Grosses Turnfest in Wildberg: Hier ziehen alle am selben Strang
RMS 2026
Im Juni finden die Regionalmeisterschaften in Wildberg statt. So wird eine kleine Gemeinde zum Schauplatz eines Spektakels: ein riesiges Projekt für das Organisationskomitee.
Eine Gemeinde mit 1015 Einwohnern wird zur Spielwiese für 3900 Turnerinnen und Turner. Am 6. und 7. Juni finden in Wildberg die Regionalmeisterschaften (RMS) von Winterthur und der Umgebung statt. Auf 14 Hektaren Land – entspricht etwa 20 Fussballfeldern – werden die Athletinnen und Athleten um den Sieg in ihren Disziplinen kämpfen. Dazu gehören unter anderem Kugelstossen, Hochsprung und der 800-Meter-Lauf.
Es wird eine Veranstaltung der Superlative, die die Gemeinde, aber vor allem das Organisationskomitee stemmen wird. Das 50-köpfige OK agiert seit 2023 in einem Verein, um das Turnfest zu planen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Kopf des Teams ist Erich Kübler. «Ich bin bloss ein kleines Puzzleteil», sagt er.
Für die Veranstaltung, inklusive Auf- und Abbau, rechnet Kübler mit 10’000 Helferstunden. Eine enorme Zahl, die so manchen Verein beunruhigen würde. Freiwillige zu finden, stellt oft ein Problem dar. Nicht aber in Wildberg.
Von den 10’000 Stunden sind bereits über 9000 fest eingeplant. «Das Engagement und die Vernetzung unseres Umfelds macht das überhaupt möglich», sagt Kübler. Die wichtigsten Aufgaben sind zugeteilt. «Es fehlen bloss noch beispielsweise die Barschichten im Morgengrauen, die sind irgendwie nicht so beliebt», witzelt er.
Die Nachfrage bestimmt das Angebot
Hinter den RMS in Wildberg steckt nicht nur eine Menge Arbeit, sondern auch viele Gesichter: Mitglieder von Sportvereinen, Pensionierte, Schülerinnen und auch Landwirte. «Wir hatten ein solches Glück. Die drei betroffenen Bauern, denen die Grundstücke gehören, haben uns sofort unterstützt und uns ihr Land zur Verfügung gestellt.» Die einzig ebene Fläche in der sonst so hügeligen Gemeinde. Die Bauern hatten vor einem Jahr teilweise noch Ackerbau auf den Feldern. «Sie haben die Flächen für uns umgebrochen.»
Der OK-Präsident leitete selbst 10 Jahre lang die Geräteriege im Dorf. «Heute sind Personen im OK oder bei den Freiwilligen vertreten, die ich früher trainiert habe.» Es seien alle Generationen in diesem Projekt involviert.
Aus dem, was Kübler berichtet, merkt man sofort, dass für dieses Fest alle am selben Strang ziehen. Der Grund: Die Nachfrage nach einem solchen Turnier ist enorm. Der Verein rechnete eigentlich mit 3300 Anmeldungen. Es wurden 4700. «Ein Fest mit so vielen Turnerinnen und Turnern konnten wir aber schlicht nicht auf die Beine stellen.»
Trotzdem werden auch Vereine teilnehmen, die nicht aus Winterthur oder der Umgebung stammen. «Es gibt Turnvereine, die in ihrer Nähe kein solches Angebot haben», erklärt der OK-Präsident. «Dafür wollten wir ein Angebot schaffen.» Schliesslich sind es 3900 Teilnehmende, 2000 davon werden vor Ort übernachten.
Ursprünglich sollten auch Menschen mit Beeinträchtigungen an den RMS mitmachen können. Das sei so mit der Organisation Plusport Behindertensport Schweiz abgemacht worden. «Aber es gab leider zu wenige Anmeldungen dafür.» Kaum 50 Sportlerinnen und Sportler meldeten sich an. «Wir hatten die Anlagen eigentlich schon bereit dafür, doch mit der niedrigen Anzahl der Teilnehmenden musste der Plusport unsere Einladung absagen.»
Kompaktes Fest
Unterstützung erhält der Verein nicht nur von vielen Freiwilligen, sondern auch durch genügend Sponsoren: Die Gemeinde Wildberg trägt beispielsweise 20’000 Franken bei, Firmen stellen unter anderem Baumaterialien zur Verfügung. Die Wettkampfanlagen etwa werden mit 800 gesponserten Schaltafeln errichtet.
Es werde ein sehr kompaktes Turnfest, betont Erich Kübler mehrmals beim Rundgang über das Areal. Die Wettkampf- sowie auch die Festanlagen stehen dicht beieinander. «Wir mussten sparsam mit dem Platz umgehen», sagt er. «Aber so funktioniert es einwandfrei.»

Damit die RMS möglichst nicht mit dem Auto besucht wird – Parkplätze gibt es nur wenige –, werden während dem Festwochenende Busse im Einsatz sein und Wildberg damit gut erschliessen. «Wir wollen, dass alle das Fest geniessen können.»
Obwohl die Vorbereitungen «wie am Schnürchen laufen», gab es doch eine Herausforderung: das Sicherheitskonzept. «Man muss vieles beachten und Szenarien durchgehen, an die man eigentlich gar nicht denken will.» Wie etwa: Was, wenn sich jemand verletzt? «Aber wir sind sehr gut aufgestellt.» Mit Rettungssanitätern und Samariter vor Ort.
Vorfreude ist gross
Schon bald geht das Fest los, und von Anspannung kann nicht die Rede sein. «Wir freuen uns extrem», sagt Kübler. Denn eigentlich könne gar nichts mehr schiefgehen. «Es muss nur das Wetter mitmachen», sagt er. «Aber so schlimm, wie bei den letzten RMS in Turbenthal, wo es Bindfäden geregnet hatte, kann es gar nicht werden.»
Obwohl die Regionalmeisterschaften vor allem den Turnerinnen und Turnern gewidmet wird, empfiehlt Kübler auch Nichtsportlern einen Besuch: «Man kann die Athletinnen und Athleten in ihrem Element erleben. Das ist nicht nur faszinierend, sondern macht auch sehr viel Spass.»