«Ein Grad weniger wäre auch okay»
Bauarbeiter erstellen in der brütenden Hitze auf dem Badi-Areal das neue Dübendorfer Hallenbad. Auf einen Sprung ins verwaiste Wasserbecken verzichten sie allerdings und setzen auf andere Methoden zum Schutz vor der Sonne.
Um halb zehn morgens weht ein angenehmes Lüftchen über die Baustelle für das neue Hallenbad in Dübendorf. Diese Erfrischung verflüchtigt sich allerdings schlagartig beim Betreten der Baugrube.
Knapp über der kürzlich erstellten Bodenplatte staut sich die Hitze. Hier schwitzt auch Christian Thielicke, der gerade dabei ist, die Frischbetonverbundfolie über die Dämmplatten auf dem Boden zu verlegen. Mit der Folie wird das Fundament vor eintretendem Grundwasser geschützt. «Wie ein Backofen. Fünf bis sechs Liter Wasser trinke ich momentan am Tag», beschreibt der tätowierte Bauleiter Thielicke die klimatischen Bedingungen an seinem Arbeitsplatz. Moment, ein Bauleiter, der Folien verlegt?
Ja, sonst sitze er jeweils im klimatisierten Büro der spezialisierten Gebäudeabdichtungsfirma. Doch wegen Ferienabwesenheiten seiner Mitarbeiter helfe er selbst auf der Baustelle aus. «Die Zeit drängt, die Jungs brauchen Unterstützung.» Thielicke und seine «Jungs» haben heute bereits um 6.30 Uhr angefangen.
Einer davon ist Thomas Sac. Seit 25 Jahren arbeitet er schon auf dem Bau und findet: «Ganz schön warm heute.» Er habe es gerne heiss, aber vorwiegend in den Ferien.
Immer schön eincremen
Tätschmeister für den Rohbau des Hallenbads ist Polier Reto Hüppi, der mit seinen sechs Mitarbeitern gerade die Schalung für die Bodenplatte erstellt. Hüppi trägt wie einige der anderen Bauarbeiter eine Sonnenbrille und einen Helm mit einem Stück Stoff im Nacken als Schutz vor der Sonne. «Ich sage immer: ‹Lieber schön und heiss statt Regen.›» Aber auch für ihn hat die Hitze Grenzen: «Ein Grad weniger wäre auch okay.»
Ansonsten gilt für Hüppi beim Arbeiten unter der brennenden Sonne dasselbe wie jedes Jahr: Sonnencreme benutzen. «Wie in den Ferien», sagt er und geht wieder zum Rand der Baugrube, um weiter zu schalen.
Dort bringt gerade sein Bruder Thomas Hüppi ein Stück Isolation an der Schalung an. «Schon ein bisschen warm», sagt er nüchtern.
Dass die Bauarbeiter gerade hier der Hitze trotzen und den Schweiss in den Augen ertragen müssen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ausgerechnet an dem Ort, der eigentlich im Sommer für Abkühlung sorgen sollte und nicht weit vom «Backofen» Baugrube entfernt liegt, winkt das Becken der Badi. Das Wasser ist allerdings bereits mit Algen durchsetzt. Nur eine Entenmutter und ihre zwei Küken finden noch Gefallen daran.
Entsprechend wenig Lust haben auch die Bauarbeiter auf ein mittägliches Bad. «Ich würde schon, wenn die Wasserqualität besser wäre», ist eine häufige Antwort.
Das Wasser bleibt noch ein Weilchen algengrün. Und ob die Badi 2027 wieder für die Bevölkerung geöffnet wird, ist immer noch unklar. Die Stadt will in den nächsten Wochen darüber informieren. Klar ist, dass sich die Bauarbeiten rund um das neue Hallenbad bis 2028 hinziehen. Bis dann wird den Bauarbeitern zumindest im Sommer noch viel Schweiss den Rücken runterlaufen.
Früher am Morgen anfangen
Christian Sünnen ist Projektleiter für den Hallenbadbau und angestellt bei der Stadt Dübendorf. Der studierte Architekt sagt, dass die Bauarbeiter wegen der grossen Hitze bei der Stadt um andere Arbeitszeiten angefragt hätten: Statt um 7 Uhr sollte der Arbeitstag bereits um 6 Uhr anfangen, damit am Nachmittag bereits um 15 Uhr Feierabend ist. Die Stadt habe dieses Ansinnen unterstützt und für Hitzetage eine solche Genehmigung ausgesprochen. Die Anwohner werden jeweils mit Flyern informiert. «Wir achten zudem darauf, dass in den frühen Morgenstunden keine lärmigen Arbeiten ausgeführt werden.» (dam)
Neue Kredite fürs Projekt «Hallenbad Oberdorf»
Auf dem Gelände des heutigen Freibads Oberdorf in Dübendorf entsteht das neue Hallenbad. Der Neubau wird als länglicher Baukörper entlang der Oberdorfstrasse angeordnet und ersetzt die bestehenden Gebäude und Parkplätze. Im nördlichen Gebäudeteil wird die grosse Schwimmhalle mit einem 25-Meter-Schwimmbecken, einem Mehrzweckbecken mit Hubboden, einem Kleinkinderbecken sowie einem warmen Aussenbecken gebaut. Daran schliessen Garderoben, Duschen, eine Eingangshalle und eine Cafeteria mit Blick auf das Freibad an. Im südlichen Gebäudeteil liegen die unbeheizten Garderoben und Sanitäranlagen des Freibads.
Den Baukredit von 45,8 Millionen Franken und den jährlich wiederkehrenden Betrag von 2,3 Millionen für den laufenden Betrieb hatte die Stimmbevölkerung im November 2023 bewilligt. Der Stadtrat hat seitdem zwei Nachtragskredite genehmigt: 476'000 Franken würden für einen Technikraum im Untergeschoss des Hallenbads benötigt, «weil der ursprünglich vorgesehene Raum zu klein und technisch ungeeignet ist», heisst es vonseiten der Stadt. Mit weiteren 158'000 Franken werden zusätzliche Leitungen finanziert, damit auch die Obere Mühle an diesen neuen Technikraum angeschlossen werden kann. (dam)
