinst verschmitzt.
Zuerst gilt es aber, die Arbeit an Lupus abzuschliessen. Nachdem alle Nägel vernietet sind, nimmt Jimmy das Pferd am Halfter und läuft auf dem Hof einige Runden, während das Tier ihr hinterhertrabt. Hodas kauert derweil auf dem Boden und beobachtet die beiden genau. Er will sehen, ob das Pferd mit seinen neuen Eisen gut läuft. Zufrieden nickend ruft er seiner Partnerin zu: «Alles bestens. Du kannst ihn versorgen.»
