Gesellschaft

Die Dübendorfer Parks – Teil 2

Bettlipark und Glattquai: Grüne Oase, divers, mit Partypotenzial

Im Central Park von Dübendorf ist immer etwas los. Hier hat die Stadt in den öffentlichen Raum investiert, und dem Publikum gefällts. Den Nachbarn manchmal nicht.

Bettlipark und Glattquai: Grüne Oase, divers, mit Partypotenzial

Im Central Park von Dübendorf ist immer etwas los. Hier hat die Stadt in den öffentlichen Raum investiert, und dem Publikum gefällts. Den Nachbarn manchmal nicht.

Könnte Dübendorf tatsächlich mehr sein als eine Agglo-Schlafstadt, die sich nicht nur darin auszeichnet, dass man schnell in Zürich und in der Natur – also schnell weg – ist? Anfang der 2010er Jahre begannen sich die Verantwortlichen der Stadt ernsthaft mit dem Prinzip des öffentlichen Raums auseinanderzusetzen.

Weil das alles ordentlich aufgegleist und breit abgestützt sein sollte, gab es erst ein Freiraumkonzept und danach, quasi als Gesamtbetrachtung, das Räumliche Entwicklungskonzept (REK). 2019 wurde eine Beauftragte öffentlicher Raum eingestellt, die als Bindeglied zwischen den verschiedenen Interessengruppen waltete und die Mitwirkung der Bevölkerung vorantrieb.

Eine gezeichnete Karte als Situationsplan für einen Park.
Hier befinden sich der Glattquai und der Bettlipark.

Parallel dazu lief die Planung für den Ersatz der maroden Glattbrücke an der Bahnhofstrasse. Nach mehreren Anläufen mit Projektanpassungen, Nachtragskrediten und Verzögerungen aus finanzplanerischen Gründen legte der Stadtrat schliesslich ein Projekt für gut 5,3 Millionen Franken vor. Dieses beinhaltete neben einer neuen Brücke auch noch die Umgestaltung des Glattquais rund 100 Meter flussaufwärts.

Im Dezember 2016 wurde die neue Brücke eröffnet, im Spätsommer 2017 folgte der Rest. Seither gibt es am Glattquai begrünte Inseln mit Sitzgelegenheiten, breite Betonstufen ermöglichen den Zugang zur Glatt.

Das Problem mit dem Kompost-WC

Zu einem echten Stadtpark wurde das Ganze allerdings erst, als 2023 anschliessend an den Glattquai – zwischen der Bettlikaserne und dem Fluss – der Bettlipark eröffnet wurde. Die Ausstattung: Picknicktische, eine Grillstelle, ein geschwungener Weg, eine Kiesfläche zum Boule-Spielen, ein Bächlibrunnen und etwas abgelegen eine kreisrunde Lümmelecke mit Liegebänkli, Bücherbox und Abfallkübel. Und ein Kompost-WC, das in regelmässigen Abständen abgefackelt wird.

Am meisten Raum hat aber die Natur bekommen: Zur Förderung der Biodiversität wurden Ökostrukturen wie Stein- und Altholzhaufen, Bäume, Wildhecken und Blumenwiesen erstellt.

Nicht fehlen darf natürlich ein Spielplatz, der nachträglich um einen Kleinkinderbereich und eine Schaukel erweitert und diesen Mai nochmals eingeweiht wurde. Ja, in Dübendorf mag man Apéros. Ebenfalls dieses Frühjahr brachte die Stadt mehrere Sonnensegel an; seither hält man es da im Sommer auch tagsüber aus.

Der Bettlipark ist zusammen mit dem Glattquai aufgrund der zentralen Lage die mit Abstand belebteste Grünfläche der Stadt. Hier ist immer was los. Hündeler teilen sich die Wege mit Joggerinnen, E-Velo-Rasern und flanierenden Glace-Schleckerinnen. Auf der Wiese liegen Sonnenanbeter neben Bücherleserinnen und den dicksten und faulsten Enten weit und breit. Auf den Bänkli verteilen sich Kebab-in-sich-rein-Drücker, Kräuterzigarettenraucherinnen, Aufs-Wasser-Starrer sowie Die-Umwelt-mit-schlechter-Musik-Nervende. Und ja, ab und zu wagt sich auch jemand zum Abkühlen in die träge dahinfliessende Glatt.

Bitte draussen bleiben!

Es geht also durchaus divers zu und her. Dass sich die verschiedenen Milieus nicht allzu sehr vermischen, dafür hat auch die Stadt gesorgt. So wurde im Bettlipark sofort nach dessen Fertigstellung ein grosses Familienfest organisiert – ein mehr oder weniger subtiler Hinweis an die Adresse der professionellen Biertrinker auf der anderen Seite der Glatt, für wen der Platz gedacht ist.

Der eigentliche Hotspot des Parks ist aber die Grillstelle, und hier kommen wieder alle zusammen. Oft duftet es schon vor dem Mittag nach angekokeltem Fleisch. Und erstaunlicherweise schaffen es die Verantwortlichen der Stadt, dass immer ausreichend Holz zur Verfügung steht.

Der Schlachthof auf dem Grill

Das ist auch nötig. Denn an einem Tag feiert eine portugiesische Grossfamilie eine Wurstparty, am anderen legt eine Kleinfamilie Tofuspiesse auf den Grill. Und nachts sind immer mal wieder Gruppen junger Männer anzutreffen, die die Tagesproduktion eines mittelgrossen Schlachthofs dem Feuer aussetzen – die Grillzange in der einen Hand, das Bier in der anderen.

Apropos Nacht: Der Bettli-Glattquai-Park ist neben dem Bahnhof der einzige öffentliche Ort in der Stadt, der auch nach Sonnenuntergang belebt ist. Aus Sicht mancher Anwohner zuweilen ein bisschen zu sehr. Die Folge: regelmässige Reklamationen wegen Lärm. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Dorf mit seinen 33'000 Einwohnern langsam, aber sicher zur Stadt wird.

Sommerserie über die Dübendorfer Parks

Dübendorf ist auf dem Weg zur Parkstadt. Während der Aufwertung des öffentlichen Raums lange Zeit wenig Beachtung geschenkt wurde, hat die Stadt in den letzten Jahren verschiedene Grünflächen und Erholungszonen geschaffen oder in Zusammenarbeit mit privaten Bauherren realisiert. In einer Serie stellen wir diesen Sommer die fünf grössten Parks vor.

Bereits erschienen:

17. Juli: «Jabee-Park: Stylisch, offen, aber wenig bevölkert»

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