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So waren die Regionalmeisterschaften

Wildbergs Mega-Turnfest weckt Open-Air-Gefühle

Shuttlebusse, Schlafsäcke und Siegerparties: Wie ein kleines Dorf für ein Wochenende zum Mekka des Turnsports wurde.

Da viele der TurnerInnen nicht viel Schlaf abbekommen haben, ist diese Entspannungszone sehr willkommen.

Foto: Karin Sigg

Wildbergs Mega-Turnfest weckt Open-Air-Gefühle

So waren die Regionalmeisterschaften

Shuttlebusse, Schlafsäcke und Siegerpartys: Wie ein kleines Dorf für ein Wochenende zum Mekka des Turnsports wurde.

Der Bahnhof in Turbenthal wirkt wie ausgestorben. Kurz scheint es am Sonntagmorgen ein wenig übertrieben, dass im Halbstundentakt zwei Gelenkbusse bereitstehen für den Shuttleservice ins benachbarte Wildberg, wo gerade die Regionalmeisterschaften Winterthur und Umgebung (RMS) ausgetragen werden.

Die beiden Chauffeure Karl Schlegel und Mehmeti Refki stehen vor ihren leeren Bussen und warten den nächsten Zug ab. Man wisse an diesen beiden Tagen nicht, wie viele Fahrgäste neben den angemeldeten Gruppen jeweils zustiegen. «Um auf Nummer sicher zu gehen, stehen deshalb durchgehend zwei Gelenkbusse parat», erklärt Schlegel. Die Fahrten selbst beschreibt er als sehr friedlich: «Turner sind immer gut drauf.»

Zwei Busfahrer vor einem der Spezialkurs-Postautos.
Karl Schlegel (links) und Mehmeti Refki transportieren den ganzen Tag Turner und Zuschauer.

Sein Kollege Mehmeti Refki wohnt in Wildberg. Vom Grossanlass hat er bisher aber nicht viel mitbekommen. Er werde nach dem Feierabend vielleicht auch noch kurz ans Fest gehen. «Cool, dass etwas läuft, das braucht es ab und zu.»

Inzwischen ist der Zug eingetroffen. Er spuckt eine grosse Menschenmenge aus, die sich zu den Bussen bewegt. Frauen und Männer jeden Alters besteigen die Fahrzeuge und füllen sie im Nu aus. Die meisten tragen Sportkleider und grosse Taschen, auf denen die Namen ihres jeweiligen Turnvereins prangen.

Die Mitglieder des TV Trüllikon freuen sich, dass sie heute endlich ihren Einsatz haben. Am Freitag haben sie schon auf dem Gelände trainiert. Deshalb wissen sie, was sie erwartet. «Das Ideale am Gelände ist, dass alles so nah beieinanderliegt», sagt einer der Turner.

Die kurze Fahrt nach Wildberg ist recht laut. Alle schwatzen und lachen aufgeregt durcheinander. Oben angekommen, verlassen die Fahrgäste den Bus und folgen den bunten Flatterbändern und Wimpelketten Richtung Festgelände. Eine kurze Autokolonne passiert die Fussgänger und rollt zu den Parkplätzen, dann ist es wieder ruhig im kleinen Dorf.

Einer der jungen Verkehrskadetten war schon tags zuvor im Einsatz. «Die Autofahrer sind recht entspannt, und alles läuft reibungslos und friedlich», erzählt er.

Als sie auf dem Festgelände ankommen, ist schon richtig viel los. Wettkampfatmosphäre liegt in der Luft: Auf den weitläufigen Wiesen, wo sonst Kühe grasen, messen sich Kugelstösser sowie Weit- und Hochspringer in ihren Disziplinen. In einem grossen Turnzelt stehlen sich die Ring-, Boden- und Barrenturner die Schau.

Fast 4000 Athletinnen und Athleten haben sich für diesen Megaanlass angemeldet. Ein sehr grosses Fest für eine 1015-Seelen-Gemeinde.

Die Seniorinnen der Frauenriege Effretikon sind gerade beim Weitwurf. «Wir sind sehr diszipliniert», sagt Ursi Dinkel. Seit März trainierten die Frauen mit einem zusätzlichen Trainingstag für die Meisterschaft. «Das macht sich bezahlt, wir schneiden immer wieder gut ab.»

Die Vizepräsidentin kann verletzungsbedingt nicht selbst teilnehmen. Deshalb ist sie als Fotografin für ihre Gspändli dabei. Sie findet nur lobende Worte für die Organisation dieses Anlasses. «Man merkt schon, dass das OK ein eingespieltes Team ist.»

Zusätzlich zur Kantonalen nimmt die Frauenriege Effretikon jeweils an der Ausserkantonalen Meisterschaft teil. Dabei spiele nicht nur der Vergleich mit anderen eine wichtige Rolle: «Es ist auch ein schönes Gefühl der Zusammengehörigkeit, gemeinsam Sport zu machen.»

Am Rand des Geschehens steht Rahel Büchi aus Elsau als Zuschauerin. Sie begleitet ihre beiden Töchter, die für den TV Räterschen antreten. Leona hat bei der Pendelstaffete mitgemacht, Flurina beim Weitwurf. «Ich bin zufrieden mit den Leistungen meiner Mädchen, vor allem, weil sie zum ersten Mal an einer RMS dabei sind.»

Die meisten der Zuschauer sind Angehörige von Sportlern. «Sonst würden wir vermutlich nicht herkommen», sagt ein älterer Mann, der zusammen mit seiner Frau das Geschehen verfolgt. Ähnlich scheint es sich auch bei vielen anderen Zuschauern zu verhalten, die entweder Kinderwagen oder Rollatoren schieben und dem Anlass beiwohnen, weil sie jemanden kennen.

Party, Party und noch mehr Party

Jene Turnerinnen und Turner, die ihren Auftritt schon am Samstag hinlegten, sind in der Festwirtschaft zu finden. Diese ist bereits am Morgen um halb zehn gut gefüllt. Über erstaunlich viel Energie scheinen die jungen Turner zu verfügen, die auf den Festbänken hüpfen und feiern.

Feiernde junge Männer am Turnfest.
Schon wieder Energie für Party – oder immer noch ...?

Drei Mitglieder des TV Wiesendangen kühlen sich indes im Holzbrunnen ab. Damit überbrücken sie die Wartezeit auf die Rangverkündigung. Sie sind zufrieden mit ihrem Auftritt am Vortag. «Wir rechnen mit voraussichtlich fünf Podestplätzen», sagt Präsident Tobias Kappeler stolz.

Er betont, dass sie trotz durchzechter Nacht noch immer blendend aussehen. «Wobei ein wenig Schlaf schon noch sein musste», ergänzt er augenzwinkernd, «aber das muss ja niemand wissen.»

Man sieht junger Männer in einem Brunnen sitzen.
Abkühlung gefällig? Die Turner des TV Wiesendangen chillen mit ihrem Präsidenten Tobias Kappeler (rechts).

Wenig Schlaf hatten – nach eigenen Angaben – auch die jungen Frauen von der Damenriege Marthalen. Wie viele andere auch übernachteten sie auf dem Campingplatz des Festgeländes, direkt neben dem Weinzelt. Die Lage mitten im Trubel scheint sie aber nicht zu stören, im Gegenteil. Sie entspannen sich vor ihren Zelten, während einige von ihnen ihre Schlafsäcke zusammenpacken.

«Mit den eigenen Leistungen zufrieden sein», «sich für den Verein engagieren» und «andere Leute treffen», so beschreiben sie ihre grösste Motivation für die Teilnahme an einer Meisterschaft.

Man sieht junge Frauen vor ihren Zelten.
Die Turnerinnen der Damenriege Marthalen haben auf dem Campingplatz übernachtet.

Um die Mittagszeit sind überall Berge von Gepäck auszumachen. Die ersten Übernachtungsgäste treten den Heimweg an. Sie wirken müde und schleppen sich mitsamt Taschen, Schlafsäcken und Zelten zur Bushaltestelle. Es kommt fast ein wenig Open-Air-Feeling auf.

Zwischen den abreisenden Gästen fällt ein älteres Ehepaar auf. Sie sind – ohne Angehörige im Einsatz – einfach zum Geniessen hergekommen, aus dem Nachbardorf Ehrikon. Klar, an diesem Wochenende sei deutlich mehr Verkehr als sonst. «Aber schön, dass mal etwas läuft hier», sagt der rüstige Rentner. Zusammen marschieren sie gut gelaunt Richtung Festgelände.

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