Ein neuer Lebensraum entsteht: Das Moor in Nänikon kehrt zurück
Ehemaliger Autoabbruch der Roos AG
Vom Autoabbruch zurück zum Moor. Nach über einem Jahrzehnt beginnt die Wiederherstellung einer wertvollen Moorlandschaft in Nänikon.
Mit dem Start der Bauarbeiten zur Moorregeneration auf dem Gebiet Schwerzi beginnt eines der bedeutendsten Renaturierungsprojekte im Raum Uster. Wo während Jahrzehnten ein Autoabbruchbetrieb das Landschaftsbild prägte, entsteht in den kommenden Jahren wieder ein artenreiches Flachmoor. Auf rund 4,2 Hektaren werden belastete Auffüllungen entfernt, Altlasten saniert und die natürlichen Wasserverhältnisse wiederhergestellt. Das Projekt soll einen Beitrag für den Naturschutz und die Förderung der Biodiversität im Kanton Zürich leisten.
Eine lange Geschichte
Das Gebiet Schwerzi zwischen dem Hopperenriet und dem Werrikerriet war ursprünglich Teil eines ausgedehnten Flachmoorkomplexes. Die Landschaft war während Jahrhunderten von Feuchtwiesen, Riedflächen und Mooren geprägt. Mit der fortschreitenden Entwässerung sowie der industriellen und gewerblichen Nutzung verschwanden diese wertvollen Lebensräume jedoch schrittweise.
Besonders prägend war die Nutzung des Areals durch den Autoabbruchbetrieb der Roos AG. Während Jahrzehnten wurden auf dem Gelände Fahrzeuge verwertet und das Terrain mit verschiedenen Auffüllungen verändert. Auch die zugehörige Werkstatt samt Garage schloss im Februar 2015 endgültig, da sich kein Nachfolger finden liess. Das verlassene und verwilderte Gelände des ehemaligen Schrottplatzes diente in den Jahren 2017 und 2018 als Austragungsort des Konkret-Festivals mit Auftritten von Livebands.
Ein entscheidender Schritt gelang 2018: Der im Jahr 2005 gegründete Verein Konkret konnte das ehemalige Betriebsgelände erwerben und damit die Grundlage für eine umfassende Renaturierung schaffen. Seither wurden die Flächen gepflegt, ökologische Vorarbeiten geleistet sowie umfangreiche Untersuchungen und Planungen durchgeführt. Gleichzeitig musste die Altlastensituation abgeklärt werden, hydrologische Konzepte wurden entwickelt, und die Finanzierung des Grossprojekts musste sichergestellt werden.
Entscheidende Phase beginnt
Mit dem nun erfolgten Baustart beginnt die entscheidende Phase des Projekts. Während der kommenden Monate werden belastete Auffüllungen sowie nährstoffreiche Bodenschichten entfernt. Gleichzeitig werden frühere Drainagen zurückgebaut, welche den natürlichen Wasserhaushalt über Jahrzehnte beeinträchtigt hatten.
An ihre Stelle treten flache Geländemulden und ein neues offenes Grabensystem, das das Wasser wieder länger in der Landschaft zurückhält. Dadurch entstehen jene feuchten Standortbedingungen, welche für die Entwicklung eines Flachmoors unabdingbar sind.
Im Anschluss an die Erdarbeiten werden artenreiche Ried- und Magerwiesen sowie verschiedene Feuchtbiotope angelegt. Dadurch entsteht Schritt für Schritt ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Lebensräume, welches zahlreichen seltenen Pflanzenarten sowie Amphibien, Libellen, Wildbienen, Schmetterlingen und Brutvögeln einen neuen Lebensraum bietet.
Die Gesamtkosten der Moorregeneration belaufen sich auf rund 1,29 Millionen Franken. Den grössten Finanzierungsanteil übernimmt der Kanton Zürich mit einem Beitrag von 1,095 Millionen Franken aus dem Natur- und Heimatschutzfonds. Weitere finanzielle Unterstützung leisten die Ernst Göhner Stiftung sowie weitere Förderpartner. Der Verein Konkret kommt für den verbleibenden Anteil auf.
Langfristige Entwicklung bis 2030
Die eigentlichen Erd- und Wasserbauarbeiten sollen voraussichtlich bis im Herbst abgeschlossen werden. Danach beginnt die langfristige Entwicklung der neuen Moorlandschaft.
In den folgenden Jahren sollten sich die neu geschaffenen Lebensräume schrittweise etablieren. Die Ansiedlung typischer Moorvegetation sowie die Rückkehr zahlreicher Tierarten würden kontinuierlich begleitet und dokumentiert, schreibt der Verein Konkret in seiner Mitteilung. Die definitive Unterschutzstellung des Gebiets ist bis spätestens 2030 vorgesehen.

