In diesem Café gibts den ersten Matcha in Uster
Vom Kiosk zum Hotspot?
Ein neues Lokal am Gleis: Am Bahnhof Uster weht neuerdings ein Hipster-Wind. Ein Ustermer setzt auf Flat Whites und Cappuccino aus der eigenen Rösterei.
Wo früher biertrinkende Stammgäste am Bahnhof Uster vor dem Kiosk sassen, gibt es heute Gäste mit Kaffeebechern. Flat Whites, Cappuccinos und Matchas werden bestellt. Alkohol ist beim Gleis 1 nun (fast) passé – das neue Café Motmot setzt auf Kaffeekultur und will laut Website ein Begegnungsort werden, doch das Café wird erst noch fertig eingerichtet.
Seit rund zehn Tagen kann man den Kafi nur durchs grosse Schaufenster bestellen – bei der Griechin Kalliopi Terzopoulou und ihrem Kollegen Davide Fabiano, die an diesem Nachmittag bedienen.
Barista Terzopoulou schätzt besonders die entspannte Stimmung: «Hier in Uster bleibt Zeit, um ein paar Worte zu wechseln.» Die Leute bleiben hier auch für einen Schwatz stehen.
Anfang September soll auch der Innenraum öffnen. Drinnen stapeln sich momentan noch Schachteln, die hintere Wand ist sorgfältig mit Holz ausgekleidet.
Kaffeeliebe aus Uster
Hinter dem Projekt steht der 39-jährige Fabian Gass, aufgewachsen in Wermatswil, ein Experte für Kaffee. Er betreibt sowohl die Kaffeerösterei Dritta als auch das Café Lalere in Zürich.
Für Gass war klar. «Wenn ich in Uster ein Café eröffne, dann muss es am Bahnhof sein.» Uster entwickelt sich rasant, rund um den Bahnhof entsteht neuer Wohnraum. Immer mehr junge Familien finden den Weg ins Zürcher Oberland.
«Die Bahnhofsgegend wird somit fast ein bisschen zum Zentrum.» Alles wirke urbaner, ohne aber das ländliche Flair zu verlieren. Der Kaffeeliebhaber wusste jedoch von Anfang an, dass er die Gründung eines Cafés nicht allein tragen möchte.




Insgesamt sind vier Gründer am Projekt beteiligt. Für die Gestaltung des Innenraums und die bauliche Umsetzung zeichnet das Onkaiarts Studio aus Zürich verantwortlich. Dahinter stehen Luca und Eric Blum, die auch das Konzept des Cafés Lalere geprägt haben.
«Wir haben den Rohbau von den SBB gemietet, die Ausstattung jedoch selbst geplant», erklärt Gass. Komplettiert wird das Gründerquartett durch Fabian von Rechenberg, der mit seiner Bäckerei Stadt Land Brot in Egg für frisches Gebäck sorgt.
Das Café Motmot heisst nicht etwa so, weil es hier Momos zu essen gäbe – auch hat es nichts mit Wörtern, den französischen «Mots» zu tun. Nein. Der Motmot ist ein Vogel, der in Süd- und Mittelamerika heimisch ist.
«Ich sah diesen das erste Mal in Guatemala auf einer Kaffeefarm», erzählt Gass. Die Kaffeebohnen im «Motmot» bezieht er jedoch von einem brasilianischen Familienbetrieb, der auf nachhaltige Anbaumethoden setzt.
Primetime vor der Arbeit
Neben dem Kaffee ist das «Motmot» auch für Matcha-Fans ein Gewinn: Es ist der einzige Ort in Uster, der das Trendgetränk ausschenkt. Matcha – ein fein gemahlenes Pulver aus japanischem Grüntee – enthält Koffein, wirkt aber sanfter und länger als Kaffee und ist reich an Antioxidantien.
Zwischen 6.30 und 8 Uhr bilden sich vor dem Schaufenster zwar noch keine langen Schlangen, doch die Baristas müssen schnell arbeiten, damit alle Gäste ihren Zug erwischen. «Bis um acht Uhr ist bei uns Hochbetrieb», erzählt Mitarbeiter Davide Fabiano.
Kochen ist im Raum lüftungstechnisch zwar nicht erlaubt, dafür wird es kalte Speisen wie Salate und Wähen geben. Abends will das Team das Café sogar in eine Bar verwandeln – ganz alkoholfrei wird es also nicht bleiben. Zudem sind Kooperationen mit Vereinen geplant, um das «Motmot» zu einem lebendigen Treffpunkt zu machen.
Von der Pfütze zur Leidenschaft
Kurios: Gass mochte selber lange keinen Kaffee. «Ich fand immer, er schmeckt einfach nach Pfütze.» Erst als er als Betriebswirt ins Kaffeegeschäft einstieg, entdeckte er, wie gut Kaffee schmecken kann. Heute kennt er sich in Sensorik und Verkostung bestens aus. «Mich interessiert die Vielfalt am Geschmack.»
Als Kundschaft wünscht sich Gass eine gute Durchmischung. «Ein cooler Mix aus Kindern und Eltern, jungen und älteren Menschen fände ich schön.» Es komme auch extrem auf die Menschen an, die hier arbeiteten, findet Gass. «Unsere Gäste sollen nicht schnell abgekanzelt werden, sondern spüren, dass sie eingeladen sind, hier auch wirklich Zeit zu verbringen.»
Bald auch drinnen Kafi schlürfen
Am 1. September öffnet das «Motmot», Café und Bar, offiziell seine Türen – für alle, die Lust auf einen Kaffee und ein Stück Stadtleben in Uster haben.