Gesellschaft

Stahl ist sein Element

In Dürnten sprühen beim Arbeiten die Funken

Wie wird man Bildhauer und warum entstehen welche Kunstwerke? Antworten liefert Markus Bless hier.

In Dürnten sprühen beim Arbeiten die Funken

Stahl ist sein Element

Bildhauer Markus Bless stellt im Park der Villa Grunholzer in Uster aus. Wie seine Skulpturen entstehen, erzählt er bei einem Besuch in seinem Atelier.

Für das Fotoshooting hat Markus Bless einen weissen Handschuh angezogen und poliert eine seiner Figuren. Alles andere als so filigran geht es bei der Geburt seiner Werke zur Sache. Da wird Stahl geschmolzen, da sprühen beim Schweissen die Funken, und es wird auch mal mit dem Vorschlaghammer zugeschlagen. «Ich lege immer selber Hand an. Da hilft mir meine Schlosserlehre», betont der 72-Jährige.

«Ich mache zuerst kleine Modelle meiner bis zu 500 Kilogramm schweren Skulpturen, die ich dann bei einem Stahlbauer im Sankt-Gallischen erstelle. Der Stahl wird dort mit Maschinen gebogen und auch verdreht», erklärt der Bildhauer beim Besuch in seinem Atelierhaus mit roter Holzfassade in Dürnten. Dort arbeitet er mit seiner Frau Lisa Bless zusammen, die Tapisserien, kunstvolle Bildteppiche, herstellt.

Zwei am Tisch
Sie arbeiten oft auch als Team: Lisa und Markus Bless.

Schon 2021 war der ZO/AvU hier zu Besuch, als das Künstlerehepaar in seinem Atelier Skulpturen von Costa Coulentianos und Morice Lipsi, zwei Vertretern der École de Paris, ausstellten. Mit Coulentianos waren Lisa und Markus Bless eng befreundet. Beim damaligen Atelierbesuch träumte Markus Bless davon, seine Skulpturen irgendwann im Grossformat in der Landschaft zu sehen.

Modell
Zuerst erstellt Markus Bless solche kleinen Modelle seiner Werke (Bildmitte), die er danach zu Skulpturen umsetzt.

Nun geht der Traum in Erfüllung. Noch bis zum 6. September stehen im Park der Villa Grunholzer in Uster fünf Skulpturen von Bless – es ist das erste Mal, dass der Park zum Ausstellungsraum wird. «Nun scheint die Zeit reif zu sein für mich, mit einer grossen Ausstellung in die Öffentlichkeit zu treten. Gewisse gezeigten Skulpturen standen schon vorher vor meinem Haus, eher unbeachtet. Nun treten die Besucherinnen und Besucher mit ihnen in den Dialog. Das ist für mich als Künstler sehr schön», erklärt Bless mit einem Lächeln.

Werke von ihm sind bisher schon in Tann, Wald oder auch in Hinwil, wo eine seiner ersten Arbeiten im öffentlichen Raum beim Hirschenplatz als Brunnenskulptur steht, zu sehen.

In Südfrankreich gearbeitet und gelebt

Die Kurzfassung des bunten Lebens des Künstlers: aufgewachsen in Rüti, wo sein Vater eine Schlosserei besass. Nach seiner Schlosserlehre ging er nach Paris an die Kunstschule, um Bildhauer zu werden. Danach lebte und arbeitete er mit seiner Frau in Südfrankreich. Rückkehr in die Schweiz, wo er in den 1990er Jahren eine Firma für Design-Regalsysteme und später für Glaswände als Raumtrenner gründete. Vor zwölf Jahren verkaufte er seine Firma, 2019 entstand das Atelierhaus in Dürnten.

Skulptur
Das ist eine der ersten Skulpturen von Markus Bless im öffentlichen Raum. Sie steht als Brunnenfigur in Hinwil am Hirschenplatz.

«In jungen Jahren, nach meiner Ausbildung an der Pariser École nationale supérieure des arts décoratifs, waren meine Skulpturen viel runder. Heute sind sie aufs Wesentliche reduziert. Obwohl: In meinen neuen Werken kommt das Runde wieder ein bisschen vor.»

Mann und Skulptur
Vor dem Atelierhaus in Dürnten steht diese Skulptur von Markus Bless.

Die Arbeiten von Bless sind abstrakt. «In der Ausbildung habe ich gerne Gesichter gezeichnet. Die Bewegung des Körpers findet sich aber weiter in meinen Werken.» Was ist ein typischer «Bless»? Der Schreibende sieht darin das harte Material Stahl der Skulpturen, die an den Verbindungen bewusst gestaltete Brüche aufzeigen. Das Material, die Idee von innen, tritt nach aussen und verbindet sich mit der Umwelt, in welcher das Kunstwerk steht. Was sagt der Künstler selber zu dieser Interpretation?

Thema Einsamkeit bearbeitet

«Ich freue mich, wenn meine Skulpturen etwas beim Betrachter auslösen. Jeder hat eine andere Interpretation, das ist gut so.» Im Park der Villa Grunholzer präsentiert Markus Bless Werke aus seiner Skulpturenreihe «Solitaire», was aus dem Französischen übersetzt «einsam» bedeutet.

Skulpturen
Diese Skulpturen von Markus Bless stehen im Park der Villa Grunholzer.

Er selber hat folgende Erklärung zur Ausstellung «Kunst im Park» in seinem neusten Buch «Kunst am Bau», welches seine Werke ab 1980 bis heute beleuchtet: «Die Skulpturenreihe ‹Solitaire› ist ein Konzept zur Darstellung der komplexen Beziehung zwischen Einsamkeit und Gesellschaft in der heutigen digitalen Welt. Sie soll helfen, mit Mut und unserem Verstand unsere Einzigartigkeit zu entdecken.»

Und weiter erklärt Markus Bless: «Die Bewegung geschieht durch einen Einschnitt im Material. Die Bewegung wird also durch ein Ereignis von aussen ausgelöst. Obwohl die Bewegung in sich harmonisch ist, zeigen die Bruchstellen die Härte der Anstrengung, die Überwindung von der Ruheposition in die Bewegung.»

Die Skulpturen im Park der Villa Grunholzer hat Markus Bless nach seinen ganz klaren Vorgaben platzieren lassen. «Die Figuren korrespondieren miteinander. Deshalb ist die Platzierung hier in der Natur sehr wichtig», erklärt Bless. Bei der Vernissage am 13. Juni wurden die Skulpturen von drei Tänzerinnen zur Musik von Queen zusätzlich bespielt – eine weitere Kunstebene hat sich aufgetan. Stahl, Natur und Tanz im Einklang sozusagen.


Die Ausstellung «Kunst im Park» mit Skulpturen von Markus Bless im Park der Villa Grunholzer in Uster ist noch bis zum Sonntag, 6. September, zu sehen. Die Exponate sind jederzeit frei zugänglich. Finissage von 14 bis 17 Uhr. Weitere Informationen: www.villagrunholzer.ch.

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